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Wie schnell schrumpft Spree-Neiße?

Die Städte in Spree-Neiße werden immer kleiner. Der Rückbau - wie hier in Guben - ist ein deutlich sichtbares Zeichen dafür.
Die Städte in Spree-Neiße werden immer kleiner. Der Rückbau - wie hier in Guben - ist ein deutlich sichtbares Zeichen dafür. FOTO: Schauff
Spree-Neiße. Guben, Forst und Spremberg werden weiter deutlich an Größe verlieren, die Einwohner werden älter. Doch welche Stadt ist am meisten von Überalterung und Fortzügen getroffen? Prognosen des Landes liefern die Antwort. Daniel Schauff

Guben wird in einigen Jahren in Bezug auf das Durchschnittsalter der Einwohner die zweitälteste Stadt Deutschlands sein. In der Diskussion um das Integrierte Entwicklungskonzept für die Neißestadt wurde deutlich: Der Bevölkerungsschwund ist kaum aufzuhalten - auch die Überalterung der Bevölkerung sorgt für neue Anforderungen zum Beispiel an den Wohnungsbau, aber auch an den öffentlichen Personennahverkehr. Doch wie dramatisch ist der Bevölkerungsschwund in Guben im Vergleich zu den Städten Spremberg und Forst im Spree-Neiße-Kreis?

Zahlen aus dem Mittelbereichsprofil des Landesbauamts geben Aufschluss. Aus ihnen wird deutlich: Zwischen dem Jahrtausendwechsel und 2030 wird Guben rund die Hälfte seiner Einwohner verloren haben. 2000 waren es noch deutlich über 25 000, Prognosen des Landesinfrastrukturministeriums zufolge werden es 30 Jahre später nur noch 13 339 Menschen sein, die in Guben leben.

Die Prognose für Forst ist nicht ganz so dramatisch: Dort lebten im Jahr 2000 laut Ministerium 24 309 Menschen, knapp 16 000 werden es 2030 der Prognose zufolge noch sein. Auch in Spremberg wird sich die Bevölkerung demnach nicht innerhalb von 30 Jahren halbieren: Von 27 500 Einwohnern sinkt die Zahl bis 2030 der Prognose zufolge auf 18 814.

Auch der Anteil der unter 15-Jährigen ist der Vorausschau nach in Guben deutlich niedriger als in den vergleichbaren Städten im Kreis. So werden in der Neißestadt nur 974 Bewohner unter 15 Jahren leben, in Forst sind es noch gut 1500, in Spremberg sogar 1700. Schon 2014 war ein deutlicher Unterschied bei den jungen Bewohnern der Städte erkennbar. Vor zwei Jahren lebten 1598 Unter-15-Jährige in Guben, in Forst waren es bei ähnlicher Einwohnerzahl 2106, in Spremberg 2393. Dem gegenüber steht der Anteil der Bürger über 65 Jahre. 2014 waren es in Guben 5541, in Forst 4960, in Spremberg 5737. 2030 steigt die Zahl in Guben auf 6383, in Forst auf 6315, in Spremberg sogar auf 7476.

Im Verhältnis von Geburten und Sterbefällen liegen zumindest Guben und Forst auf gleichem Niveau - in beiden Städten gibt es rund 100 mehr Sterbefälle als Geburten im Zeitraum zwischen 2001 und 2014 pro 1000 Einwohner. In Spremberg liegt dieser sogenannte natürliche Saldo mit knapp 73 deutlich niedriger. Bei der räumlichen Bevölkerungsentwicklung allerdings zeigen die Städte deutliche Unterschiede. So haben Guben in den Jahren 2001 bis 2014 fast 13 000 Menschen verlassen, nur gut 7000 neue Gubener sind hinzugekommen. In Forst gab es zwar auch 12 500 Fortzüge, knapp 10 000 Menschen sind dagegen allerdings in die Rosenstadt gezogen. Spremberg haben sogar knapp 16 000 Menschen den Rücken gekehrt, knapp 13 000 sind hingegen neu nach Spremberg gezogen.

Die Zahlen und Prognosen des Ministeriums zeigen demnach, wie sich die Entwicklungen der drei größten Städte des Spree-Neiße-Kreises unterscheiden. Guben ist demnach am deutlichsten vom demografischen Wandel sowie vom Wegzug junger Einwohner betroffen. Doch auch Spremberg und Forst werden nach derzeitigem Stand deutlich älter und kleiner. Aus Guben als einstiges Industriezentrum soll in den Jahren bis 2030 eine "große Kleinstadt" werden, heißt es im aktuellen Stadtentwicklungskonzept. Auch Forst und Spremberg werden in gut einem Jahrzehnt einen ähnlichen Titel tragen können, wenn sich die Prognosen des Ministeriums bewahrheiten.

Zum Thema:
Aus den Zahlen des Ministeriums lässt sich auch ein Größenvergleich zwischen den drei Städten ziehen. Während die aktuelle Bevölkerung in Guben und Forst fast identisch ist, liegt Spremberg mit über 20 000 Einwohnern knapp vorne. Die Flächen der drei Städte sind umso unterschiedlicher. Spremberg gehört mit 180 Quadratkilometern Fläche zu den größten Städten Brandenburgs, das Forster Stadtgebiet erstreckt sich über 110 Quadratkilometer. Guben ist gerade einmal 44 Quadratkilometer groß.