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Über Grenzen und Generationen

Guben und Gubin liegen Irmgard Schneider am Herzen – vor allem die Zukunft der Doppelstadt an der Neiße.
Guben und Gubin liegen Irmgard Schneider am Herzen – vor allem die Zukunft der Doppelstadt an der Neiße. FOTO: zar1
Guben/Potsdam. Es wäre Zeit für Irmgard Schneider, sich einmal ordentlich auf die Schulter zu klopfen. Seit Donnerstag ist die Gubenerin eine der wenigen Brandenburger, die mit der höchsten Ehrung der Landesregierung ausgezeichnet wurden – dem Brandenburgischen Landesverdienstorden. Daniel Schauff

Vielleicht ist sie ein bisschen stolz - das sagt sie aber nicht. Sie sei sehr geehrt, das gibt sie zu, allerdings nur, um gleich darauf zu betonen, dass "keine einsame Aktivität ohne ein Team gelingt".

Möglich, dass genau das den Gubener Seniorenbeirat dazu bewogen hat, die 84-Jährige für den Orden vorzuschlagen. Ihre Bescheidenheit, zumindest dann, wenn es um ihre eigene Person geht. Irmgard Schneider ist vieles wichtig - die Verständigung dies- und jenseits der Neiße etwa und die einst so verlockende Kulturlandschaft am östlichen Neißeufer. Irgendwann, so das Ziel des Fördervereins zur Wiederherstellung der Kulturlandschaft Gubiner Berge, sollen über den Dächern Gubins und Gubens wieder Äpfel in rauen Mengen wachsen, Besucher sollen auf angelegten Wegen auf dem Rad oder zu Fuß die Landschaft und den schönsten Blick auf die Doppelstadt an der Neiße genießen können. Ein langwieriges Ziel, betonte erst kürzlich der amtierende Gubener Bürgermeister Fred Mahro, aber ein edles. Dass die Gubiner Berge nicht schon morgen wieder so sein werden, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg einst waren, weiß auch Irmgard Schneider. Als Vorstandsmitglied des Fördervereins aber will sie die ersten Gehplatten auf den Weg hin zum Ziel legen.

Man könnte meinen, damit wären die Ehrenamtskapazitäten von Irmgard Schneider ausgeschöpft. Wäre da nicht ihr Engagement für den Klimaschutz. Als Vorsitzende des Vereins "Pro Guben" kümmert sie sich im Auftrag der Stadt um die Umsetzung des umweltpolitischen Aktionsprogramms Agenda 21 und dokumentiert akribisch, wie viel klimaschädliches Treibhausgas durch den Einsatz erneuerbarer Energien eingespart wird. 38 Partner hat der Verein mittlerweile. "Von der 50-Prozent-CO-Minderung sind wir im Jahr 2017 nicht mehr weit entfernt", sagt Irmgard Schneider. Schon 2015 berichtete sie in der RUNDSCHAU, dass bereits 43 Prozent des CO-Ausstoßes im Vergleich zum Jahr 2000 eingespart werden konnten.

Die Hochwassergefahr, die Arbeitslosigkeit, der Stadtumbau - die Themenliste, die Irmgard Schneider und den Verein Pro Guben sowie den Förderverein Gubiner Berge umtreibt, bleibt auch nach zahlreichen erreichten Zielen noch lang. Auch für eine geplante Wiedererrichtung der Villa Wolf auf der Gubiner Neißeseite sowie den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche wolle sie sich mit ihren Vereinskollegen einsetzen, betont Irmgard Schneider in ihrer Dankesrede. Was das alles mit ihr als Vorschlag des Seniorenbeirats für den Verdienstorden zu tun habe? "Für die nächsten Generationen müssen solche Vorbereitungen sorgfältig getroffen werden", sagt Irmgard Schneider, die - weil die Ehrenamtstätigkeiten-Liste noch nicht lang genug ist, seit einigen Monaten auch als Stadtverordnete über die Zukunft Gubens mitentscheidet. Vielleicht ist es doch an der Zeit, sich einmal kräftig auf die Schulter zu klopfen?

Zum Thema:
Keine Auszeichnung des Landes Brandenburg ist höher als der Landesverdienstorden. Verliehen wird er anlässlich des Verfassungstages des Landes am 14. Juni. Formell können der Präsident des Landtages für den Landtag und die Mitglieder der Landesregierung für ihre Geschäftsbereiche Personen aus Brandenburg für den Orden vorschlagen. Anregungen kann darüber hinaus allerdings jeder geben. Der diesjährige Landesverdienstorden ist der 13. in der Geschichte der Auszeichnung und wurde Donnerstagmittag in Potsdam an insgesamt 15 Personen verliehen.