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Wanderausstellung aus Guben führt ehemalige Kolleginnen wieder zusammen

Groß war das Interesse der ehemaligen polnischen Mitarbeiterinnen in Lubsko an der Ausstellung zum 50. Jahrestages des Pendlerabkommens.
Groß war das Interesse der ehemaligen polnischen Mitarbeiterinnen in Lubsko an der Ausstellung zum 50. Jahrestages des Pendlerabkommens. FOTO: Ute Richter/utr1
Guben/Lubsko. Einen Eindruck über den Arbeitsweg von über polnischen 800 Frauen, die zu DDR-Zeiten täglich zur Arbeit in das Chemiefaserwerk Guben (CFG) gekommen sind, konnten sich Anfang der Woche Angelika Schröder, Margitta Moheit, Heidemarie Callsen, Karin Kluge und Karin Strehl machen. Sie waren gemeinsam mit Diethelm Pagel und Monika Michta vom Verein Gubener Tuche und Chemiefasern unterwegs, um in Lubsko der Vernissage zur Wanderausstellung "50 Jahre Pendlerabkommen" beizuwohnen. utr1

"Bürgermeister und Kulturhauschef waren damals bei der Anfrage wegen einer Ausstellung in Lubsko erst zurückhaltend, dann begeistert", erzählt Monika Michta, die mit Diethelm Pagel maßgeblich für das Entstehen der Ausstellung verantwortlich ist. Lubsko ist einer von mehreren Orten, aus denen die Frauen kamen. Etwa eineinhalb Stunden war ihr einfacher Arbeitsweg mit dem Bus.

Kulturhausleiter Slawomir Muzyka hatte den Saal und die Ausstellung vorbereitet. Nach der feierlichen Eröffnung und einem kurzen Film aus der Zeit der Arbeit im ehemaligen CFG sowie einem Kulturprogramm beim Kaffee, Tee und Gebäck verging die Zeit wie im Fluge.

Und so kamen nach und nach etwa 80 Frauen, die sich auf ihre ehemaligen Kolleginnen freuten. Einige fielen sich in die Arme, hatten sie sich doch seit der Schließung des CFG vor über 25 Jahren nicht mehr gesehen. So wie Karin Strehl und ihre Kollegin Adela. Jadwiga Bardzinska bedankte sich dafür, dass die Gubener diese Ausstellung nach Polen gebracht haben, denn gute Erinnerungen haben die polnischen Frauen an die damalige Zeit. Und genau das war auch das Anliegen, denn viele der Frauen von damals sind heute nicht mehr so mobil und können sich die Exponate in Guben anschauen. Deshalb wandern sie in genau die Orte, aus denen die Frauen damals den oft weiten Arbeitsweg in Kauf nahmen.

Bürgermeister Lech Jurkowski zeigte sich stolz, dass ein Stück deutsch-polnische Geschichte in seiner Stadt ist. Und er wünscht sich, dass aus den Fotos und anderen geschichtsträchtigen Stücken im nächsten Jahr eine weitere Ausstellung gemacht wird. Kulturhauschef Muzyka erklärte sich sofort bereit, wieder mitzumachen. Die Frauen jedenfalls würde es freuen, ist das doch ein Stück ihrer ganz persönlichen Geschichte.

Die erste Etappe der Wanderausstellung führte vor einer Woche Helga Kruska und Christine Oles nach Jasien. Auch dort gab es herzzerreißende Momente bei der Begrüßung, einige konnten die Tränen nicht mehr zurückhalten und wurde in Erinnerungen geschwelgt. Als auf der Bühne das Lied "99 Luftballons" auf Deutsch gesungen wurde, gab es reichlich Applaus und berührte die Herzen aller Anwesenden. Viele ehemalige polnische Kolleginnen waren zu dieser Veranstaltung von weither angereist, um alte Freunde und ehemalige Kolleginnen zu treffen. Auch in Jasien gab es große Unterstützung von der Direktorin des Kulturzentrums, Hanna Labudzinska und des Bürgermeisters Andrzej Kamyszek.