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| 19:00 Uhr

Buchvorstellung
Von Guben bis nach Russland

Irmgard Schneider vom Verein pro Guben setzt sich für den Erhalt der Apfelbäume ein.
Irmgard Schneider vom Verein pro Guben setzt sich für den Erhalt der Apfelbäume ein. FOTO: jana Pozar
Guben . Ein neues Buch fasst die lange Tradition der Neiße-Stadt im Obst- und Weinanbau zusammen.

In der kommenden Woche stellt Günther Lohse das Buch „Weinbau und Obstbau in Guben bis in die Gegenwart“ von der Pomologischen Gesellschaft zu Guben vor. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU verriet er vorab einige Details. „Über den Obst- und Weinanbau finden sich auch heute noch viele Aufzeichnungen“, sagt Günther Lohse „Ich habe in diesem Buch einmal alles zusammengefasst.“ Insgesamt zwei Jahre hat er an dem rund 150 Seiten starken Werk gearbeitet. Sein Interesse an der Geschichte der Region ist dabei nicht neu. „Ich habe meine Familiengeschichte aufgeschrieben und auch an der Fortschreibung der Stadtgeschichte mitgewirkt“, erzählt Günther Lohse.

Die Geschichte des Obst- und Weinanbaus reicht in Guben weit zurück. 1280 erhielt die Stadt die Erlaubnis von Heinrich dem Erlauchten zu Dresden, Viehweiden in Wein- und Hopfengärten umzuwandeln. „Die erste Aufzeichnung zum Weinanbau stammen aus dem Jahr 1306“, so Günther Lohse. „Da war der Weinbau wohl aber schon im vollen Gang.“ Nachweisbar wurde von 1280 bis 1880 - also 600 Jahre lang - in und um Guben Wein angebaut. „Der Weinbau wurde ab dem Ende des 13. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der Gubener Bürger“, weiß Günther Lohse. „Damals wurde viel Wein über den Wasserweg auf der Neiße nach Polen, Russland und ganz Europa exportiert.“

Günther Lohse hat zwei Jahre an dem neuen Buch gearbeitet.
Günther Lohse hat zwei Jahre an dem neuen Buch gearbeitet. FOTO: Michéle-Cathrin Zeidler / Michèle-Cathrin Zeidler

Auch europäische Fürsten ließen sich Wein aus Guben liefern, so gut war dessen Ruf auf dem Markt. „Der Weißwein war recht sauer, aber der rote war hervorragend“, sagt der Buchautor. Schon am Ende des 14. Jahrhunderts gab es um Guben über tausend Weinberge. Und die Winzer waren fleißig: Im Jahr 1647 wurden laut den Aufzeichnungen vom Gubener Weinbauverein insgesamt 523 252 Liter Weißwein und 294 767 Liter Rotwein gekeltert.

„Die Erfolge waren durch die Witterung aber sehr unberechenbar“, macht Günther Lohse auf ein Problem der Winzer aufmerksam. Um 1820 begann daher, nach Totalverlust aller Weißweinreben und starken Schäden an den Roten durch harte Fröste, der Niedergang des Gubener Weinbaus. „Es wurde vermehrt auf den Obstanbau umgeschwenkt“, erklärt der Autor. Dabei wurden vornehmlich Äpfel und Kirschen angebaut. Erst im Jahr 2003 wurde der Weinanbau in Grano wieder aufgenommen. „In der Literatur spielen die 13 verschiedenen Kirschsorten aus Guben eine große Rolle“, sagt Günther Lohse. „Dabei ist die Stadt in der Öffentlichkeit vor allem für die Gubener Apfelsorten Warraschke und Kaschacker bekannt.“ Die Kirschsorten Gubens Ehre und Große Germersdorfer gibt es heute noch, ebenso die Apfelsorte Warraschke. „Im Sorbischen bedeutet das Wort wórašk übrigens so viel wie Bauer“, weiß Günther Lohse zu erzählen.

Das Cover des neuen Buches.
Das Cover des neuen Buches. FOTO: Zeidler Michéle-Cathrin

Die Qualität der Apfelsäfte war so hoch, dass sie sogar bis nach Amerika exportiert wurden. „Damals hieß es  ‚Gebt euren Mädchen und Buben Apfelsaft aus Guben’“, so der Heimatforscher.

In dem Buch wird neben der Geschichte zum Obst- und Weinanbau auch die die Geschichte der Pomologischen Gesellschaft zu Guben behandelt.

(Zeidler)