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Wie verteilt Guben seine Schüler?

Auf dem Schulhof der Friedensschule wird es in den Pausen mitunter eng.
Auf dem Schulhof der Friedensschule wird es in den Pausen mitunter eng. FOTO: S. Halpick
Guben. Der neue Schulentwicklungsplan der Stadt Guben ist beschlossene Sache. Mit zwei Grundschulstandorten und insgesamt fünf Klassen pro Jahrgang soll der Bedarf an Plätzen auch in den kommenden fünf Jahren gedeckt werden. Silke Halpick

Kritik gibt es dennoch: an der Verteilung der insgesamt 738 Schüler.

"Bauchschmerzen" hat beispielsweise die CDU-Stadtverordnete Christiane Fritzschka. Bisher waren die Friedens- und die Corona-Schröter-Grundschule gleichberechtigt mit jeweils 2,5 Zügen in der Schulentwicklungsplanung ausgewiesen. Nach dem neuen Konzept soll es in der Friedensschule künftig jeweils drei erste Klassen geben und in der Corona-Schröter-Schule nur noch zwei. Damit werde dem Wahlverhalten der Eltern entsprochen, begründet die Stadtverwaltung die Änderung.

Das Problem: Mittlerweile herrscht an der Friedensschule ein "massives Platzproblem", wie auch Fritzschka betont. Um überhaupt eine dritte erste Klasse eröffnen zu können, waren kurzfristige Umbauten in den Sommerferien nötig. Unterschiedliche Pausenzeiten gehören für die Schüler zum Alltag, damit es auf dem Schulhof nicht zu eng wird. Im Gespräch ist zudem schon wieder eine Horterweiterung. Erst 2015 hatte die Stadt viel Geld in ein angrenzendes Wohnhaus investiert, um es zum Hort umzubauen.

Die "unbegrenzte Zulassung von Erstklässlern, ohne das Raumprofil der Friedensschule zu beachten", kritisiert auch Gerhard Lehmann, Stadtverordneter der Linken. Seine Fraktion hatte sich bei der Abstimmung über die Schulentwicklungsplanung für 2017 bis 2022 kollektiv enthalten. Für Lehmann sind die Bedingungen an der Corona-Schröter-Schule "wesentlich günstiger". Er kritisiert, dass die Stadt keine Schulbezirke festgelegt und so selbst für "Konfliktpotenzial" gesorgt habe.

Von den rund 70 Erstklässlern in der Friedensschule stammen fast 40 Kinder aus der Altstadt, zehn aus dem Wohnkomplex (WK) I und andere aus den Ortsteilen Groß Breesen, Bresinchen und Schlagsdorf. Die Mehrzahl der rund 50 Lernanfänger in der Corona-Schröter-Grundschule wohnen im WK II beziehungsweise WK IV. Auch die Stadt sieht es als notwendig an, die Schulbezirkssatzung zu ändern - allerdings mit dem Ziel, drei Klassen pro Jahrgang an der Friedensschule und zwei an der Schröterschule zu etablieren.

Für Frank Kramer, Fraktionschef von der Wählergruppe "Wir Gubener Bürger" ist die Änderung der Zügigkeit für die Grundschulen im Schulentwicklungskonzept "sauber dargestellt" und nachvollziehbar. Das Problem "dahinter", dass die Hortkapazität an der Friedensschule nicht mehr ausreicht, sei nicht Gegenstand der Schulentwicklungsplanung, betont er.

Wichtig für Kramer ist allerdings, dass sich das Gymnasium und die Oberschule als weiterführende Bildungseinrichtungen nicht die Schüler streitig machen. Das Gubener Gymnasiums läuft in der Trägerschaft des Landkreises Spree-Neiße und hat vor allem mit dem freien Rahn-Gymnasium im Stift Neuzelle eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Zahl der Eingangsklassen verringerte sich seit dem Schuljahr 2003/2004 schrittweise von fünf auf drei.

Mit durchschnittlich 60 Schulanfängern jährlich rechnet die Stadt Guben in der Europaschule. Der Anteil der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Von den insgesamt 292 Jugendlichen sind den Angaben zufolge 32 betroffen. Die Oberschule in Trägerschaft der Stadt beteiligt sich am landesweiten Pilotprogramm "Gemeinsames Lernen". Ziel ist es, auch Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten einen Schulabschluss zu ermöglichen.

Zum Thema:
Laut Brandenburgischem Schulgesetz können auch Kommunen für die von ihnen getragenen Schulen einen Schulentwicklungsplan aufstellen. Prognosen zufolge rechnet die Stadt Guben mit durchschnittlich 100 Geburten pro Jahr. Durch Zuzüge steigt die Zahl der Lernanfänger im Planungszeitraum von 2017 bis 2022 auf 110 Schüler. Derzeit gibt es 738 Grundschüler in der Stadt. An den beiden Sekundarschulen in Guben lernen insgesamt 661 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Europaschüler wird sich den Angaben zufolge bei rund 280 einpegeln.

Die Corona-Schröter-Grundschule hat einen neuen Anbau für den Hort bekommen.
Die Corona-Schröter-Grundschule hat einen neuen Anbau für den Hort bekommen. FOTO: S. Halpick