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| 01:24 Uhr

Wandel belastet zunehmend den familiären Alltag in Guben

Susanne Beley, Peter Wroblewski und Anne-Kathrin Hoelzmann (v.r.), drei Mitarbeiter der Beratungsstelle am Naemi-Wilke-Stift, helfen Familien und Paaren bei ihren Problemen. Foto: Havasi
Susanne Beley, Peter Wroblewski und Anne-Kathrin Hoelzmann (v.r.), drei Mitarbeiter der Beratungsstelle am Naemi-Wilke-Stift, helfen Familien und Paaren bei ihren Problemen. Foto: Havasi FOTO: Havasi
Guben. Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle (EFB) am Naemi-Wilke-Stift in Guben verzeichnet eine gleichbleibend hohe Nachfrage. Das geht aus dem Jahresbericht hervor. Sorgen bereitet den Mitarbeitern der gesellschaftliche Wandel und dessen Folgen für Familien, insbesondere für Kinder. Von Michel Havasi

Der Verlust des Jobs, weite Arbeitswege, Montage und unregelmäßige Arbeitszeiten belasten den familiären Alltag zunehmend. Damit einher gingen Existenzängste, eine innere Verunsicherung und Orientierungslosigkeit, sagt Diplom-Psychologin Anne-Kathrin Hoelzmann, die seit zwei Wochen die Beratungsstelle mit fünf Mitarbeitern am Stift leitet. Deren größte Sorge ist, dass bei all den Problemen die Kinder auf der Strecke bleiben. Sie seien das Ende der Kette des gesellschaftlichen Wandels und werden häufig erst gesehen, wenn sie auffällig werden.

Im vergangenen Jahr wurden 154 Fälle in der EFB, deren Einzugsgebiet die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern umfasst, betreut. Die Nachfrage ist gleichbleibend hoch. Seit Jahresbeginn wurden bisher 123 Fälle betreut. Dabei stellt die Gruppe der Neun- bis Zwölfjährigen mit knapp 28,5 Prozent den höchsten Anteil Beratungssuchender dar. Generell würden die Heranwachsenden, für die eine Beratung gewünscht wird, immer jünger, bilanziert Anne-Kathrin Hoelzmann.

Was zugenommen hat, sind Eltern, die merken, dass sich ihre Konflikte in der Partnerschaft auf die Kinder auswirken und sich deshalb in der Beratungsstelle melden. Meist seien die Eltern so mit ihren Problemen beschäftigt, dass sie die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr wahrnehmen, erklärt EFB-Mitarbeiterin, Sozialpädagogin Susanne Beley. Infolge dessen leiden die Kinder an Schlafstörungen, werden in der Schule schlechter oder mitunter auch aggressiv. “In einem Elterntraining versuchen wir, die Ursachen der Konflikte herauszufinden„, sagt sie. Doch nicht immer können die Konflikte dann auch gelöst werden. Wenn Eltern sich trennen wollen, sei es im Sinne der Kinder wichtig, dass die Trennung fair erfolgt.

Neben all den Sorgen gibt es für die Mitarbeiter aber auch Mutmacher. “Viele Eltern setzen sich immer öfter bewusst mit ihrem Erziehungsstil ausein ander„, sagt Anne-Kathrin Hoelzmann. Das Selbstverständnis, sich beraten zu lassen, sei mit den Jahren gewachsen. “Galt es früher noch als Schwäche, sich Hilfe zu holen, wird es heute von vielen eher als Stärke wahrgenommen.„

Zum Thema:
Wegen der unterschiedlichen Probleme haben sich auch verschiedenen Beratungsformen in der EFB etabliert. Neben Einzel- und Familienberatung, in denen realistische Lösungen erarbeitet werden, spielen zunehmen auch Gruppenangebote wie Konzentrations- und Kompetenztraining eine Rolle.