Von Daniel Schauff

Laut Polizeistatistik  waren es genau 1285 Wildunfälle im Jahr im Spree-Neiße-Kreis. Das sind vergleichsweise wenig. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt führt genau Protokoll über die Zusammenstöße zwischen Pkw und Tier. Von April 2017 bis März 2018 – so lange reicht das Jagdjahr – waren es deutlich weniger als in den Jagdjahren zuvor. Da sind die Zahlen regelmäßig über die 1400-Marke gestiegen. Die Zahlen zeigen aber auch: Im Schnitt knallt es allein im Kreis mehr als vier Mal pro Tag. Die dunklen Monate sind besonders gefährlich für Tier und Pkw – kaum ein Tag vergeht, an dem die Polizei keine Wildunfälle aus dem Süden des Landes meldet. Am Mittwochmorgen etwa hat es einen Fahrer bei Heinersbrück nahe den Peitzer Teichen erwischt. 1000 Euro Schaden und ein totes Wildschwein sind die Folgen des Zusammenstoßes.

Das einzig wirklich wirksame Mittel gegen Wildunfälle sind Wildzäune, sagt Henrik Schuhr, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde beim Landkreis Spree-Neiße. Entlang der Autobahn 15, die durch den Landkreis führt, seien solche Zäune gespannt. Das Ergebnis: Höchstens noch Unfälle an den Auf- und Abfahrten. Die Autobahnstrecke selbst gelte als sicher, sagt Schuhr. Warum also keine Zäune entlang besonders gefährlicher Landstraßen? Zwischen Guben und Cottbus – eine beliebte Pendlerstrecke – gibt es mit der B 97, der B 320 und der Landesstraße 50 zwischen Bärenklau und Peitz gleich mehrere „wilde“ Strecken. Ganz so einfach, sagt Schuhr, ist das nicht. Abgesehen von den Kosten für kilometerweise Zaun müsse auch die Entwicklung der Wildtiere berücksichtigt werden. Es sei wichtig für eine Art, sich bewegen zu können, „Migration“ nennt Schuhr das. Nur so könne es Austausch von Genmaterial geben und Arten gestärkt werden. Mit Zäunen den Wildtieren den Weg zu versperren, sei ein erheblicher Eingriff in die Natur.

Seit 2011 setzt der Landkreis auf sogenannte Wildwarnreflektoren. Nach einem Test auf der besonders betroffenen Strecke zwischen Leuthen und Siewisch in der Gemeinde Drebkau hat der Kreis Geld zur Verfügung gestellt, um die Warnreflektoren entlang besonders gefährlicher Strecken anbringen zu lassen. Zahlreiche Reflektoren sind auch zwischen Guben und Cottbus an die Leitpfosten geschraubt. Die Theorie: Die Reflektoren werfen das Scheinwerferlicht in Richtung Straßenrand, die Tiere werden irritiert und suchen das Weite, statt die Straße zu überqueren. Die Wirkung? Merklich, sagt Schuhr. Es lasse sich schon feststellen, dass auf Strecken, die mit Wildwarnreflektoren ausgestattet sind, die Wildunfälle zurückgingen. Ein Allheilmittel, sagt der Sachgebietsleiter, seien die Reflektoren aber nicht. Zunächst, erklärt er, sei die Lichtstärke, die tatsächlich vom Wild wahrgenommen werde, vergleichbar mit der Helligkeit einer Kerze. Darüber hinaus würden sich auch die Tiere an die störende Lichtquelle gewöhnen, sich irgendwann nicht mehr daran hindern lassen, die Straße zu überqueren, ihr Leben und die Gesundheit der Autofahrer zu gefährden.

Schuhr betont aber auch: Ein Grund für besonders aktives Wild sei auch der Mensch. Der Lebensraum der Tiere werde enger, damit starte die Suche nach geeigneten Futter- oder Ruheplätzen. Die ließen sich aber oft nur durch die Überquerung einer Straße erreichen. Auch die Mehrfelderwirtschaft führe zur Wanderung von Wildtieren – sie wandern eben dorthin, wo das Futter im jeweiligen Jahr wächst. Nichtsdestotrotz sei es Ziel der Behörde, dabei zu helfen, Wildunfälle zu reduzieren – vermeiden ließen sie sich aber im ländlichen Raum nicht.