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Überfahrene Äpfel bringen zündende Geschäftsidee

Daisy Gräfin von Arnim (r.) hatte jede Menge Apfeldelikatessen aus eigener Produktion im Gepäck. Die Gubener zeigten sich kauffreudig.
Daisy Gräfin von Arnim (r.) hatte jede Menge Apfeldelikatessen aus eigener Produktion im Gepäck. Die Gubener zeigten sich kauffreudig. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Daisy Gräfin von Arnim hat am Donnerstagabend in der Gubener Stadtbibliothek aus ihrer Biografie gelesen. Etwas mehr als 20 Neugierige fanden sich dazu in der Bücherei ein. Einige kannten die Gräfin, andere waren neugierig, was sie zum Thema Apfel zu erzählen hatte. Jana Pozar / zar1

Die "Apfelkönigin" aus der Uckermark hat zur Neißestadt eine besondere Beziehung. Nicht nur, weil sie schon mehrmals mit ihren Produkten beim Gubener Appelfest war. Gerade die süße, saftige Paradiesfrucht verbindet die Gräfin mit Guben. Schließlich ist Guben eine alte Apfelstadt. Kein Wunder, dass Matthias Berndt aus Kerkwitz wissen wollte: "Verarbeiten sie auch den Warraschke?" Das verneinte Daisy Gräfin von Arnim leider. Doch sie versicherte, dass all ihre Produkte - von Brotaufstrich, schokolierten Früchten bis hin zu Gebäck - mit den besten Äpfeln hergestellt werden.

Bereits als junges Mädchen hatte die ausgebildete Bibliothekarin ihr Verkaufstalent entdeckt - im Zoo ihres Vaters. Sie führte die Besucher durch den Tierpark und versuchte, Pfauenfedern zu verkaufen. Viele Jahre später, vor 20 Jahren, kamen sie und ihr Mann Michael Graf von Arnim, einem Nachfahren der Schriftstellerin Bettina von Arnim, in die Uckermark. Weil die Familie die einstigen Ländereien ihrer Vorfahren nicht zurückbekam, zogen sie ins Gutshaus Lichtenhain, das zum Schloss Boitzenburg gehörte.

Die Gräfin suchte nach einer neuen Aufgabe. "Ich wollte erst Gänse züchten. Bis ich zum Kapitel des Schlachtens kam", erzählte die Mittfünfzigerin nachdenklich. Eines Tages fuhr sie mit dem Auto einen Feldweg entlang. Der Weg war gesäumt von zahlreichen Apfelbäumen. Deren Früchte knackten unter ihren Autoreifen. "Das Geräusch inspirierte mich. Die Idee, etwas mit Äpfeln zu machen, war geboren. Und mein Mann fand es toll", blickte die Gräfin lachend zurück. So entstand das Unternehmen "Haus Lichtenhain", eine Apfelmosterei, die zudem jede Menge Apfeldelikatessen herstellt. "Ich brauchte mein Glück nur aufzuheben und konnte dadurch zwei Dinge vereinen. Sie hatte endlich eine sinnvolle Beschäftigung und schaffte außerdem Arbeitsplätze für Frauen. "Ich habe nie gedacht, dass mein Leben durch diese Arbeit eine solche Erfüllung bekommt. Schließlich wollte ich immer sechs Kinder und eine große Küche", gab sie zu.

Daisy Gräfin von Arnim hatte eine besondere Botschaft für die Gubener im Gepäck. "Seid mutig, habt Ideen." Sie betrachtete die Lesung in der Neißestadt als eine Art Mutmachen. In der Lausitz gebe es dieselben Problem wie in der Uckermark - die Arbeitslosigkeit ist hoch. "Ich habe eigentlich mit null Wissen angefangen. Das können die Gubener auch", versicherte sie. Manchmal seien es eben die kleinen Dinge, wie die "Äppel", die einem Mut geben und zum Erfolg führen.