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Vom Schmuddelkind zum Schmuckkästchen

Ein Güterzug der Polnischen Staatsbahn kurz vor dem Bahnübergang Blumenweg. Es war 1994, als dort letztmals Züge rollten.
Ein Güterzug der Polnischen Staatsbahn kurz vor dem Bahnübergang Blumenweg. Es war 1994, als dort letztmals Züge rollten. FOTO: Foto: Sammlung Auga
Guben.. Unser Autor Adolf Auga hat wieder einmal eine Gubener Straße und ihre Geschichte genauer unter die Lupe genommen. Heute widmet er sich dem Blumenweg. Foto: Sammlung Auga

Der Pharus-Plan aus dem Jahre 1914 weist den heutigen Blumenweg als einfachen unbenannten Feldpfad aus. Auf dem Verkehrsplan von 1939, herausgegeben von der Stadtverwaltung und angefertigt vom Stadtvermessungsamt, trägt er in Anlehnung an die Eisenbahnstrecke nach Breslau (seit 1945 Wroclaw) die Bezeichnung Breslauer Straße. Im Jahre 1946 erfolgte die Umbenennung in Blumenweg.
Unser Spaziergang beginnt am überfüllten Parkplatz auf dem ehemaligen Gelände des Oberbauwerkes, kurz OBW genannt, und führt durch die Bahnunterführung der elektrifizierten Strecke Frankfurt (Oder ) - Guben - Cottbus zum hinteren Eingang des Lok-Sportplatzes mit der „Sportlerklause“ , die jedem, der Durst und Hunger verspürt, ausreichend Platz zu einer Pause bietet.
Der Hubschrauberlandeplatz, erbaut auf Gartengrund, dient dem Schnelltransport lebensgefährlich Erkrankter. Zwei Andreaskreuze, die Bahnschranken, unkrautüberwucherte Gleise und ein total bespraytes Bahnwärterhäuschen erinnern an die wichtige Eisenbahnverbindung Berlin - Guben - Breslau. Im Frühjahr 1994 erlebte die Strecke noch einmal eine sechsmonatige Wiedergeburt, als während der Generalreparatur der Eisenbahnbrücke Grunewald - Gubin die Steinkohlenzüge der Polnischen Staatsbahn durch Guben rollten.
Die Kreuzung Gartenstraße / Blumenweg spielt im Straßenverkehr nur eine untergeordnete Rolle.
Beachtung findet in der ladenlosen Straße die schmucke Behausung des Malermeisters Reiner Göritz, Blumenweg 23 A, dessen Familie einmal im Jahr mit ihrer traditionellen Bläserserenade zu Weihnachten viele Besucher zu einer Glühweinparty einlädt.
Zu Goethes Trost sei gesagt: An Blumen fehlt's nicht im Revier. In den gepflegten Vorgärten sprießt und blüht es nur so. Durch die anziehenden Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei, die sich gut in das architektonische Gesamtbild einfügen, erhielt das Stadtviertel insgesamt ein stattliches Aussehen. Aus der Küche des früheren China-Restaurants „Shanghai“ , der einst beliebten Gaststätte „Feldschlösschen“ , steigt verlockender Broilerduft in meine Nase.
Die rechte Straßenseite erschöpft sich in den zwei frisch sanierten und mit modischem Beiwerk versehenen Neubaublöcken aus den Jahren 1961/62 und einigen Schrebergärten in einer Wiesenniederung vor den beiden Bahnstrecken. Die sauber gehaltene Müllcontainer-Anlage und die Telefonzelle, seitlich begrenzt von einer mannshohen Hecke, beschließen den Blumenweg, der, asphaltiert von der Kaltenborner Straße aus, bei einer mittleren Verkehrsdichte sich längst zu einer passabelen Straße gemausert hat und eine wichtige Verbindung zum Naemi-Wilke-Stift und zur Altstadt bildet. Wie sich die Zeiten auch positiv verändern können.