ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:08 Uhr

Unterwegs nach Amtitz

Gebice (Amtitz).. Frühnebel – langsam durchdringt die Sonne die graue Schicht. Ich radle über Gubin nach Schernewitz (Czarnowice), verlasse dort die Landstraße, fahre an den Fischteichen bei Göttern (Chociejow) vorbei und gelange zu den sechs Amtitzer Fischteichen. Hans-Joachim Bergmann

Die Teiche sind noch nicht abgelassen. 20 Schwäne auf einem der Teiche lassen sich nicht stören. Aber bald werden sie von hier wegfliegen.
Einmal im Jahr treffen sich die nun alten Menschen aus dem einstigen Amtitz im Kerkwitzer „Dorfkrug“ , leben in ihrer Erinnerung, reden über ihre Dörfer oder besuchen sie auch, denn Heimat ist dort, wo die Wurzeln sind.
Das Runddorf Ompticz 1357, Ampticz 1449, Amticz 1527 kam im 17. Jahrhundert unter die Herrschaft Schönaich. Vorher gehörte es den von Polenz und von Zeschau. Nach dem letzten Zeschau verkauft Kaiser Rudolf II die Lehngüter an Melchior von Löben und Zacharias von Grünberg, die Löben sind später alleinige Besitzer. Ab 1621 besitzen die Freiherren, später Grafen von Schönaich, dann Fürsten von Schönaich-Carolath bis 1945 die Herrschaft.
Amtitz liegt zehn Kilometer südostwärts von Guben. Es gehörte zum Kirchspiel Starzeddel. Die noch bestehende Kirchruine hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert, wurde 1770 umgebaut, und 1921 erfolgte der Anbau der Kapelle, die als Krypta für Fürst Heinrich von Schönaich und seine Frau Margarete diente. Eine rote Granitplatte schützt die Gräber. Die alte Krypta dagegen ist geplündert. Särge, Knochen, Stofffetzen bilden ein trauriges Durcheinander.
Vom Schloss aus dem 17. Jahrhundert, das in Spätrenaissance ausgeführt wurde, vom Tor zum Park - ein barockes Schmiedekunstwerk - ist nichts geblieben. Die Figurengruppen und Putten aus dem Rokoko sind nach dem Kriege verschwunden. Nur die Sockel stehen noch da.
Der schöne Park an der Lubst, den vor dem Kriege gern die Gubener aufsuchten, wurde im 19. Jahrhundert angelegt. Er hat noch viele alte Bäume und ist Biotop für Pflanzen und Tiere. Er umfasst über acht Hektar.
Im Dorf gab es früher eine Wassermühle und eine Ziegelei, die Häuser sind zumeist aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und geerntet wurden im 18. Jahrhundert Korn, Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen, Heidekorn, Hopfen, Lein, Hirse und Erdäpfel.
Gebice ist auch heute noch ein bescheidenes Bauerndorf. Der deutsche Friedhof wurde zur Viehkoppel, Schloss und Schlossbrauerei wurden im April 1945 völlig zerstört.
Und dennoch sind mit Amtitz berühmte Namen verbunden: Pater Kolbe, ein polnischer Franziskaner, war im Gefangenenlager beim Dorf 1939/40 eingesperrt. Er opferte sich stellvertretend 1941 für einen Familienvater in Auschwitz. Der Dichter Otto von Schönaich wurde auf dem Schloss geboren. Mit seinem Heldengedicht „Herrmann oder Das befreite Deutschland“ (Leipzig 1751) beschäftigte sich auch Lessing. Kristina Söderbaum, Schauspielerin schwedischer Herkunft, spielte in nationalsozialistischen Filmen wie „Jud Süd“ 1940 und „Kolberg“ 1943/44 mit. Sie hielt sich in Amtitz auf, als Berlin gebombt wurde. Auch ihr Ehemann Veit Harlan, Filmregisseur und Schauspieler, führte im Saal der Schlossbrauerei seine Filme vor. Und nicht vergessen soll Prinz Heinrich sein, der von 1877 bis 1890 Landrat des Kreises Guben war. Die Chaussee von Guben nach Neuzelle wurde durch ihn gebaut.
Aber auch ein Arbeitslager gab es bereits 1934 im Dorf.
Jedes Jahr treffen sich die ehemaligen Amtitzer und ihre Nachbarn aus den Dörfern Jaulitz, Jeßnitz, Laaso, Sachsdorf, Starzeddel und Wald. In diesem Jahr waren es wieder über 100. Seit zehn Jahren schreiben Joachim Faßke aus Magdeburg und Lonni Fürste aus Cottbus für ihre Dörfer Amtitz und Starzeddel eigene Zeitungen. Ein Buch über Starzeddel liegt nun auch in der Gubener „Heimatstube“ aus.