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"Verfahren” auf vielen Ebenen

Festgesetzt: Bei der Ausfahrt aus dem Luxchenweg hatte sich ein Lkw auf der Cottbuser Straße festgefahren.
Festgesetzt: Bei der Ausfahrt aus dem Luxchenweg hatte sich ein Lkw auf der Cottbuser Straße festgefahren. FOTO: dsf
Guben. Nichts ging mehr, als sich der massige Lkw in der vergangenen Woche bei der Ausfahrt aus dem Luxchenweg auf die Cottbuser Straße so verkeilt hatte, dass die Polizei anrücken musste und die Durchfahrt für gleich mehrere Stunden unmöglich war. Auf den ersten Blick war es ein Missgeschick, das für die Autofahrer auf der Hauptverkehrsstraße Gubens zwar ärgerlich war, dem Unbeteiligten aber eher ein Schmunzeln abrang, als Ärger zu verursachen. Daniel Schauff

Anders sieht das allerdings Martin Pehle, der im Luxchenweg wohnt und betont, es sei "nur eine Frage der Zeit" gewesen, bis so etwas passiere. Es handele sich beim Unglücksort nicht um eine "Ausfahrt aus einem Gewerbehof", wie die RUNDSCHAU geschrieben hatte, sondern um die Einmündung des Luxchenweges in die Cottbuser Straße. Richtig ist, dass sich im Luxchenweg gleich mehrere Firmen befinden, einige davon werden von schweren Lkw beliefert oder regeln ihren Versand über Großspediteure. Heißt: Der Lkw-Verkehr auf dem vergleichsweise engen Weg gehört zum Alltag. Dabei sei der Luxchenweg "viel zu klein" für den Schwerlastverkehr, sagt Martin Pehle, "noch dazu mit 40-Tonnern".

Schritt für Schritt war das Gewerbegebiet in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. 1973, als Pehles Eltern das Haus des Gründers des "kleinen Betonwerks" nebenan kauften, sei ihnen die eindeutige Nutzung des Gebiets als Gewerbefläche bekannt gewesen, argumentiert die Stadtverwaltung. Aber: Nach der Wende, nachdem der Betrieb an den einstigen Gründer zurückfiel, begann ein beträchtlicher Ausbau, wie Pehle es schildert - und das, obwohl die Stadt zunächst die Nähe zum Naturschutzgebiet und die fehlende verkehrstechnische Infrastruktur an dem Standort als Hinderungsgründe angeführt habe.

Dennoch sei der Ausbau des Betonwerkes in der Nachwendezeit durchgesetzt worden. Zudem nutzte ab 2011 eine Autoverwertungsanlage leer stehende Räumlichkeiten des Betonwerks. Ein Hallenneubau für einen Kfz-Teilehandel in unmittelbarer Nähe zu Pehles Wohnhaus und auf dem Gelände des Betonwerks ging in Planung. Nicht nur für die Pehles, sondern für alle Anwohner im heutigen "Mischgebiet" zwischen Gewerbe- und Wohngebiet, stieg der Lärmpegel stetig an. Der RUNDSCHAU erzählte Pehle bereits vor zwei Jahren, dass die Wände seines Hauses mitunter bebten, wenn Schwerlaster den Plattenweg hinunterführen oder in Richtung Cottbuser Straße verließen. "Die Stadt Guben hat zwei große gut erreichbare Gewerbegebiete. Warum muss ein so kleines und abgelegenes Gewerbegebiet durch immer neue Genehmigungen verfestigt werden, statt es beim Bestandsschutz für das ursprüngliche Betonwerk zu belassen?", fragt Pehle. Auf seine Anregung, den Lkw-Verkehr im Luxchenweg nur von acht bis 18 Uhr zuzulassen, habe er seit mehr als zwei Jahren keine Antwort erhalten.

Am Missgeschick vom vergangenen Dienstag hätte aber auch das nichts geändert - gegen 14 Uhr blieb der Laster zwischen Straßenlaterne und Abzweig Luxchenweg stecken. Zur Verkehrsplanung in dem Bereich gibt es vorerst keine neuen Pläne, heißt es aus der Stadtverwaltung. Der Lärm im Luxchenweg wird also vorerst wohl bleiben.

Zum Thema:
Im Zuge der dritten Änderung des Flächennutzungsplanes Guben wurde laut Stadt ein Antrag von Martin Pehle und weiteren Bewohnern des Winkels zwischen Lindenstraße und Luxchenweg geprüft, wonach das Gebiet als Wohnbaufläche ausgewiesen werden sollte. Die Stadtverordneten gingen dem Antrag zwar insofern nach, als dass das Gewerbegebiet zur gemischten Baufläche wurde, aufgrund der angrenzenden Gewerbe aber nicht zur Wohnbaufläche werden konnte. Demnach sind dort Gewerbe und Wohnende gleichberechtigt.