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. . . und dann kamen Zwillinge

Krayne.. Volles Haus hatte die Kraynerin Karin Bojahra an mehreren Tagen in der vergangenen Woche, zuletzt am Wochenende. Grund war ihr 50. Geburtstag. Und zu diesem kamen natürlich auch ihre drei Söhne – Kay sowie die Zwillinge Jens und Uwe. Klar, dass da auch tüchtig in den Erinnerungen gekramt wurde. Und die drehten sich besonders um den Mai 1976. (fw)

Diesen so genannten Wonnemonat werden Karin Bojahra und ihr Mann Manfred Bojahra nicht vergessen. "Da kam alles auf einmal", sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern, die in der Amtsverwaltung Schenkendöbern tätig ist. Manfred Bojahra diente damals in der Nationalen Volksarmee. Es waren traurige und freudige Ereignisse, die die Familie - drei Generationen wohnten unter einem Dach - bewegten. Am 1. Mai starb Manfreds Großmutter. Sie wurde fünf Tage später auf dem Friedhof am Ortseingang beigesetzt.
Manfred brauchte Urlaub, nicht nur ein paar Tage, sondern Jahresurlaub. Und den brauchte er wirklich. Denn es stand noch ein weiteres Familienereignis ins Haus - die Silberhochzeit seiner Eltern am 11. Mai. Doch es sollte noch turbulenter für die Bojahras werden. Manfreds Frau, war zu der Zeit schwanger und der Entbindungstermin für Ende Juni ausgerechnet worden. Ob es nun der Stress oder die ganzen Anstrengungen der letzten Tage war - Manfred musste seine Frau am frühen Morgen des Silberhochzeitstages seiner Eltern in die Klinik zur Entbindung bringen. Das war sechs Wochen früher als geplant.
Die Silberhochzeit, ohnehin nur in kleinem Kreis, musste ohne Karin stattfinden. Dafür erhielt die versammelte Familie schon am Frühstückstisch eine Nachricht, mit der keiner gerechnet hatte: Karin und Manfred, die sich so sehr ein Mädchen wünschten, waren auf einmal Eltern von Zwillingen. Innerhalb von fünf Minuten waren Jens und Uwe auf die Welt gekommen.
Die Geburt der Zwillinge überraschte die Familie. Einen zweiten Namen hatten sich Eltern nicht zurechtgelegt. Ein weiterer Stubenwagen musste beschafft werden, und Babysachen wurden auch noch gebraucht. Weil die beiden Frühchen waren, mussten sie zunächst noch in der Klinik betreut werden. Uwe, für den im Wilke-stift kein Platz war, kam nach Cottbus. Und wie das so ist bei Zwillingen: Verwechslungen sind vorprogrammiert. Sie begannen bei Jens und Uwe schon im Babyalter und sollten bis ins Erwachsenenalter anhalten.
Als die Babys aus der Klinik kamen, stellten die Eltern fest, dass sie zwei gleich lautende Sozialversicherungs- und Impfausweise hatten. Das Wilkestift und die Klinik in Cottbus hatten jeweils Uwe eingetragen. Kurzerhand ließ man einen Ausweis mit Jens überschreiben.
Während der Kindergarten- und Schulzeit waren die beiden kaum auseinander zu halten. Um die Brillen, die beide anfangs tragen mussten, nicht zu verwechseln, entschied sich Mutter Karin für eine dunklere und eine hellere.
Jens und Uwe besuchten die Schule in Grano. Und weil die Lehrer Verwechslungen fürchteten, hatten die Zwillinge keine Chance, gemeinsam auf einer Schulbank zu sitzen. Einer saß vorn und einer hinten, so konnte keine Gemeinsamkeit praktiziert werden. Zumindest nicht im Unterricht. Trotzdem verwechselten die Lehrer öfter die Namen.
Anders war es in der freien Zeit. Hier hielten die Jungs zusammen. Und wenn in den Pausen Rangeleien zu bestehen waren, half Bruder Kay, der zwei Klassen höher dieselbe Schule besuchte. Jens und Uwe hatten damals noch weitgehend gleiche Freizeitinteressen. Schwimmen und Reiten faszinierte sie.
Bis zum 27.7Lebensjahr hat sich das grundlegend geändert. Uwe arbeitet als Fachmann in der Computerbranche in der Nähe von Bonn, liebt die Geselligkeit, Sonne und Meer, während Jens, der sich gerade in einer Meisterausbildung befindet, mehr die Berge und die Einsamkeit bevorzugt. "Ich könnte nicht in einer Großstadt leben", sagt der handwerklich begabte junge Mann.
Zu Verwechslungen bei Behörden kommt es jedoch noch immer. Unerklärlich ist es, dass über einen längeren Zeitraum sämtliche Sozialabgaben von Jens für Uwe gutgeschrieben wurden und dass es ein Jahr dauerte, bis alles richtig zugeordnet war.
Zwilling sein ist eben doch nicht nur Gemeinsamkeit. Heute sehen sich die beiden zwei Mal im Jahr oder telefonieren miteinander. Ein Muss ist auf jeden Fall der Geburtstag ihrer Mutter.