Ob unter 300 Auszubildenden an der medizinischen Fachschule, unter 180 Immatrikulanten der Medizinpädagogik, in der fachspezifischen Ausbildung oder im Fernstudium für leitende Angestellte in Gesundheitseinrichtungen: Herbert Gehmert war immer der einzige Mann. "Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht und mich nie benachteiligt gefühlt", sagt er. Seit 1981 ist er als Diplom-Medizinpädagoge Leiter des Pflegedienstes sowie Schulleiter im Naemi-Wilke-Stift Guben.

Gehmert führt 200 Mitarbeiter, davon sind 180 Frauen. Als Hahn im Korb würde er sich aber deshalb nicht gleich bezeichnen. "Die Krankenpflege ist ein ausgesprochener Frauenberuf, da hatte ich auch immer Chefinnen", sagt er und fügt hinzu: "Vor den Mitarbeitern in meinem Verantwortungsbereich, die sich tagtäglich den hohen körperlichen und seelischen Belastungen im Krankenhaus stellen, ziehe ich meinen Hut." Zwar gibt es anlässlich des Frauentages keine Aufmerksamkeiten für die Pflegerinnen, dafür aber großes Lob. Stets stehen die Mitarbeiterinnen mit einem Lächeln vor dem Krankenbett.

"Zu dem Beruf gehört es, dass man voll konzentriert ist und persönliche Nöte zu Arbeitsbeginn außer Acht lässt", so Gehmert. Ursprünglich wollte der Gubener einen technischen Beruf ergreifen, doch dank einer Empfehlung, wählte er schließlich den Beruf des Krankenpflegers. "Ich dachte, probieren kann man es ja mal", so Gehmert.

Da die Pflegeberufe zu DDR-Zeiten schlecht bezahlt wurden, gingen viele Männer in die Wirtschaft, wo sie das Dreifache verdienten. "Ich habe 60 Mark Lehrlingsgeld bekommen, davon waren 15 für die Unterkunft und 20 Mark für Verpflegung", erklärt der Leiter. Heute wird der Beruf besser vergütet. Vermutlich auch ein Grund, warum sich immer mehr junge Männer für eine Ausbildung im Pflegebereich interessieren. "Mir hat der Beruf immer Spaß gemacht." Man könne Menschen in Not und in den unterschiedlichsten Lebenslagen helfen. "Dafür muss man aber auch geboren sein", so Gehmert.

So muss es wohl auch bei Ute Müller, Stationsleiterin der Inneren Medizin, sein. Seit mehr 20 Jahren arbeitet sie schon im Naemi-Wilke-Stift. "Er ist sehr ausgeglichen und versucht, stets Lösungen zu finden", sagt die Stationsleiterin über ihren Chef. Für sie ist nicht ausschlaggebend ob ein Mann oder eine Frau die Chefposition innehat: "Auf den Charakter kommt es an", sagt sie. Dass Männer in manchen Situationen weniger emotional reagieren als Frauen, ist ihrer Meinung nach vorteilhaft in diesem Beruf.

Für Ute Müller hat der Frauentag eine besondere Bedeutung, denn am 8. März erblickte ihr Sohn im Gubener Krankenhaus das Licht der Welt. "Von meinen Kolleginnen bekam er sogar einen rosa Strampler angezogen, weil Frauentag", erinnert sie sich. Ansonsten aber sei der Frauentag ein Tag wie jeder andere im Krankenhaus.