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Wilke Spedition in Guben feiert 200. Geburtstag mit Festumzug

Mit einem rauschenden Fest und einem Festumzug wurde am Samstag der Geburtstag des Traditionsunternehmens gefeiert.
Mit einem rauschenden Fest und einem Festumzug wurde am Samstag der Geburtstag des Traditionsunternehmens gefeiert. FOTO: Ute Richter
Guben. Mit einem ausgelassenen Fest hat am Samstag die älteste Firma der Stadt Guben, das Unternehmen Wilhelm Wilke Spedition seinen 200. Geburtstag gefeiert. Ein Jahrhundertereignis nannte der Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, Albrecht Gerber, dieses Jubiläum. „200 Jahre Firma Wilke, das sind auch 200 Jahre Technologiegeschichte. utr

Im Jahr 1817 war das einzige verfügbare Transportmittel die Pferdekutsche. Heute kommen hier hochmoderne Lastwagen zum Einsatz. Und die Entwicklung wird weitergehen", sagte der Minister unter Verweis auf die immer weiter fortschreitende Digitalisierung. Und das die Firma Wilke, die heute bereits in sechster Generation geführt wird, auf dem neuesten Stand der Technik ist, zeigte sie bei einem kleinen Festumzug. Angefangen mit der Pferdekutsche über kleine Gefährte bis hin zu den hochmodernen Trucks spiegelte sich die Entwicklung des Traditionsunternehmens darin wieder.

Aus ganz Deutschland ist die riesige Familie Wilke angereist, um beim historischen Geburtstag dabei zu sein. Vor allem für die Brüder Wilhelm und August Wilke, heute beide über 90 Jahre alt, war dieser Tag etwas ganz Besonderes. Tränen hatten sie in den Augen, als sie die Berliner und Frankfurter Straße auf der Pferdekutsche durchfuhren. Später erzählten sie, dass sie so stolz sind auf ihre beiden Nachfolger, denn sie betreiben das Geschäft sowohl menschlich als auch unternehmerisch in ihrem Sinne weiter. Die beiden alten Herren, die nun fast einhundert Jahre Firmengeschichte mitgeschrieben haben, hatten nach dem 2. Weltkrieg die Spedition weitergeführt beziehungsweise wieder aufgebaut. Ihnen, wie auch ihren Vätern und Großvätern war es neben der Arbeit immer wichtig, dass es ihren Beschäftigten gut ging. Genau das hob auch Peter Kopf, Präsident der Industrie- und Handelskammer, hervor: "Die Firma Wilke ist unternehmerisch und privat von der alten Schule. Menschlichkeit spielt bis heute eine große Rolle." Und tatsächlich engagieren sich die heutigen Geschäftsführer, die Cousins Thomas und Andreas Wilke, nicht nur in den Gubener Kirchengemeinden, sondern auch für die Stadt Guben.

Das hob der amtierende Bürgermeister Fred Mahro ebenfalls hervor. Deshalb erfuhr die Spedition Wilhelm Wilke mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Neißestadt auch eine besondere Würdigung. "Die Stadt Guben und die Stadtverordnetenversammlung Guben honorierten damit die 200-jährige Tradition und nachhaltige Tätigkeit des Gubener Familienunternehmens und seiner Mitarbeiterschaft sowie das ehrenamtliche Engagement der Familie Wilke", so Mahro. Doch was ist der Geist der Firma Wilke? Auch darauf hatte Mahro eine Antwort. "Es ist der unerschütterliche Glaube an Gott und die Dankbarkeit der Familie Wilke, jeden Tag seine Arbeit verrichten zu dürfen".

Und diese Arbeit aus 200 Jahren wurde von der Stadt auch mit einer Ausstellung im Stadt- und Industriemuseum gewürdigt. Konzipiert wurde die Ausstellung von den Museumsmitarbeitern in Kooperation mit der Firma Wilhelm Wilke, die aus einem Handelsgeschäft für einheimische und ausländische Waren sowie aus einem Bankhaus hervorgegangen ist. Historisches Fotomaterial, seltene Schriftdokumente und gegenständliche Exponate zum Thema Handel und Umzug beleuchten ein Stück Gubener Heimat- und Stadtgeschichte. Am Samstag waren Teile daraus auf dem heutigen Firmengelände an der Winkelstraße aufgebaut worden.

"Ein halbes Geschichtsbuch hat die Firma auf dem Buckel - vom Königreich Preußen bis zur Bundesrepublik Deutschland. Das kann man nur schaffen, wenn man starke Männer und Frauen hat - und das ist bei der Firma Wilke ganz offensichtlich der Fall. Alle Achtung vor dieser Jahrhundert-Leistung. Ohne den Fleiß der Beschäftigten wäre auch ein so außergewöhnliches Jubiläum wie das der Spedition Wilke nicht möglich gewesen", hob Minister Gerber hervor. Zwei Weltkriege und fünf Staatsformen überdauert bis heute die Firmengeschichte. Deshalb nahmen auch viele der Gäste den Geburtstag zum Anlass, um sich Kleidung von einst zu beschaffen. Wenn nicht aus dem eigenen Fundus, so wurde offensichtlich das des Staatstheaters in Cottbus gestürmt. Schick sahen alle aus und so wurde dieser Firmengeburtstag ein Blick zurück, aber auch nach vorn, denn die nächste Generation der Familie Wilke steht schon in den Startlöchern.

Wilke Spedition wurde im Jahr 1817 von Friedrich Wilhelm Wilke gegründet - damals noch als Kolonialwarenhandel und Bankhaus. Karl Wilke begann 1846 mit dem erfolgreichen Speditionsgeschäft. Seit der Wende leiten die beiden Cousins Thomas und Andreas Wilke das mittelständische Logistikunternehmen, das sich auf den Transport von Chemiefasern und Granulaten spezialisiert hat. Der Möbeltransport ist heute nur noch ein Nischengeschäft.