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Wetterfahne weht über Doppelstadt

Jeremy Lee sprayt ein Graffiti.
Jeremy Lee sprayt ein Graffiti. FOTO: Halpick
Guben/Gubin. Menschen aus allen Himmelsrichtungen haben sich an der Finanzierung beteiligt. Mit der Einweihung beginnt das Frühlingsfest. Silke Halpick

Während sich das Gubener Dreieck am Freitagnachmittag nur langsam mit Gästen füllt, geht im polnischen Teil der Doppelstadt bereits die Post ab. Die Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier wird die neue Wetterfahne eingeweiht. Die 1,20 Meter breite und 80 Zentimeter hohe Edelstahlkonstruktion ist allerdings schon längst auf der Turmspitze installiert. Das sei aus sicherheitstechnischen Gründen nicht anders möglich, erklärt Monika Wachsmann vom Förderverein. Aus der Nähe ansehen können sich die Besucher aber das Modell, das im Vorfeld gefertigt wurde.

Für den Gubiner Bürgermeister Bartlomiej Bartczak wird damit die letzte Etappe beim Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche eingeläutet. Jetzt müsse es nur noch gelingen, einen Investor zu finden, der zehn Millionen Euro für das Projekt rausrückt, sagt er verschmitzt. Das dürfe für den ebenfalls anwesenden Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulz kein Problem sein, der bekanntlich in dergleichen Partei wie die deutsche Bundeskanzlerin ist. Da könne es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis das richtige Signal von Berlin nach Guben gesendet wird.

Diesem grenzenlosen Optimismus verpasst Klaus-Peter Schulz prompt einen Dämpfer. Das Kulturstaatsministerium sehe keine Fördermöglichkeit, berichtet er. Die nächste Tür, an die er klopfen will, sei die des Auswärtigen Amtes. "Ich kann nicht versprechen, dass wir Fördermittel bekommen, aber ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen", sagt er.

Die Stadt- und Hauptkirche wurde Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und soll nun zu einem deutsch-polnischen Begegnungszentrum ausgebaut werden. Geplant ist eine Dachkonstruktion aus einem lichtdurchlässigen Material der Nanotechnologie. Die technische Dokumentation als Baugenehmigung liegt bereits vor.

Blickwechsel auf die deutsche Seite: Hier gibt es ein auf die Jugendlichen zugeschnittenes Programm. Der Jugendclub Comet bietet einen Graffiti-Workshop auf dem Dreieck an. "Das ist toll zum Üben", sagt der 20-jährige Jeremy Lee. Er sprayt nicht zum ersten Mal. "Wenn man sich die Dosen selbst kauft, ist das extrem teuer", sagt er. Riccardo Frenzel, der schon zahlreiche EVG-Verteilerstationen als Auftragswerk mit Graffiti verziert hat, gibt Tipps zum "Style" oder wie man Buchstaben "blockig" hinbekommt.

Auf der Bühne präsentieren sich deutsche und polnische Jugendliche, die beim diesjährigen Talentewettbewerb der Stadt mitmachen. Unter ihnen ist auch Lisa-Theresa Röming, die Vorjahressiegerin, die ihren Titel verteidigen will. Sie singt den Bruno-Mars-Song "When I Was Your Man". Ein anspruchsvoller Song, wie sie selbst findet. Mit der ersten Präsentation ist sie nicht ganz zufrieden. Auch andere Künstler haben noch Schwierigkeiten mit der Technik. Das große Finale fand noch am selben Abend auf Gubiner Seite statt.