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Von Brody bis Bärenklau

Der Tagebau Jänschwalde rückt etwas näher an Guben. Doch nicht nur er stand auf der Agenda im jüngsten Umweltausschuss.
Der Tagebau Jänschwalde rückt etwas näher an Guben. Doch nicht nur er stand auf der Agenda im jüngsten Umweltausschuss. FOTO: Patrick Pleul
Guben. Fakt ist: Der Tagebau rückt näher an Guben heran. Da hilft auch das Aus für Jänschwalde-Nord nicht. Daniel Schauff

Ob es Auswirkungen auf Guben geben werde, wenn der Tagebau bis an die Taubendorfer Kante rücke, will der amtierende Bürgermeister Fred Mahro im Umweltausschuss von Gert Klocek, Leiter der Leag-Bergbauplanung, wissen. Nein, sagt der. Trotzdem will Mahro einen regelmäßigeren Kontakt zum Bergbaubetreiber, so wie es in Schenkendöbern der Fall ist. Die Leag sagt zu.

Das Revierkonzept des Bergbaubetreibers dürfte für die wenigsten Ausschussmitglieder neu sein. Atterwasch, Kerkwitz, Grabko bleiben, für Welzow steht eine Entscheidung noch aus, Nochten hat ein Sonderfeld, in Reichwalde gibt es nichts Neues.

Ziemlich schnell schwenkt das Gespräch mit Klocek und Leag-Referentin Birgit Schroeckh in Richtung Polen. Mahro etwa will wissen, ob die Leag es für möglich hält, dass künftig Kohle aus Gubin-Brody in Jänschwalde verstromt wird. "Das kann ich derzeit ausschließen", sagt Klocek.

Jens Kaehlert ("Wir Gubener Bürger") stellt die Frage, ob Dichtwände für den Grundwasserschutz das Grundwasser im Umfeld eines 150 Meter tiefen Tagebaus schützen können. In Gubin-Brody ist das offenbar so geplant. Bei 100 bis 120 Metern sei bei einer Dichtwand, wie sie gerade auch am Tagebaurand in Jänschwalde entsteht, für die Leag-Technik Schluss, sagt Klocek. Und technisch sei das Unternehmen weltweit führend. Der Tagebau Jänschwalde ist 95 Meter tief. Allerdings, das betont der Planungsleiter auch, habe die Leag keine Untersuchungen dazu angestellt. Eine verlässliche Aussage zu einem 150 Meter tiefen Tagebau könne er also nicht machen.

Eine Stellungnahme zum Vorhaben des polnischen Nachbarn habe auch der Tagebaubetreiber abgegeben, sagt Klocek. Die Leag will das Schreiben der Stadtverwaltung im Nachgang zur Verfügung stellen. Allerdings, das stellt Klocek klar, habe auch dem Tagebaubetreiber nur die deutsche Zusammenfassung vorgelegen.

Gerhard Lehmann (Linke) macht einen Schwenk zurück zum Tagebau Jänschwalde - vor allem nach Bärenklau. Wie es sein könne, dass zwar Wasser ins Schwarze Fließ eingeleitet werde, trotzdem "offensichtliche Bergschäden" an den Häusern im Dorf entstehen, weil der Boden zu trocken sei (die RUNDSCHAU berichtete). Die Einleitung des Wassers, sagt Birgit Schroeckh, schütze das Naturgebiet bei Bärenklaus. Es sei durchaus möglich, dass im Gebiet der Grundwasserabsenkung, in dem auch Bärenklau liegt, Setzungsschäden an Häusern entstehen - vor allem an alten. In dem Fall sollten sich die Eigentümer formlos an die Leag wenden. Würden Setzungsschäden erkannt, sei eine Entschädigung möglich. Fünf Bärenklauer haben Leag-Sprecher Thoralf Schirmer zufolge Bergschäden an ihren Häusern angezeigt. Zwei Anzeigen seien allerdings abgelehnt worden, so Schirmer. Drei seien in Arbeit.

Eine gute Nachricht bringt Birgit Schroeckh für Autofahrer zwischen Taubendorf und Grießen mit - die Straße, die im Zuge des weiteren Abbaus im Tagebau Jänschwalde verlegt werden muss, ist fast fertig. Am 24. August ist die neu geführte Bundesstraße 112 laut Leag befahrbar.

Zum Thema:
Sicher ist der Start des Tagebaus unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze noch nicht. Bis zu einer Milliarde Tonnen Braunkohle sollen laut polnischen Behörden im Gebiet rund um Gubin liegen. Ab 2025 sollen jährlich 17 Millionen Tonnen Braunkohle aus der Erde geholt werden. Die geplante Laufzeit beträgt 53 Jahre. Das Tagebaufeld ist größer als die beiden Kohlegruben Jänschwalde und Jänsch walde-Nord auf deutscher Seite zusammengenommen. Rund 3000 Menschen müssten Experten zufolge dafür umgesiedelt werden. Ein Kraftwerk soll bei Gubin entstehen.