Mitarbeiter der Firma Geotec hatten bei den Vorbereitungen zur Verlegung einer Kabeltrasse bei Groß Gastrose eine Granate gefunden. Wie sich herausstellte, muss sie gesprengt werden.

Sprengmeister Enrico Schnick und sein Kollege Ronald Schulze bereiten alles für eine kontrollierte Sprengung vor. Sie müssen vorsichtig sein, denn bei den Vorbereitungsmaßnahmen zur eigentlichen Sprengung könnte die Granate von selbst detonieren, weil das Zündsystem zu instabil geworden ist.

Die beiden jungen Männer haben Erfahrung, gehen mit Ruhe und Bedacht an ihre gefährliche Arbeit. Sie sind ein eingespieltes Team. Im Süden des Landes Brandenburg sind sie im Auftrag des Zentraldienstes der Polizei für die Beseitigung von Kampfmitteln aller Art zuständig.

Doch woher stammt die Granate, die in der Gemeinde Schenkendöbern gefunden wurde? „Im Bereich des Fundortes befand sich von Februar bis April 1945 eine Hauptkampflinie an der Oder-Neiße Front“, erzählt Enrico Schnick. „Dieser Typ Granate wurde im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Flugabwehr (Flak) zur Bekämpfung gegnerischer Flugzeuge verwendet“, ergänzt er.

Die nun gefundene Munition hat ein sogenanntes vorgespanntes Zündsystem mit einem Zeitzünder. „Munition mit diesem Zündsystem ist nicht transportfähig und muss vor Ort kontrolliert gesprengt werden“, so der Sprengmeister. Eine Bombe/Granate muss gesprengt werden, wenn ihr Zustand beziehungsweise das Zündsystem (vorgespannt, Zeitzünder, Langzeitzünder usw.) einen Transport aus Sicherheitsgründen unmöglich machen. Genau das war in der Nähe von Groß Gastrose der Fall. Der Transport von bezünderten Bomben über 50 Kilogramm ist zudem generell verboten.

Gegen 10 Uhr hieß es dann Daumen drücken. Ein Warnsignal ertönt. Im Abstand von mehreren Hundert Metern schauten Polizei und Ordnungsamt der Sprengung zu. Es folgt ein lauter Knall und aufsteigender Rauch – und schon ist alles vorbei.

Enrico Schnick und Ronald Schulze haben einmal mehr ihr eigenes Leben riskiert, um andere vor Schaden zu bewahren. „Es war alles wie erwartet. Keine besonderen Vorkommnisse“, sagen die Fachmänner im Anschluss.

Nach der Sprengung musste gewartet werden, bis sich die Rauchentwicklung (Sprengschwaden) verzogen hatten. Diese hätten den Verkehr auf der B 97 beeinflussen und den Autofahrern die Sicht nehmen können. Doch schon kurze Zeit später konnte die Straße von der Polizei wieder freigegeben werden.

Selten gab es in der Gemeinde Schenkendöbern eine Sprengung, auch wenn es regelmäßig bei Bauarbeiten oder in der Landwirtschaft zu Munitionsfunden im Gemeindegebiet kommt.

„Doch bis jetzt konnten die Kampfmittelbeseitiger die Funde immer abtransportieren“, so Holger Häckert vom Ordnungsamt in der Gemeindeverwaltung. Wie viel Munition sich noch im Boden befindet, kann Sprengmeister Schnick nicht sagen. „Aber das, was noch im Boden liegt an Munition, wird noch Generationen beschäftigen“, ist sich Enrico Schnick sicher.

Doch was macht man, wenn man im Garten, beim Hausbau oder sonstwo Gegenstände findet, die wie Munition aussehen? Enrico Schnick weiß Rat: „Gegenstände, die man nicht einwandfrei identifizieren kann, auf keinen Fall berühren. Unbedingt Meldung an die Polizei oder das Ordnungsamt machen. Die informieren uns und wir kümmern uns dann um den Rest“, sagt er.

Und mit einem Trugschluss räumt er in diesem Zusammenhang gleich noch auf: „Anders wie die Leute immer denken, ist unser Einsatz völlig kostenfrei für die Finder. Wir erleben es immer wieder, dass derartige Fundstücke einfach bei Seite gelegt werden, weil die Leute denken, sie müssen die Entsorgung bezahlen. Das stimmt nicht.“

Er legt allen ans Herz, unbedingt die Polizei oder das Ordnungsamt zu informieren, wenn man sich nicht sicher ist, was das Gefundene ist. „Hier geht es um die Sicherheit von Menschen“, so der Sprengmeister.

Übrigens sind sich die Fachleute einig, dass die Gefahr, die von Bomben und Granaten ausgeht, mit den Jahren immer gefährlicher wird. Denn Kälte, Hitze, Nässe, Trockenheit und Korrosion nagen daran und stellen damit zunehmend eine Gefahr für Menschen und Tiere dar. Gerade bei Munition mit Zeitzündern könne das der Fall sein.