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Weiße Flecken vor dem Aus

Guben. Bis zum Jahr 2020 soll das Glasfasernetz in Guben flächendeckend ausgebaut werden. Bund und Land tragen 100 Prozent der Kosten. Silke Halpick

Gute Nachricht für alle, die schnell im Internet surfen wollen: Die "weißen Flecken" bei der Breitbandversorgung sollen bis zum Jahr 2020 verschwinden. Bis dahin sollen die letzten 147 als unterversorgt geltenden Haushalte in Guben ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Rund drei Millionen Euro an Fördermitteln wird das kosten.

"Guben hat bereits ein weitgehend gut ausgebautes Glasfasernetz", sagt Rainer Schubert, Breitbandverantwortlicher des Landkreises Spree-Neiße. Das sei auch der Grund, warum beim vorgesehenen flächendeckenden Ausbau auf die FTTB-Technik ("Fiber to the Building" - Glasfaser bis zum Gebäude) gesetzt wird. "Alles andere wäre nicht vermittelbar", begründet er.

In ländlichen Regionen findet der Breitbandausbau meist mittels der FTTC-Technik ("Fibre to the Curb" - Glasfaser bis zum Bordstein) statt. Hier kommen zwar auch Glasfaserkabel zwischen Hauptverteiler und Kabelverzweiger zum Einsatz. Für die "letzte Meile" zum Kunden werden aber Kupferkabel genutzt.

Das hat Einfluss auf die Übertragungsgeschwindigkeit. Während bei der FTTB-Technik Raten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde erwartet werden, liegt die erreichbare Bandbreite am FTTC-Hausanschluss bei 50 Megabit pro Sekunde. Das ist nur halb so schnell, dafür aber deutlich günstiger. Das zeigt der Blick in die Region: In Forst sollen 500 unterversorgte Haushalte mit Fördermitteln in Höhe von 2,4 Millionen Euro ans FTTC-Netz angeschlossen werden, in Spremberg fallen für 2000 unterversorgte Haushalte rund 4,8 Millionen Euro an.

Als unterversorgt gelten Gebiete, in denen die Übertragungsrate noch unter 30 Megabit pro Sekunde liegt und für die es keine Ausbaupläne in den nächsten drei Jahren gibt. Das erklärt Stefan Pullwitt vom Planungs- und Beratungsbüro MRK Media AG mit Sitz in Dresden. Das Unternehmen hat von der Stadt Guben den Auftrag, ein Markt erkundungsverfahren durchzuführen und verschiedene Ausbauszenarien nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu prüfen.

Die weißen Flecken in Guben sind "versplittert über die ganze Stadt und einige Außenbereiche", erklärt Rainer Schubert. Betroffen sind beispielsweise das Industriegebiet Süd, das Gewerbegebiet Deulowitz sowie die Ortsteile Kaltenborn, Schlagsdorf und Groß Breesen. Von den insgesamt 9535 Haushalten im Stadtgebiet sind den Angaben zufolge 147 unterversorgt und damit förderfähig. Bei den Gewerbestandorten sind es 39 von insgesamt 853 Einheiten im Stadtgebiet.

Damit auch diese ans schnelle Internet angeschlossen werden können, müssen rund 67 Kilometer Glasfaserkabel neu verlegt werden. Die Trassenlänge wird mit 46 Kilometern angegeben, 22 Kilometer davon befinden sich im Tiefbaubereich, für 24 Kilometer kann auf bereits vorhandene Infrastruktur zurückgegriffen werden.

Für den Ausbau sind rund drei Millionen Euro an Fördermitteln nötig, von denen die Hälfte der Bund und die andere Hälfte das Land Brandenburg übernimmt. Der Eigenanteil der Stadt liegt eigentlich bei zehn Prozent und dabei bei 300 000 Euro. Doch er entfällt bei Kommunen, die aufgrund der schwierigen finanziellen Situation mit einem Haushaltssicherungskonzept arbeiten müssen. Das ist in Guben der Fall.

"Damit liegt die Förderung bei 100 Prozent", wie Schubert betont. Seiner Ansicht nach sollten sich die Kommunen diese Chance nicht entgehen lassen. Er ist optimistisch, dass die Förderanträge bewilligt werden. Eingereicht werden müssen sie bis Ende September.

Bei der europaweiten Ausschreibung der Versorgungsleistung will der Landkreis Spree-Neiße auf eine möglichst kleinteilige Vergabe setzen. Damit auch der "Mittelstand vor Ort" mitbieten könne, wie Schubert betont. Die Fördermittel decken nicht die Gesamtkosten, sondern nur die Wirtschaftlichkeitslücke, die nach Abzug der zu erwartenden Einnahmen verbleibt. Mit der Umsetzung wird 2020 gerechnet.

Zum Thema:
Das Bundesverkehrsministerium stellt insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung, um unterversorgten Gebieten einen Netzzugang von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen. Im ersten Schritt haben Kommunen und Landkreise bis zu 50 000 Euro erhalten, um Ausbauprojekte zu planen und Antragsunterlagen für die Bundesförderung stellen zu können. Anschließend will das Ministerium bis zu 15 Millionen Euro je Projekt vergeben, um dessen Umsetzung zu fördern. Beteiligt sind auch das Land und die Kommune.