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| 18:04 Uhr

Guben
Wie der Vater, so der Sohn

Joachim Dulitz und seine Ehefrau Christa sind stolz, dass ihr Sohn Holger bald den Glas- und Leichtmetallbau-Betrieb in Guben übernehmen wird. Seit 115 Jahren ist er im Besitz der Familie.
Joachim Dulitz und seine Ehefrau Christa sind stolz, dass ihr Sohn Holger bald den Glas- und Leichtmetallbau-Betrieb in Guben übernehmen wird. Seit 115 Jahren ist er im Besitz der Familie. FOTO: Zeidler
Guben. Viele Handwerksbetriebe suchen Nachfolger innerhalb der Familie und Kollegen. Von Josephine Japke

Für etwa 100 Handwerksbetriebe in Guben werden in den kommenden Jahren Nachfolger gesucht. Mehr als 550 Betriebe sind es im Spree-Neiße-Kreis. Doch laut Handwerkskammer Cottbus (HWK) gibt es für mehr als die Hälfte der Unternehmen noch keinen passenden Nachfolger. Ein Problem, dem nicht nur betroffene Geschäftsführer, sondern auch Handwerks- und Industrie- und Handelskammer (IHK) gegenüberstehen.

Überraschend sind die hohen Zahlen für Nils Ohl, Pressesprecher der IHK, allerdings nicht. „Mit der politischen Wende erfolgten um 1990 vermehrt Gründungen durch Menschen im mittleren Alter, die jetzt kurz vor dem Ruhestand stehen“, erklärt er. Die Suche nach dem passenden Nachfolger würde sich für viele von ihnen allerdings schwierig gestalten. Weil es keinen Kandidaten gibt, aber auch, weil die emotionale Bindung zum Betrieb zu groß und der Kaufpreis zu hoch ist. Oder die Suche zu spät beginnt.

Nicht so bei Joachim Dulitz, Geschäftsführer des Glas- und Leichtmetallbau-Betriebes in Guben. „Wenn ich gehe, übernimmt mein Sohn die Geschäfte vollständig. Geschäftsführer ist er eh schon seit einigen Jahren“, erklärt er und ist stolz darauf, dass der Betrieb auch nach 115 Jahren weiter in den Händen der Familie bleibt. Für Holger Dulitz war seit Schulzeiten klar, dass er in Vaters Fußstapfen treten wird. Die Übertragung der Geschäfte findet deshalb nicht von jetzt auf gleich statt, sondern ist seit Jahren ein fließender Übergang. „Seit 24 Jahren arbeite ich in dem Unternehmen, bin seit 2012 ebenfalls Geschäftsführer. Ich brauche keine Einweisung mehr“, sagt Holger Dulitz.

Das ist laut Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der HWK, allerdings die Ausnahme. So früh wie möglich sollen sich Unternehmen mit dem Thema auseinandersetzen, denn sie würden vor einer Vielzahl von Problemen stehen: „Steuerliche, rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte müssen beachtet werden. Manchmal gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie das Unternehmen fortgeführt werden soll“, fasst er zusammen.

Gedanken, die auch Joachim Dulitz versteht. „Ich würde mich auch ärgern, wenn ein Fremder unseren Betrieb übernehmen würde, ihn in den Sand setzt und ich nichts dagegen machen kann.“ Umso glücklicher ist er, dass sein Sohn die Geschäfte übernimmt.

Laut Nils Ohl ist das die häufigste Herangehensweise. Auf Platz zwei landen laut einer Umfrage der IHK Gespräche mit Mitarbeitern - doch dort lauert häufig das nächste Problem. „In vielen Bereichen fehlt auch der Nachwuchs. Wo kein Lehrling, da kein Meister und demzufolge auch kein Unternehmensnachfolger“, erklärt Knut Deutscher. Außerdem hätte nicht jeder den Mut und die Motivation, sich selbstständig zu machen.

Als Bürde empfindet Holger Dulitz die Übernahme des Familienbetriebes nicht. „Warum auch? Ich habe mich mein ganzes Leben lang darauf vorbereitet, weil ich den Job liebe. Das ist nur der nächste Schritt.“