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| 19:34 Uhr

Lausitzer Wirtschaft
Wenn der Bäcker zum Bauern wird

  Frank Matheus von der Agrargenossenschaft Neuzelle und Markus Dreißig von der Bäckerei Dreißig auf dem Feld bei Bomsdorf, wo der Ur-Roggen angebaut wurde.
Frank Matheus von der Agrargenossenschaft Neuzelle und Markus Dreißig von der Bäckerei Dreißig auf dem Feld bei Bomsdorf, wo der Ur-Roggen angebaut wurde. FOTO: Bäckerei Dreißig
Warum die Gubener Bäckerei Dreißig sich ihr eigenes Getreide anbauen lässt. Von Thomas Engelhardt

Das Feld bei Bomsdorf ist abgeerntet, steht leer. Rund sieben Hektar Waldstaudenroggen hatte die Agrargenossenschaft Neuzelle hier im Auftrag der Gubener Bäckerei Dreißig angebaut. Inzwischen befindet sich das Getreide bei den Oderlandmühlenwerken in Müllrose, wo es zu Mehl verarbeitet wird. Mehl, das – und da schließt sich der Kreis – in der Backstube der Bäckerei im Gewerbegebiet Deulowitz vor den Toren der Neißestadt zu Backwaren verarbeitet wird.

Seit zwei Jahren bauen die Neuzeller Bauern nun schon den Waldstaudenroggen für die Gubener Bäcker an. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen läuft aber bereits länger. Die Agrargenossenschaft liefert der Bäckerei ihre Produkte zum Beispiel für Snacks in den Cafés. „Wichtig ist uns, dass wir mit Partnern vor Ort zusammenarbeiten. Das sorgt für kurze Wege, ermöglicht zudem die direkte Vermarktung von Produkten“, sagt Betriebsleiter Markus Dreißig.

Beim Waldstaudenroggen kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu, warum sich die Bäckerei für seinen Anbau entschieden hat: „Brandenburg ist das Hauptanbauland für Roggen in Deutschland. Bei Backwaren sind die Essgewohnheiten außerdem sehr regional. Da wir zudem immer mal wieder etwas Neues suchen, mit dem wir uns auch von den Angeboten der Discounter unterscheiden, haben wir uns schließlich für den Einsatz des Waldstaudenroggens entschieden“, erklärt Markus Dreißig.

Dieser Waldstaudenroggen stellt das Ur-Getreide zum heutigen herkömmlichen Roggen dar. Dabei hat Waldstaudenroggen einen geringeren Ertrag als normaler Roggen. Was sich zunächst nach einem Widerspruch anhört, macht aus Sicht der Bäckerei Dreißig Sinn: „Dafür kommt Waldstaudenroggen aber mit weniger Dünger aus, wächst natürlicher und ist so bekömmlicher.“ Dies und die Tatsache, dass es sich um ein regionales Produkt handelt, würden die Kunden schätzen, so Markus Dreißig.

 So sieht er aus der Nähe aus, der Waldstaudenroggen für die Backwaren der Bäckerei Dreißig.
So sieht er aus der Nähe aus, der Waldstaudenroggen für die Backwaren der Bäckerei Dreißig. FOTO: bäckerei Dreißig

Das Gegenstück zum Mehl aus Waldstaudenroggen ist beim Weizen übrigens der Dinkel. Auch ihn will die Gubener Bäckerei ab dem kommenden Jahr auf acht bis zehn Hektar anbauen. „Natürlich können wir uns vorstellen, dies in der Zukunft noch zu forcieren. Aber letztlich entscheidet das der Kunde.“ Der übrigens greift nicht so sehr bei reinen Weizenbroten zu, sondern favorisiert eher Mischbrote.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben nimmt derweil direkt auf dem Gelände im Gewerbegebiet Deulowitz Gestalt an. Dort entsteht eine neue Halle, die künftig eine entscheidende Rolle in der Brötchenproduktion spielen wird. Auch in dem Fall gehe es darum, sich als Handwerksbetrieb von der Industrieproduktion abzugrenzen. Ziel sei es, so Markus Dreißig, den Kunden ein größeres Volumen sowie ein Plus beim Geschmack zu bieten.

„Die Teiglinge, aus denen unsere Brötchen werden, sollen künftig in bis zu 24 Stunden reifen. Dazu werden sie nicht mehr als Rohlinge gefrostet, sondern Teigling für Teigling gekühlt. Für diesen Prozess brauchen wir aber mehr Platz zum Lagern – genau dafür ist die neue Halle gedacht.“ Ein entscheidender Effekt: Die gekühlten Brötchen benötigen weniger Backzeit als die gefrosteten. Dementsprechend wird auch weniger Energie gebraucht.

Die neue Halle soll noch in diesem Jahr fertig werden, der Start der neuen Brötchenproduktion ist für 2020 vorgesehen. Auf diese Weise soll auch der Standort Guben weiter gesichert werden.