"Die Population wild lebender Katzen in Guben ist stabil", sagt Tierarzt Christian Pietsch. Gemeinsam mit dem ortsansässigen Tierheim hat der Veterinär aktuelle Eckdaten zur Katzenpopulation zusammengetragen und dem Umweltausschuss der Stadt im Rahmen der jüngsten Sitzung präsentiert. Den Angaben zufolge wurden bis Anfang September 2015 insgesamt 64 streunende Tiere im Gubener Tierheim aufgenommen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Gesamtzahl bei 110.

Wie viele Katzen tatsächlich durch Gubens Kleingartenanlagen, Wohngebiete und Wälder streichen, ist jedoch nicht exakt ermittelbar. An den drei offiziell registrierte Futterstellen im Birkenweg, im Turnerwäldchen und an der alten Fischfabrik werden von Tierheim-Mitarbeitern oder Tierpaten jeweils zwischen drei und zwölf Katzen versorgt.

Eine "latente Gefahr" der Vermehrung ist aus Sicht von Uwe Schulz, Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit, dennoch gegeben. Um die Katzenpopulation in Guben möglichst stabil zu halten, will die Stadt nun das Fütterungsverbot stärker kontrollieren. Laut Paragraf 4 der Ordnungsbehördlichen Verordnung ist "das Füttern von wild lebenden Tieren, außer von Singvögeln in der Winterzeit", ohnehin grundsätzlich verboten. Mit Betroffenen soll gesprochen werden, heißt es.

"Wer eine Katzen füttert, übernimmt auch die Sorgepflicht für das Tier", bestätigt Pietsch. Das sei vielen Menschen gar nicht so bewusst. Als klassisches Beispiel nennt er Gartenbesitzer, die sich im Sommer um die Versorgung der Vierbeiner kümmern, aber im Winter gar nicht vor Ort sind. Seiner Ansicht nach besteht bei "wilden" Fütterungsstellen zudem immer auch die Gefahr, dass andere Tiere wie Marderhunde angelockt werden. "90 Prozent der wilden Katzen sind krank", betont der Tierarzt. Eine Ansteckung sei nicht immer ausgeschlossen.

Die vom Tierheim vorgeschlagene Verordnung zur Zwangskastration von freilaufenden Katzen im Stadtgebiet Guben wird es jedoch nicht geben. Aus Sicht der Verwaltung ist die Maßnahme "unangemessen" und "in der Praxis mit vielen Problemen und Risiken behaftet", so Schulz. Herrenlose Katzen fallen zwar grundsätzlich in die Zuständigkeit der Stadt, allerdings ist nicht immer eindeutig, ob die Tiere tatsächlich keinen Besitzer haben. Das räumt auch Pietsch ein.

Für eine möglichst flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungspflicht setzt sich aber auch der Deutsche Tierschutzbund ein. Mehr als 260 deutsche Städten haben bereits ihre Kommunalverordnung entsprechend geändert, heißt es auf der Internetseite. Als Vorreiter wird die Stadt Paderborn (Nordrhein-Westfalen) genannt, die sich bereits vor sieben Jahren zu diesem Schritt entschloss.