ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:06 Uhr

Von wegen: In Guben ist doch nichts los!

Guben.. Ein Blick ins Gästebuch des Meyerhauses straft die leider noch oft anzutreffende Meinung vom kulturarmen Guben Lügen. Adolf Auga

Vier namhafte Künstler und ein Ensemble mögen für alle die Nichtgenannten stehen, die bisher mit ihrer Kunst zur Vielfalt, Abwechslung und Anziehung des Deutsch-Slawischen Kulturzentrums beitrugen.

Zu den angesehensten Gästen zählte der „Ausnahmepianist“ Prof. Manfred Reuthe, der sich nach einer soliden musikalischen Basis und hartnäckigem Üben ein Repertoire schuf, das sich besonders auf Beethoven, Schumann, Chopin und Liszt richtet. Als ausgeprägter Kammermusiker bereiste er nicht nur das In- und Ausland, sondern übernahm über Jahre eine Gastprofessur in Südkorea.
Unvergessen bleibt dank blendender Fingerfertigkeit und äußerster Nutzung dynamischer und pedalistischer Wirkungen die glänzende Auslegung der 3. Paganini-Etüde gis-Moll „La campanella“ von Franz Liszt mit ihrem reizvollen Glöckchengeklingel in der hohen Lage, so dass kein Konzertfreund sein Kommen „bereute“ .

Jochen Petersdorf sieht man den Komiker und sein hohes Alter nicht an. Den rund 80 Besuchern als „Eulenspiegel“ -Mitarbeiter und Akteur im „Kessel Buntes“ und in „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ noch bestens bekannt, vermied er jeglichen abgestandenen Humor und bezog seine Lachsalven aus dem aktuellen Geschehen. Wohl auch deswegen die Langlebigkeit seiner „Rumpelstilzchen“ -Pointe: „Ach wie gut, dass niemand weiß, alte Ware neuer (Euro)-Preis.“

Den Ruf der Dresdener Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ brauchen die Eulen nicht nach Athen zu tragen. Um einen einzigen Studienplatz am sächsischen Konservatorium reißen sich die Kommilitonen aller Herren Länder. Wenig bekannt dagegen ist, dass dort auch Künstler der Unterhaltungsmusik ausgebildet werden. Was war das doch für ein Abend, als der Saxophonist Michael Schulz, am Flügel von Andreas Gundlach begleitet, die dunkle Wärme der Basslage, den hellen und weichen Klang der Mitte und die trompetenhafte Schärfe aus dem Diskant herausholte. Da sage noch einer, das Saxophon, volkstümlich auch „Kanne“ genannt, sei nicht salonfähig.
Die Pflege der sorbischen Musik wird im Deutsch-Slawischen Kulturzentrum groß geschrieben. Neben Detlef Kobjela, Jan Paul Nagel und Jan Rapw spielt der 50-jährige Ulrich Pogoda als Musikredakteur für sorbische Musik beim RBB-Studio Cottbus mit seinem kompositorischen Schaffen eine nicht unbedeutende Rolle. Fast immer wartet er auf dem „Cottbuser Musikherbst“ und dem „Besonderen Konzert“ mit einem modernen Werk auf, das die Zuhörer an das Verständnis „Neuer Musik“ heranführen will. Auf seine weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

Zu den unverzichtbaren Stammgästen gehört das Eberswalder Salonorchester unter Holger Schella, das in Zusammenarbeit mit der Komischen Oper Berlin mit Evergreens der Wiener und Berliner leichten Muse ein volles Haus garantiert. „O-pe-ret-te sich-wer-kann“ heißt die populäre Zugnummer.
Mit seiner gefälligen Innenausstattung und seinem schattigen Park ist und bleibt das Ludwig-A.-Meyer-Haus das ideale Kulturhaus. Das heißt nicht, dass nichts zu verbessern wäre. Ein breiteres Spektrum mit ausgefalleneren Instrumenten wie Cembalo, Harfe, Gitarre, ein Gesangsabend mit einem geschlossenen Liederzyklus, eine Buchvorstellung und eine Rezitatorenveranstaltung mit klassischen Balladen erweiterten bei sozialverträglichen Eintrittspreisen den Besucherkreis.