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Robert-Koch-Institut
Viele gute Gründe für eine Impfung und keiner dagegen

Julia Neufeind ist Expertin für Impfprävention
Julia Neufeind ist Expertin für Impfprävention FOTO: zvg
Guben. "Impfen oder nicht impfen, das ist die Frage" – unter diesem Titel wird Julia Neufeind vom Robert-Koch-Institut Berlin am Mittwoch um 19 Uhr auf einer besonderen Veranstaltung des Rotary Clubs Guben im Weiten Raum des Naemi-Wilke-Stifts referieren. Auf Initiative der Rotarier werden seit September 2015 in Guben Flaschendeckel gesammelt.

Der Erlös kommt der Bekämpfung der Kinderlähmung zugute. Mit einem Themenabend rund ums Impfen möchte sich der Rotary Club Guben nun bei allen Unterstützern der Aktion bedanken. Auch der Gubener Fachtierarzt für Kleintiere Martin Pehle wird einen Vortrag zur Impfung von Tieren halten. Bereits im Vorfeld hat Julia Neufeind vom Fachgebiet für Impfprävention am Robert-Koch-Institut Berlin der RUNDSCHAU einen Einblick ins Thema gegeben.

Frau Neufeind befindet sich Deutschland in einer Impfkrise?
Neufeind: Nein. Im Vergleich mit anderen Ländern haben wir sogar eine sehr gute Impfquote. Bei Polio, Diphtherie und auch bei der Masernimpfung liegt die Impfquote im Bereich von 90 bis 95 Prozent und hält sich seit Jahren auch auf diesem Niveau. Damit sind wir weit von katastrophalen Impfquoten entfernt. Dennoch ist die Verunsicherung in der Bevölkerung groß.

Woher kommt diese Verunsicherung zum Thema Impfen?
Neufeind: Viele schwere Infektionskrankheiten sind heute durch die hohen Impfquoten eingedämmt und somit auch nicht mehr im Bewusstsein der Menschen. Viele Menschen haben Folgen von Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung gar nicht mehr direkt erfahren, eben weil viele Menschen geimpft wurden. Das verzerrt die Risikowahrnehmung der Menschen.

Welche Argumente sprechen denn dafür, sein Kind impfen zu lassen?
Neufeind: Impfungen funktionieren einfach gut. Infektionskrankheiten können zu schweren Komplikationen führen, eine Impfung schützt davor. Die Risiken durch eine Impfung sind dabei immer niedriger einzuschätzen, als der mögliche Schaden durch eine Erkrankung. Eine Impfung schützt außerdem nicht nur sie selbst vor der Krankheit, sondern auch ihre Familie. Außerdem sind moderne Impfstoffe sicher und Impfungen werden seit Jahrzehnten effizient praktiziert.

Gibt es wissenschaftliche Argumente gegen eine Impfung?
Neufeind: Es gibt viele gute Gründe für eine Impfung und ich weiß keinen einzigen richtigen Grund dagegen. Das Risiko möglicher Schäden durch eine Infektionserkrankung wiegt deutlich höher und bleibende, unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten nur in äußerst seltenen Fällen auf. Natürlich weiß ich, dass alle Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen. Ich kann die Bedenken auch nachvollziehen, aber eine Impfung ist der richtige Weg. Auch gerade weil Deutschland ein so großes Land mit viel Migration und Bewegung ist. Nur durch eine Impfung können wir uns schützen.

Gibt es bei der Impfquote Unterschiede in Deutschland?
Neufeind: Traditionell lassen sich im Osten des Landes mehr Menschen impfen, als im Westen. Es gibt aber auch innerhalb von Landkreisen starke Variationen.

Mit Julia Neufeind sprach Michèle-Cathrin Zeidler