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Von Physalis und Algorithmen

Mann mit Markenzeichen: Kopftuch und Linkshändergitarre sind Standard bei Wolf Maahn, wie hier im Cottbuser Gladhouse im Januar. Ebenso gehören tiefgründige Texte und mitreißende Musik zu ihm. Am Freitag ist der 61-Jährige in Guben zu Gast.
Mann mit Markenzeichen: Kopftuch und Linkshändergitarre sind Standard bei Wolf Maahn, wie hier im Cottbuser Gladhouse im Januar. Ebenso gehören tiefgründige Texte und mitreißende Musik zu ihm. Am Freitag ist der 61-Jährige in Guben zu Gast. FOTO: Michael Helbig
Guben/Köln. Über drei Jahrzehnte lang steht Musiker Wolf Maahn bereits auf der Bühne. Nach Guben hat es ihn in der Zeit nie verschlagen. Das wird sich am Freitag ändern. Dann steht der 61-Jährige solo auf der Bühne in der Fabrik. Daniel Schauff

Worüber will ein Star der deutschen Rockmusik wie Wolf Maahn wohl sprechen? Über seine fast 30 Studio- und Livealben, die er in seiner mittlerweile über 30-jährigen Karriere veröffentlicht hat? Über den Tag, an dem er sich mit Nobelpreisträger Bob Dylan die Bühne geteilt hat? Oder über seine Zusammenarbeit mit anderen deutschen Musikergrößen wie Purple Schulz, Klaus Lage, Rio Reiser und Wolfgang Niedecken? "Mit Rio konnte man Pferde stehlen", erinnert sich Maahn an den vor mittlerweile 20 Jahren verstorbenen Künstler.

Maahn aber spricht über Physalis. Darüber, dass er auf seiner letzten Tour einen Korb mit den Kapstachelbeeren dabei hatte - aus dem eigenen Kölner Garten. Und darüber, dass die Natur ihn inspiriert. Im eigenen Bio-Garten - "Meine Frau ist da die Expertin." - und auf seinen Touren. "Eigentlich unglaublich, dass ich noch nie in Guben war", sagt der 61-Jährige. Und das, obwohl die vergangenen vier Jahrzehnte von Tourneen und Bühnen in ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus geprägt waren. An seinen Auftritt in Cottbus im Januar erinnert er sich. Das sei wohl die Station gewesen, die am nächsten an Guben liegt, sagt Maahn. "Schnörkellos" hatte die LAUSITZER RUNDSCHAU den Auftritt im Cottbuser Gladhouse genannt. Braucht ein Musiker Schnörkel? "Das ist vom Künstler abhängig", sagt Maahn. Für ihn zähle "eine Rose ist eine Rose ist eine Rose" - das ändere auch ein aufwendiges Kostüm nicht. Maahn bleibt schlicht, seine Lieder sind umso tiefgründiger.

Maahn arbeitet an einer neuen Live-Platte, die gleichzeitig mit einem 100-minütigen Livefilm veröffentlicht wird. "Die Live-Sachen sind die Kür", sagt der Liedermacher. Studioarbeit und Bühnenarbeit ergänzten sich bei ihm ganz gut. Die "Vibes" aber kämen nur beim Konzert wirklich rüber. "Vibes" - Schwingungen - das ist Maahns neues Lieblingswort, sagt er. "Die Schwingung ist viel wichtiger als man denkt", ergänzt er. Zwischen dem Mann auf der Bühne und den Männern und Frauen im Publikum muss es schwingen - so entstehe die richtige Atmosphäre. Mehr als drei Jahrzehnte auf der Bühne - Maahn muss es wissen.

Sucht man im Internet nach dem gebürtigen Berliner und Wahl-Kölner, empfiehlt die Suchmaschine gleichzeitig Rio Reiser und Nachwuchs-Künstler Philipp Poisel. "Das trifft es ganz gut", sagt Maahn, will aber den Algorithmen von Google und Co. nicht wirklich trauen. "Sensible Daten" heißt sein jüngstes Album. Es geht bei ihm auch um Kritik an der digitalen Welt, unter anderem eben auch den Algorithmen der Suchmaschinen. Es sei zum Beispiel nicht mehr einfach, den guten Musikernachwuchs heute noch zu entdecken. Musikvideos veröffentliche gerade jeder, egal ob gut oder nicht. Es gebe eben auch "wahnsinnig viel Schrott", sagt Maahn.

Seine Lieder handeln nicht nur von Kritik am Digitalen, sondern auch von dem, was bislang noch analog funktioniert: von Spaß und Liebe. Die Lieder bringt er am Freitag mit. "Ich bin dafür verantwortlich, dass das Konzert in die richtige Richtung geht", sagt der 61-Jährige. Das gelinge ihm allerdings meist auch ganz gut. Den Rest erledige das Wechselspiel mit dem Publikum.

Ob er sich am Freitag Guben ansehen wird, kann er noch nicht sagen. Interessieren würde ihn die Doppelstadt schon, sagt er. Ob es zeitlich hinhaut, ist unklar. Die Anfahrt führt quer durchs Land. Viel von einer Stadt bekomme er durch das Publikum mit, "wie sie lachen, wie sie mitmachen".

Zum Thema:
Das Wolf Maahn-Konzert "Unter einem großen Himmel" findet am Freitag, 21. Oktober, im Werk Eins der Fabrik statt. Los geht es um 20 Uhr, Einlass: 19.30 Uhr. Die Karten kosten 21 Euro im Vorverkauf, 26 Euro an der Abendkasse und sind auch erhältlich unter www.fabrik-ev.de