"Ich habe mit der Politik abgeschlossen und stehe als künftiger Bürgermeister in keinster Weise zur Disposition", sagt Klaus-Dieter Fuhrmann ganz energisch auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Der Gubener Rechtsanwalt war mehr als 20 Jahre lang Stadtverordneter in Guben, elf Jahre davon leitete er den Stadtrat.

2014 erklärte er seine kommunalpolitische Karriere überraschend für beendet. Ein Comeback kommt für ihn auch jetzt nicht infrage, betont Fuhrmann. Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2009 trat der CDU-Mann noch als parteiübergreifender Kandidat gegen den damaligen Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) an, verlor aber.

Hübner wurde damals mit mehr als 64 Prozent der Stimmen von den Gubenern für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Im November 2011 wurde er vom Amt suspendiert. Das Landgericht Cottbus verurteilte ihn wegen Untreue und Bestechlichkeit im Februar 2015 zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Dieses Urteil bestätigte der Bundesgerichtshof vor knapp zwei Wochen.

Nun muss ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Als voraussichtlicher Wahltermin wird der 26. Juni 2016 gehandelt. Darüber wurde nach RUNDSCHAU-Informationen im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung des Gubener Hauptausschusses informiert. Festlegen muss den Termin der Landrat Harald Altekrüger (CDU). Der will das konkrete Datum nicht bestätigen. "Der Termin zur Bürgermeisterwahl steht noch nicht fest", sagt Pressesprecherin Stefanie Hannusch.

Wahlvorschläge können bis zum 66. Tag vor der Wahl beim Wahlleiter eingereicht werden. So steht es im Paragrafen 27 des Brandenburger Kommunalwahlgesetzes. Aktuell wollen sich die Parteien jedoch noch nicht in die Karten schauen lassen. Für Günter Quiel, SPD-Fraktionschef, gehört es beispielsweise zum "guten Ton", "anstandshalber" zunächst auch mit dem amtierenden Bürgermeister Fred Mahro zu sprechen, der seit rund vier Jahren die Geschäfte in der Neißestadt führt.

Bisher hatte sich Mahro (CDU) in dieser Frage stets zurückgehalten und immer wieder gern betont, dass er auch sehr gut "in der zweiten Reihe" stehen könne. Nun kündigte er auf RUNDSCHAU-Anfrage an, sich "nach Ostern" dazu positionieren zu wollen.

Auch Kerstin Nedoma, Frontfrau der Gubener Linken, gibt sich zurückhaltend. "Wir wissen noch gar nicht, ob es wieder einen überparteilichen Kandidaten geben soll oder jeder seinen eigenen ins Rennen schickt", sagt sie. Mit einer Entscheidung der Linken sei in den nächsten vier Wochen zu rechnen, betont Nedoma.

Ob sie selbst als Bewerber antreten wird, lässt sie offen. Bei der Stadtverordnetenwahl im Mai 2014 bekam die Lehrerin am Pestalozzi-Gymnasium immerhin 2171 Stimmen der Gubener - so viel wie sonst keiner, außer Hübner. Der trat auch an, sammelte 3893 Stimmen, konnte das Abgeordnetenmandat wegen Unvereinbarkeit mit seinem Bürgermeisterposten aber nicht antreten.

Für Peter Wiepke ist es auch eine "strategische Frage", wann man seine Kandidatur bekannt gibt. "Damit ändert sich immer auch das Verhalten der anderen", sagt der Geschäftsführer der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo). Sein Name taucht immer wieder auf, wenn es um mögliche Kandidaten geht. Wiepke saß vier Jahre lang für die Wählergruppe "Wir Gubener Bürger" (WGB) im Gubener Parlament, legte sein Mandat 2013 nieder, als er Guwo-Geschäftsführer wurde. Eigenen Angaben zufolge hat er auch gute Kontakte zur CDU und SPD. Ob er als möglicher Kandidat infrage kommt, will er weder bestätigen noch dementieren.

Definitiv nicht zur Wahl wollen sich hingegen Frank Kramer (WGB) und Herbert Gehmert (GUB-SPN) stellen. Beide sind fest eingebunden in ihren Jobs. Kramer ist Hauptpersonalrat für die Lehrkräfte des Landes Brandenburg. Gehmert fungiert als Leiter des Pflegedienstes am Naemi-Wilke-Stift. Auch Christiane Fritzschka (CDU), die das Pflegeheim "Herberge zur Heimat" leitet, will nicht hauptberuflich in die Politik einsteigen. "Ich kann nicht so lange reden, ohne was zu sagen", begründet sie.