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| 19:37 Uhr

Wahlverlierer fordert Rücktritt der neuen Gubener Apfelkönigin

Marco Steidel
Marco Steidel FOTO: Halpick
Guben. Als schlechter Verlierer entpuppt sich der erste Mann, der sich für das Apfelkönigsamt in Guben beworben hat. Marco Steidel fordert vier Tage nach der Wahl in einem Schreiben an die RUNDSCHAU, dass die neue Apfelkönigin Antonia Lieske sofort wieder abgesetzt werden soll, weil sie nicht im Besitz eines Führerscheins ist. Silke Halpick

Der Marketing- und Tourismusverein (MuT) Guben sieht keinen Grund zum Handeln.

Die "Wähler" und "Festgäste" seien beim Appelfest am 10. September "betrogen" worden, moniert Marco Steidel. Aus seiner Sicht gab es drei Voraussetzungen, die die Kandidaten erfüllen mussten: mindestens 18 Jahre alt sein, ihren Wohnsitz in Guben oder Schenkendöbern sowie den Führerschein der Klasse B haben.

Eine solche Fahrerlaubnis hat die 20-jährige Antonia Lieske tatsächlich nicht. Doch die frisch gekrönte Apfelkönigin will diese eigenen Angaben zufolge Anfang 2017 nachholen. "Bis dahin fährt mich mein Freund Valentin oder jemand aus meiner Familie zu meinen Terminen", sagt sie.

Die Gubenerin wurde am vergangenen Samstag mit 1000 von 1250 abgegebenen Stimmen zur neuen Gubener Apfelkönigin gewählt. Der eher wortkarge Mitbewerber Marco Steidel konnte das Publikum bei den Vorstellungsrunden auf der Bühne nicht für sich gewinnen. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses war er offenbar stark enttäuscht.

Das ist nichts Ungewöhnliches. Doch dass eine Apfelkönigin von der Konkurrenz zum Rücktritt aufgefordert wird, hat es in der 22-jährigen Geschichte des Appelfestes noch nie gegeben. Das bestätigt Kerstin Geilich, MuT-Geschäftsführerin auf Nachfrage. Sie weist die Forderung auch entschieden zurück. "Der Führerschein ist zwar sinnvoll, aber keine Bedingung", betont sie. Schließlich gebe es auch öffentliche Verkehrsmittel beziehungsweise Familienmitglieder und Freunde, die helfen können.

Auch in den Kandidatenaufrufen des Marketing- und Tourismusvereins war nie die Rede von einer Fahrerlaubnis. "Das steht nirgends", betont Geilich. Sie selbst ist erstaunt über die Forderung. Offiziell hat der Verein davon noch keine Kenntnis. "Wir wären auch zu Gesprächen bereit gewesen, doch Herr Steidel hat diesen Weg nicht gesucht", bedauert sie. Ein Rücktritt der Apfelkönigin sei keine Option. "Ich habe nicht vor, die Entscheidung der Festgäste infrage zu stellen", betont sie.

Marco Steidel selbst sieht sich hingegen als den rechtmäßigen Apfelkönig von Guben. Er kündigt sogar an, "mit allen gesetzlichen Mitteln" gegen seine Konkurrentin vorzugehen. Auch der Marketing- und Tourismusverein soll seinen Angaben zufolge abgewählt werden. Schließlich hätte Kerstin Geilich die Kandidatur von Antonia Lieske gar nicht zulassen dürfen, begründet er.

Eine solche Abwahl ist aber gar nicht möglich. Der MuT als eingetragener Verein kann nur von der Mitgliederversammlung aufgelöst werden. Zum Verein gehören die Stadt Guben, die Gemeinde Schenkendöbern sowie zahlreiche Unternehmen aus der Tourismusbranche.