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| 16:18 Uhr

Kurzarbeit wegen Nachfragetief
Trevira: Mahro kritisiert das Land

 Bei Trevira heißt es seit Mai: Kurzarbeit. Zwar kann weder Stadt noch Land die Wirtschaft beeinflussen, trotzdem sieht Gubens Bürgermeister Fred Mahro die Landesregierung in der Pflicht.
Bei Trevira heißt es seit Mai: Kurzarbeit. Zwar kann weder Stadt noch Land die Wirtschaft beeinflussen, trotzdem sieht Gubens Bürgermeister Fred Mahro die Landesregierung in der Pflicht. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Guben. Der angeschlagene Chemiefaserhersteller Trevira aus Guben setzt seit Mai 2019 auf Kurzarbeit. Bürgermeister Fred Mahro sieht da auch das Land in der Pflicht. Er fordert ein Bekenntnis zum Standort. Von Daniel Schauff

Seit Mai gilt bei Trevira im Gubener Industriegebiet Süd: Kurzarbeit. Im Juli hat das Unternehmen die Maßnahme noch einmal verlängert. Die Konjunktur habe sich verschlechtert, die Auftragslage gehe zurück, hieß es vonseiten des Chemiefaserherstellers. Die Kurzarbeit sei nötig, um weiteren Lageraufbau zu vermeiden.

Mit knapp 600 Mitarbeitern ist Trevira der größte Arbeitgeber Gubens. Die Situation am Standort war in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung Anlass für eine persönliche Erklärung von Bürgermeister Fred Mahro (CDU) gegenüber der Landesregierung: „Als Stadt Guben stehen wir zu der Verantwortung für die Beschäftigten in unserm größten Industriegebiet. Ich erwarte dieses Bekenntnis auch von Seiten der Vertreter des Landes Brandenburg.“

Gubens Bürgermeister erwartet Unterstützung vom Land

Der Gubener Bürgermeister wirft einen Blick nach Cottbus: „Als knapp 400 Arbeitsplätze im Bahninstandhaltungswerk in Cottbus im Frühjahr bedroht waren, gab es sofort einen breiten politischen Konsens zur Unterstützung. In den Medien würde am 5. Juni sogar verkündet, dass zusätzlich in einem ersten Schritt rund 200 Fachleute neu eingestellt werden sollen. Wenn das in Cottbus geht, frage ich: Wo bleibt die Unterstützung für Guben?“

Mahro erinnert an den kürzlichen Besuch von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Infrastrukturministerin Katrin Schneider (SPD). Derartige Besuche empfinde er als Ausdruck einer Wertigkeit als Mittelzentrum und auch als eine Würdigung der Leistungen der Menschen in Guben. Aber: Selbst die Übergabe von Fördermittelbescheiden in siebenstelliger Höhe könne an der Situation bei Trevira nichts ändern.

Guben habe sich immer den Anforderungen der Landesregierung untergeordnet. „Wir werden immer wieder als positives Beispiel für die Völkerverständigung von Deutschen und Polen durch die Mitglieder der Landesregierung genannt“, so Mahro und ergänzt: „Wir sind einer der aktivsten Partner in der Arbeit der Lausitzrunde und haben bisher akzeptiert, dass Frankfurt (Oder) im Norden und Spremberg im Süden als Regionale Wachstumskerne etabliert werden.“

Mahro schreibt ans Wirtschaftsminsterium

Mahro schlägt den Bogen zur Hygienepapierfabrik, ohne sie deutlich zu nennen: „Mehr als bedauerlich ist deshalb für mich die Tatsache, dass eine für unser Industriegebiet wichtige Ansiedlung nach mehr als fünf Jahren bisher nicht zum Tragen gekommen ist. Die Gründe dafür nur auf der Seite des Investors zu suchen halte ich für falsch.“

In einem Schreiben hatte Gubens Verwaltungschef seinem Ärger gegenüber Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) Luft gemacht. Die Landesregierung weist Mahros Kritik zurück. In seiner Antwort schreibt Staatssekretär Henrik Fischer: „Ihre Sorge um die Zukunft des Unternehmens Trevira nehme ich ernst.“ Nach seiner Einschätzung handele es sich im vorliegenden Fall allerdings nicht um strukturelle Unternehmensprobleme. Den Weg der Kurzarbeit zu wählen sei im aktuellen Fall richtig. „Bei weitergehendem Unterstützungsbedarf steht dem Unternehmen sowohl die ILB (Investitionsbank des Landes Brandenburg) als auch das MWE (Ministerium für Wirtschaft und Energie) gerne zur Erläuterung weiterer möglicher Unterstützungshilfen des Landes zur Verfügung“, so Fischer. Er habe das Schreiben Mahros zum Anlass genommen und die Geschäftsführung der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes gebeten, den bestehenden Kontakt mit Trevira aufzugreifen, um eventuelle Unterstützungsmöglichkeiten des Landes zu sondieren, erklärt Fischer.