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| 01:00 Uhr

Verkehrschaos auf der B 112

Eisenhüttenstadt. Autofahren rund um Eisenhüttenstadt gleicht momentan einer Odyssee. Nehmen wir die Strecke Wiesenau-Neuzelle: Kurz vor Ziltendorf bricht die B112 abrupt ab. Danach holpert man über Dörfer, weicht Baufahrzeugen aus und hängt hinter Lkw, die man nicht überholen kann. Drei Baustellen und 40 Minuten später erreicht man erschöpft Neuzelle. Von Antje Scherer

Ein Selbstversuch:
Wiesenau, Ortsmitte, 10.14 Uhr: Wir fahren los mit Ziel Neuzelle. Die ersten zweieinhalb Minuten läuft alles nach Plan. Dann taucht das Schild „Baustelle 400 Meter“ auf. Kurz vor Ziltendorf bricht die B 112 abrupt ab. Die Umleitung führt nach links durch den Ort. Kopfsteinpflaster, Tempo 30.
Kurz nach der Ortsausfahrt erneut der Hinweis „Baustelle 400 Meter“ . Am linken Fahrbahnrand werden Kabel verlegt. Große Erdaufschüttungen und Warnblinker am Straßenrand begleiten uns bis Vogelsang. Wir müssen abbremsen, vor uns schert ein Kabel-Rollfahrzeug auf die Straße, das nur 20 km/h fahren darf.
Eisenhüttenstadt, 10.28 Uhr. Immer der Umleitung folgend, erreichen wir die Gubener Straße. An der Go-Tankstelle gabelt sich plötzlich die Straße. Wohin„ Alle anderen Autos fahren geradeaus Richtung Marktkauf, Zwillingsschachtschleuse. Auf dem Schild steht aber „Sackgasse“ , also folgen wir brav der hier erstmals ausgeschilderten U 12. Fahren über die Straße der Republik, überqueren den Oder-Spree-Kanal.
Eisenhüttenstadt, Fröbelring Passage 10.34 Uhr: Stadteinwärts ist die linke Abbiegespur voll gesperrt, stadtauswärts die linke Spur. Während wir drei Ampelphasen abwarten müssen, haben wir Muße, einen Bagger, drei Laster, zwei Kipper zu betrachten, die in der Straßenmitte Erde umwühlen. Stadtauswärts flechten sich immer wieder die Baufahrzeuge, die von der Baustelle Fröbelringpassage kommen, in den Verkehr.
Um 10.40 Uhr setzen wir unsere Fahrt auf der Straße der Republik fort. An der Kreuzung Karl-Marx-Straße gabelt sich die Straße, die U 12 geht nach rechts, die U 6 nach links.
Weil die Lkw vor uns alle der U12 folgen, entscheiden wir uns für die U6 und biegen links in die Karl-Marx-Straße ein. Auf Höhe der Aral-Tankstelle geht es nicht weiter. Ein Schild „Sackgasse, Zufahrt bis Tankstelle frei“ plus Straßensperre erzählt uns, wo wir nicht lang können, ein Umleitungsschild mit dem richtigen Weg sucht man allerdings vergebens. Auch das Ehepaar Seipke, mit Autokennzeichen H für Hannover, ist irritiert: „Wir wollen nach Guben“ , erzählt Reinhard Seipke. Wie er da hinkommt - Schulterzucken. Das Paar steht vor diesem Problem glücklicherweise nur heute, Andreas Schmidt aus Steinsdorf aber gurkt jeden Tag hier lang.
„Ich bin überhaupt nicht gegen Straßenbau“ , sagt Andreas Schmidt, „aber warum alles auf einmal““ Er ist täglich von Steinsdorf nach Eisenhüttenstadt zur Arbeit unterwegs. Was sonst täglich 20 Minuten in Anspruch nimmt, hat sich in auf fast das Doppelte erhöht. Einmal in der Woche muss er beruflich nach Frankfurt und sitzt frühmorgens zwischen Brummis und Leidensgenossen sogar anderthalb Stunden im Auto.
Wir fahren um 10.44 Uhr ebenso wie das Ehepaar Seipke nach rechts in die unbeschilderte Friedrich-Engels-Straße, obwohl das einzig sichtbare Umleitungsschild (U12) wieder zurück auf die Karl-Marx-Straße führt.
An der Maxim Gorki-Straße, Ecke Diehloer Straße gibt es gar kein Schild. Wir biegen auf gut Glück links ab, 200 Meter weiter auf einmal ein Schild U12. Warum die U6 (für Pkw) auf einmal zur U12 (für Lkw) wird, ist nicht zu ersehen. Die einzige Erklärung ist, dass ab hier die Pkw-Umleitung und die Lkw-Umleitung zusammengeführt werden.
Es ist 10.54 Uhr, in Möbiskruge gabelt sich die Straße. Links geht es nach Neuzelle, rechts nach Treppeln/Friedland. Der Umleitungspfeil für die U12 führt allerdings geradeaus...
Neuzelle, Ortsmitte erreichen wir um 10.56 Uhr und haben außerhalb des Berufsverkehrs am Morgen fast doppelt so lang gebraucht, wie der Routenplaner uns für die Strecke errechnet hat. Hätten wir auf einem Lkw-Bock gesessen, wären wir über die Beeskower Straße umgeleitet worden. Zusätzlicher Zeitaufwand: Sechseinhalb Minuten.

Entspannung in Sicht
„Purer Zufall“ sei es, sagt Robert Schumann, Niederlassungsleiter Frankfurt des Landesbetriebes Straßenwesen, dass alle diese Baumaßnahmen gleichzeitig erfolgen. Und kündigt Entspannung an: Sowohl die Karl-Marx-Straße als auch die Strecke Lawitz-Eisenhüttenstadt würden Ende dieser Woche fertiggestellt, die B112 bei Ziltendorf sei in 14 Tagen fahrbereit. Was dann noch anstehe, sei die Instandsetzung von Ampelanlagen in Eisenhüttenstadt. Außerdem fehlten noch Fahrbahnmarkierungen. Bis Monatsende habe man auf allen Strecken wieder freie Fahrt.
Natürlich sei es „ein wenig unglücklich“ , dass auf der offiziell als Umleitung ausgewiesenen Strecke Straße der Republik nun auch gebaut würde, sagte Matthias Rogge, Projektleiter für die Gesamtmaßnahme ZIS 2000, deren Schwerpunkt die Aufwertung der Fröbelringpassage ist. Hier wurde der Zaun in der Fahrbahnmitte entfernt, stattdessen werden dort momentan Bodendecker eingepflanzt, damit das wilde Überqueren der Fahrbahn verhindert wird. Die Maßnahme gehöre zum Gesamtpaket Fröbelringpassage, so Rogge. Finanzierung und Abrechnung des ganzen Projektes müssten bis Jahresende erledigt sein, deshalb wäre ein Arbeitsaufschub unmöglich. (MOZ)