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Weckruf für Mittelweg aus dem Dornröschenschlaf

Laborleiterin Antje Schmidt zeigt eine erfolgreich in-vitro-vermehrte Knospe der Platane im Branitzer Pleasureground.
Laborleiterin Antje Schmidt zeigt eine erfolgreich in-vitro-vermehrte Knospe der Platane im Branitzer Pleasureground. FOTO: Claudius Wecke
Cottbus. Das 7. Branitzer Parkseminar widmet sich dem zugewachsenen Mittelweg im Branitzer Vorpark. Ulrike Elsner

Für die praktischen Arbeiten am 5. November haben sich bereits 65 ehrenamtliche Teilnehmer angemeldet.

Die Krakenkiefer im Branitzer Vorpark ist ein stummer Zeuge des Mittelweges, der Sandow einst mit dem Branitzer Torhaus verbunden hat. Sein genauer Verlauf soll beim Parkseminar mit Unterstützung durch den Cottbuser Archäologen Jens Lipsdorf und Steven Sonntag vom Vermessungsbüro Schulz gefunden und dokumentiert werden. Ziel sei es, so Parkleiter Claudius Wecke, den Weg - einst einer von drei Hauptwegen in den Park - aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken und eine weitere Verbindung zwischen Park und Stadt zu schaffen.

Außerdem werden die ehrenamtlichen Helfer unter Anleitung von Fachleuten mit Beil und Motorsäge durch eine Gehölzkulisse im Vorpark die Blickbeziehung zum sanierten Zollhaus öffnen. Damit soll den Parkbesuchern an der Wegkreuzung westlich des Torhauses ein Gefühl von Weite gegeben werden. Geplant ist auch die Pflanzung von "in vitro"-vermehrten Gehölzen in die Baumuniversität. Mit Arbeiten an Wegen, dem Stechen von Rasenkanten und Strauchpflege soll der Bereich am Torhaus weiter aufgewertet werden. Außerdem ist vorgesehen, im Schlossumfeld 3000 Blumenzwiebeln zu stecken.

Besonders freut sich der Parkleiter, dass sich Rudolf Schröder, der frühere Leiter des Botanischen Gartens Dresden, als Ratgeber für die Arbeiten in der Baumuniversität angesagt hat. "Er hat die vom Cottbuser Landschaftsarchitekten Helmut Rippl entwickelte Idee der Parkseminare über die Wende gebracht", berichtet Claudius Wecke.

Auch Stefan Palm vom Forster Rosengarten und die Cottbuser Landschaftsarchitektin Gisela Altmann sowie die Firma Michael Max gehören zu den Unterstützern der Aktion.

Jens Lipsdorf erwartet die Spuren des historischen Mittelweges unter einer 20 bis 25 Zentimeter dicken Schicht aus Humus, Laub und Erde. Für den Archäologen, der bereits historische Wege im Rehgarten aufgespürt und den Vorparkfriedhof untersucht hat, ist die Arbeit in Branitz immer wieder etwas Besonderes.

Im Vorfeld des 7. Branitzer Parkseminars findet bereits am kommenden Freitag, 4. November, 18.30 Uhr, ein öffentlicher Vortragsabend im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz statt. Antje Schmidt informiert über die In-vitro-Vermehrung wichtiger Branitzer Gehölze für die Baumuniversität. Im Anschluss stellt der Archäologe Jens Lipsdorf seine Ergebnisse von gartenarchäologischen Untersuchungen im Branitzer Park vor und gibt Tipps, wie man alte Wege findet und wie sie aufgebaut sind, abschließend erläutert Parkleiter Claudius Wecke die historischen Hintergründe des Mittelweges und stellt er die geplanten Arbeiten vor.

Parkleiter Claudius Wecke (l.) und Jens Lipsdorf auf dem historischen Mittelweg. Im Hintergrund die "Krakenkiefer".
Parkleiter Claudius Wecke (l.) und Jens Lipsdorf auf dem historischen Mittelweg. Im Hintergrund die "Krakenkiefer". FOTO: Elsner