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| 14:11 Uhr

100 Jahre Bauhaus
Villa-Wolf-Verein will durchstarten

Bauhaus-Jubiläum soll dem Wiederaufbauprojekt in Gubin 2019 zum Durchbruch verhelfen.

Ein ganz besonderes Jahr soll 2019 für alle werden, die sich mit Architektur beschäftigen. Dann wird nämlich das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus begangen. Ein Jubiläum, das auch für die Doppelstadt Guben-Gubin von Bedeutung ist. Schließlich stand im heutigen polnischen Teil einst die Villa Wolf, ein Bau des Architekten Mies van der Rohe, einem bedeutenden Vertreter der Bauhaus-Architektur.

Und genau dieses Jubiläum will in den kommenden Monaten der Förderverein Villa Wolf nutzen, um seinen Plänen zum Wiederaufbau zum Durchbruch zu verhelfen. Vorsitzender Florian Mausbach, der von 1995 bis 2009 Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung war und der sich seit Jahren für dieses Projekt engagiert, sieht dafür gute Chancen. Nachdem zuletzt eher die Gründung des Vereins  im Mittelpunkt stand, mit dessen Hilfe die notwendigen Gelder gesammelt werden sollen und dem inzwischen mehr als 30 Mitglieder angehören, sollen 2019 das Forschungsprojekt und das Wiederaufbauvorhaben konkrete Gestalt annehmen.

„Das Forschungsprojekt bedarf zu seinem Abschluss noch der genauen Backsteinformate und der Außenmaße des Hauses“, erklärt Mausbach. Die Denkmalpflegerin der Woiwodschaft Lebuser Land, Barbara Bielinis-Kopec, habe in einem Gespräch im November in Zielona Gora eine Förderung von punktuellen Grabungen auf dem Gelände an der ehemaligen Teichbornstraße zugesagt. Derweil hole der Archäologe Jaroslaw Lewczuk aus Zielona Gora Angebote für ein Bodenradar zur Feststellung der Außenmaße ein.

Mausbach zeigt sich optimistisch, dass die Vermessungen im kommenden Jahr durchgeführt werden können. „Mit den Ergebnissen kann das Forschungsprojekt abgeSchlossen, publiziert und in einer Ausstellung mit einem neuen Modell gezeigt werden.“ Prof. Dietrich Neumann, Gründungsmitglied des Fördervereins, plane mit dem Illinois Institute of Technology in Chicago eine Ausstellung in der dortigen Crown Hall, die ebenfalls von Mies van der Rohe errichtet wurde. „Das wäre auch eine Gelegenheit zur Einwerbung von Spenden aus den USA.“ Schon Anfang Januar treffe sich der Vorstand des Vereins im Gubiner Rathaus mit den beiden Bürgermeistern und der Denkmalpflegerin, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Die zweite Schiene ist dann das eigentliche Wiederaufbauvorhaben. Auch da sollen 2019 Nägel mit Köpfen gemacht werden. Bereits Mitte Januar will Mausbach  das Projekt im Generalkonsulat in Wrocław (Breslau) vor polnischen und deutschen Unternehmern vorstellen. Mercedes-Benz, Bauherr eines neuen Motorenwerks bei Wrocław, habe bereits eine erste Spende für die Villa-Wolf-Rekonstruktion zugesagt.

Und auch die Politik hat inzwischen ihre Hilfe angekündigt. Michelle Müntefering, parlamentarische Staatssekretärin für internationale Kultur- und Bildungspolitik beim Außenministerium, und Magdalena Gawin, Vizekulturministerin in Polen, haben ihre Bereitschaft zur Schirmherrschaft erklärt. Dies sei laut Mausbach ein wichtiges Signal. Zudem gebe es Gespräche, die Villa Wolf in einen deutsch-polnischen Pfad der Moderne zu integrieren.

Auch auf lokaler Ebene ist man sich der Bedeutung des Projektes bewusst. So wollen die Bürgermeister Fred Mahro und Bartlomiej Bartczak zum Guben-Gubiner Neujahrsempfang ein Modell der Villa mitbringen, das sich im Besitz des Naemi-Wilke-Stifts befindet, und so das Jubiläumsjahr einläuten. Mahro: „Weltweit gibt es herausragende Orte des Bauhauses und der Moderne, wegweisende Architektur, die unser Verständnis von Leben, Arbeiten, Lernen und Wohnen nachhaltig geprägt hat. Wir können stolz darauf sein, das initiale Werk eines Mies van der Rohe in unserer Doppelstadt wieder ,auferstehen’ zu lassen. Guben und Gubin sollten diese Chance nicht vergeben.“

Florian Mausbach geht davon aus, dass für den Wiederaufbau der Villa nach ersten Schätzungen etwa zwei Millionen Euro benötigt werden. „Wir gehen Schritt für Schritt vor, aber ich gebe zu, ich würde es gern noch erleben“, sagt der 74-Jährige. Jetzt schaut er aber erst einmal dem Bauhaus-Jubiläumsjahr mit guten Hoffnungen entgegen.

 Die Villa Wolf von Mies van der Rohe soll in Gubin wiedererrichtet werden. Der Förderverein ist optimistisch, im kommenden Jahr mit diesem Projekt deutlich voranzukommen.
Die Villa Wolf von Mies van der Rohe soll in Gubin wiedererrichtet werden. Der Förderverein ist optimistisch, im kommenden Jahr mit diesem Projekt deutlich voranzukommen. FOTO: Archiv