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| 02:38 Uhr

Was Gubener Firmen wichtig ist

Guben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus hat Unternehmen in Südbrandenburg erstmals danach befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Standort sind. Die Gubener sehen vor allem Handlungsbedarf bei der Ausbildungsreife der Jugendlichen, der medizinischen Versorgung und dem Image der Region. Silke Halpick

"Wir wollten wissen, wie die Unternehmen denken und wo ihnen der Schuh drückt", sagt Katrin Erb vom Fachbereich Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer in Cottbus. Das war der Anlass für die Studie zur Standortzufriedenheit, die auch für die IHK eine Premiere war. Bei bisherigen Umfragen ging es hauptsächlich um die Einschätzung der Konjunkturaussichten. Unterstützt wurde die IHK diesmal von Experten des Instituts für empirische Wirtschaftsforschung und angewandte Statistik (Ewas) in Hannover.

"Rund 7000 Unternehmen sind angeschrieben worden", erzählt Erb. Ein Zehntel davon habe geantwortet. Mit dieser Rücklaufquote sei man "sehr zufrieden". Unter den Teilnehmern zu finden sind auch 140 Unternehmen aus dem Landkreis Spree-Neiße und mehr als 30 Gubener Betriebe. "Anhand dieser Zahlen können wir tatsächlich auch belastbare Aussagen treffen", betont Erb.

Das Ergebnis: Die meisten Unternehmen in Südbrandenburg sind mit ihrem Standort "zufrieden" bis "weniger zufrieden". Positive beziehungsweise negative Ausreißer gebe es kaum. "Die Befragten können sich mit ihrem Wirtschaftsstandort identifizieren. Wer Expansionsabsichten hat, will hier in der Region expandieren", sagt die IHK-Fachfrau.

Unterschiede gibt es hingegen bei der Bewertung der einzelnen Standort-Faktoren. "Wenn wir nach der Standort-Attraktivität fragen, wollen wir wissen, was den Unternehmen wichtig ist und wie zufrieden sie sind", erklärt Erb. Den größten Handlungsbedarf sehen die Gubener Unternehmen bei der Ausbildungsreife der Jugendlichen, der medizinischen Versorgung, beim Image der Region, bei den Energiepreisen sowie der Allgemeinen Sicherheit und beim Öffentlichen Nahverkehr.

Als unzureichend und besondere Standortschwäche in Südbrandenburg wird die Ausbildungsreife der Jugendlichen bewertet. Die Unternehmer fordern, dass mehr Geld in Bildung investiert wird und die Schulabgänger fachlich sowie in ihrer persönlichen Einstellung besser auf das Berufsleben vorbereitet werden.

Auch die medizinische Versorgung bereitet den Gubenern und 63 Prozent der Firmen im Landkreis Spree-Neiße erhebliche Kopfschmerzen. Schon jetzt seien sehr lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin normal. In den nächsten Jahren werde sich diese Situation weiter verschärfen, weil noch mehr Ärzte altersbedingt in den Ruhestand gehen, wird befürchtet.

Besonders schlecht schätzen die Neißestädter Unternehmer das Image der Region ein. Im Städtevergleich belegt Guben den vorletzten von insgesamt 13 Rängen. Die Region dürfe nicht allein als Energieregion vermarktet werden, heißt es. Statt Lobbyarbeit einzelner Zentren müsse ein Gesamtmarketing für die Region aufgebaut und aktiviert werden.

69 Prozent der befragten Unternehmen im Landkreis Spree-Neiße bezeichnen die Energiepreise als zu hoch. Dass gerade das Energieland Brandenburg die höchsten Strompreise hat, sei eine "völlige Fehlentwicklung". Die Preisentwicklung in diesem Bereich gefährde Standorte, auch weil keine kalkulierbare Perspektive zu erkennen sei.

Die "ständige Angst vor Einbrüchen und Autodiebstahl" schlägt sich im Standort-Faktor Allgemeine Sicherheit nieder. 66 Prozent der Spree-Neiße-Unternehmer messen diesem Punkt hohe Bedeutung bei und sind mit der Situation unzufrieden. Diebstahl und lange Wartezeiten bis zum Eintreffen der Polizei stehen den Angaben zufolge auf der Tagesordnung. Aus Sicht der Unternehmer muss sich die Sicherheitslage verbessern.

Als "ausbaufähig" werden von den Umfrageteilnehmern aber auch die Busfahrzeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs in den Abendstunden und am Wochenende bezeichnet. Kleinere Busse, häufigere Taktung oder als alternatives Konzept der Einsatz eines Kommunaltaxi werden gewünscht.

"Wir haben schon gemerkt, dass die Studie Wirkung zeigt", sagt Katrin Erb. Zahlreiche Nachfragen und Gespräche habe es bereits gegeben. In einigen Städten hat sie die Umfrage öffentlich vorgestellt. "Der Wert der Studie liegt darin, dass wir Zahlen und Fakten und nicht nur Argumente liefern", betont Erb.

Zum Thema:
Die IHK Cottbus und das Ewas-Institut aus Hannover haben vom 7. August bis 30. September 2013 rund 7000 Unternehmen aus allen Branchen befragt. Laut IHK spiegeln die Umfrageergebnisse ein breites Meinungsbild der Südbrandenburger Unternehmerschaft wider. Die Studie ist im Internet unter www.cottbus-ihk.de zu finden.