Joachim und Holger Dulitz präsentieren stolz die vier Meisterbriefe an der Wand. Sie stehen für die Tradition des Gubener Handwerksunternehmens, das mittlerweile in dritter Generation geführt wird. Die Glas- und Leichtmetallbau GmbH zählt 20 Mitarbeiter und ist deutschlandweit im Einsatz. "Aber Lehrlinge zu finden, ist ein großes Problem", erzählt Junior-Chef Holger Dulitz. In den vergangenen zwei Jahren kam keine Bewerbung im Betrieb an. "Selbst Montagearbeiter sind schwer zu finden." Ein Problem, das Landrat Harald Altekrüger allzu oft von Firmen zu hören bekommt.

Um über diese und andere Sorgen von Unternehmen zu diskutieren, war er gemeinsam mit der Handwerkskammer Cottbus (HWK) am Donnerstag bei Joachim und Holger Dulitz und dem Elektro-Service Weiche zu Besuch. Auch für den Elektrobetrieb ist das "Thema Lehrlinge generell schwieriger geworden", sagt Geschäftsführer Steffen Hube. Dennoch hat er für dieses Jahr zwei Azubis gefunden. Dafür war er auf Ausbildungsmessen und hat die Stellen bei HWK und dem Arbeitsamt gemeldet. Selber aktiv werden ist es, was auch der Landrat den Betrieben bei der Lehrlingssuche rät. Glasermeister Holger Dulitz wäre auch offen für polnische Mitarbeiter: "Bisher war aber immer die Sprache das Problem." Der Bundestagsabgeordnete Schulze schlägt vor, im Rahmen der kreislichen Wirtschaftsförderung Sprachkurse für polnische Mitarbeiter zu organisieren. Altekrüger verweist auf die Wirtschaftsfördergesellschaft, die Kontakte zu polnischen Firmen und Behörden vermitteln kann.

Auch der Ausbildungsturnus der Lehrlinge gerät in die Kritik. "Nach vier Wochen Schule folgen acht Wochen Betrieb und das im Wechsel. Das ist eine Katastrophe", sagt Hube. Durch die Zeitabstände müssten die Azubis mit der Theorie jedes Mal von vorne beginnen. HWK-Präsident Peter Dreißig und Landrat Altekrüger wollen diese Thematik beim Schulrat ansprechen.

Auch die Infrastruktur wird zum Thema. "Die Verkehrsanbindung bremst diesen Standort mit Sicherheit aus", sagt Hube, dessen Firma im Industriegebiet ansässig ist. Sein Unternehmen produziert hauptsächlich Elektro- sowie Steuer- und Regelungsanlagen. Dass es in Sachen Infrastruktur schnell vorangehen muss, darüber sind sich alle Akteure einig.

"Mächtig was getan" habe sich in den Betrieben, resümiert Altekrüger. "Beide Firmen sind sehr gut aufgestellt. Sie haben immer wieder investiert, um am Markt mithalten zu können." Generell sei das Stimmungsbarometer im Handwerk derzeit weit oben. "Firmen und Privatleute investieren. Wir wollen hoffen, dass es so weitergeht", so Altekrüger.