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Umweltsiegel für Chemiebetrieb

Guben. Der Gubener Nylon-Granulathersteller ATT Polymers GmbH setzt auf den Umweltschutz. Seit zehn Jahren werden hier nach den Richtlinien des europäischen Öko-Managementsystems EMAS die Produktionsverfahren optimiert, Rohstoff- und Energieverbrauch minimiert. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) würdigte jetzt das "nicht selbstverständliche" Engagement. Silke Halpick

"Den Umweltschutz begreifen wir seit mehr als zehn Jahren als Chance", sagt Krzysztof Pienkowski, Geschäftsführer von ATT Polymers. Einerseits werden die Kosten für Wasser und Energie gesenkt, andererseits erhöht sich die Kundenzufriedenheit. "Mit Schulungen und Unterweisungen fördern wir das Umweltbewusstsein der Mitarbeiter", betont Pienkowski. 56 Angestellte, darunter fünf Auszubildende, hat das Unternehmen, das zur polnischen Azoty-Gruppe gehört. 65 000 Tonnen Polyamid-6-Granulat pro Jahr werden am Gubener Standort produziert.

Investiert wurde in den vergangenen Jahren vor allem in die Sanierung und Instandhaltung der Abwasseranlagen, die teilweise noch aus den 60er-Jahren stammen. Produktionsbedingte Kunststoffabfälle verarbeiten andere Abnehmer weiter. Alte energieintensive Maschinen wurden gegen neue effizientere Technik ausgetauscht.

"Der Energieeinsatz zur Produktion von Polyamid ist ein bedeutender ökonomischer und ökologischer Faktor für unser Unternehmen", betont der Geschäftsführer. Insgesamt 18,5 Gigawattstunden Strom werden jährlich verbraucht. Vor drei Jahren waren es noch 20 Gigawattstunden. Mit dem Aufbau eines Energiemanagements will das Unternehmen insbesondere in diesem Bereich noch mehr Einsparpotenzial finden.

"Wir sind in einem guten Fahrwasser angekommen", sagt Rainer Gerlach, Technischer Leiter bei ATT Polymers. Kritisch sieht er allerdings die Diskussion zur Abschaffung der Vergünstigungen für energieintensive Betriebe im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). "Wir zahlen schon heute einen fünfstelligen EEG-Beitrag", betont er. Wenn die aktuelle Regelung kippt, muss ATT Polymers rund 3,1 Millionen Euro jährlich aufbringen. Damit wäre der Gubener Standort akut in Gefahr. "Die Energiepreise in Polen liegen bei der Hälfte", begründet Gerlach.

IHK-Geschäftsführer Jens Krause bezeichnet das langjährige Umweltengagement des Unternehmens als "nicht selbstverständlich". "Es wurde viel Energie in den Öko-Audit investiert", sagt er. Mit dem weltweit führenden Umweltzeichen sind auch der Chemieriese BASF in Schwarzheide und Neißeverkehr in Guben zertifiziert.