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| 14:58 Uhr

Friedhofssatzung erhitzt weiter die Gemüter
Weiter Streit um Stelen-Gebühren

Auch in den Ortsteilen von Guben sollen künftig Urnengemeinschaftsgrabstätten mit Stele, wie hier auf dem Waldfriedhof, möglich sein.
Auch in den Ortsteilen von Guben sollen künftig Urnengemeinschaftsgrabstätten mit Stele, wie hier auf dem Waldfriedhof, möglich sein. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Schlagsdorf und Kaltenborn wollen eigene Friedhofsgebühren, Kämmerer warnt davor. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Die geplanten Erhöhungen der Friedhofsgebühren sorgten in der gemeinschaftlichen Sitzung vom Umweltausschuss mit dem Ausschuss für Haushalt und Vergabe erneut für lange Diskussionen. Mehr als 1400 Euro sollen zukünftig für ein Urnengemeinschaftsgrab mit namentlicher Kennzeichnung  und mehr als 1000 Euro für ein anonymes berechnet werden. Im gleichen Atemzug sollen die Kosten für eine klassische Reihengrabstätte auf 325 Euro sinken. Seit der Vorstellung der Gebührenkalkulation durch Kämmerer Björn Konetzke im Sommer haben sich diese Zahlen nicht verändert. In der Abstimmung sprach sich schließlich aber doch eine knappe Mehrheit für die Empfehlung der Beschlussvorlage an den Hauptausschuss aus.

Besonders die Ortsteile der Gemeinde sehen sich mit dem Beschluss benachteiligt. Einer der größten Gegner der neuen Gebührensatzung ist der Schlagsdorfer Ortsvorsteher Ralf Spitzbarth. „Warum müssen die Gebühren für alle Friedhöfe der Gemeinde gleich hoch sein, obwohl die Bedingungen auf den Friedhöfen der Ortsteile doch deutlich viel weniger luxuriös sind“, will Spitzbarth in einem vorgelesenen Statement wissen, da er an der Sitzung nicht persönlich teilnehmen konnte. Dieser Argumentation schließt sich auch der Kaltenborner Ortsvorsteher Werner Soyke an. „Ich kann das Solidarprinzip in der Gebührenkalkulation nicht nachvollziehen“, erklärt Soyke. Auch die Kosten für die Erhaltung der Friedhöfe der Ortsteile seien doch viel niedriger.

Kämmerer Björn Konetzke warnt jedoch eindringlich davor, sich in der Gebührenverordnung vom Solidarprinzip zu verabschieden. „Gerade die kleinen Friedhöfe profitieren davon“, betont er. Durch die geringe Anzahl der Bestattungen (im Jahr 2017 gab es 200 Bestattungen auf dem Wald- und Westfriedhof und 17 Bestattungen auf den kleineren Friedhöfen der Gemeinde) würden die Gebühren in diesem Fall auf den kleineren Friedhöfen deutlich ansteigen. „Wenn wir uns von dem Solidar-Prinzip verabschieden erreichen wir für die Ortsteile genau das Gegenteil von dem, was gewünscht ist“, erklärt der Kämmerer weiter.

Christiane Fritzschka (CDU) verweist auf den Dienst, den Hinterbliebene der Stadt mit dem Erwerb einer klassischen Grabstätte leisten. „Über 20 Jahre hinweg werden die Gräber gepflegt und damit wird auch etwas für das öffentliche Grün getan“, so Fritzschka. Wer dazu nicht bereit sei, müsse damit rechnen, dass die Kosten für die Pflege umgelegt werden. Außerdem betont sie, dass die Kosten über 20 Jahre gesehen bei einer pauschalen Ausgabe für die Eigenpflege von 50 Euro pro Jahr bereits teurer sind, als die einmalige Summe für ein anonymes Urnengrab. „Daher ist es aus meiner Sicht zumutbar“, erklärt Fritzschka.

Dem kann sich Günther Quiel (SPD) nur anschließen. „Heute gibt es kaum noch Erdbestattungen“, weiß er. Dieser Entwicklung müsse die Gebührenkalkulation Rechnung tragen. „Wir machen aus den Friedhöfen eine Parkanlage“, so Quiel. „Was diese grüne Lunge der Stadt wert ist, darüber könnte man einmal sprechen.“ Außerdem betont er: „Wir müssen bei der Berechnung unbedingt beim Solidarprinzip bleiben. Das ist richtig so.“

Auch mit der überarbeiteten Friedhofssatzung waren nicht alle Stadtverordneten zufrieden. Gerhard Lehmann (Linke) wünscht sich eine Ergänzung zur Nutzungszeit der Grabstellen. „Wir sollten den Hinterbliebenen die Möglichkeit einräumen, die Nutzungszeit zu verlängern“, findet Lehmann. Diesem Wunsch will die Stadtverwaltung nachkommen. „Für diese Ergänzung sehe ich kein Problem, wenn der Bereich nicht gerade wegfallen soll“, erklärt der stellvertretende Bürgermeister Uwe Schulz.

Klaus Schneider (CDU) und Christiane Fritzschka wollen außerdem die Nutzungszeit der Anlagen auf dem Friedhof genauer regeln. „Wie lange darf für die Gebühr die Trauerhalle und der Abschiedsraum genutzt werden?“, fragt Klaus Schneider. „Ich hätte das auch gerne zeitlich begrenzt“, pflichtet ihm Christiane Fritzschka bei. „Damit wäre klar, was die Gebühren be­inhalten.“