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Traumnoten für Schulküche

Elementary Pupils Enjoying Healthy Lunch In Cafeteria
Elementary Pupils Enjoying Healthy Lunch In Cafeteria FOTO: © Monkey Business - Fotolia.com
Guben. "Das überrascht mich wirklich", sagt Kerstin Steidel. Ein Lächeln zeigt sich auf ihrem Gesicht. Die neue Betreiberin des Citytreffs in Guben beliefert bereits seit mehr als 13 Jahren die Grundschule und die beiden Kinderhäuser der Gemeinde Schenkendöbern mit warmem Mittagessen. Silke Halpick

Gekocht wird allerdings seit Kurzem in Guben, weil Steidel den neuen Pachtvertrag für die gemeindeeigene Immobilie direkt neben der Grundschule nicht unterschreiben wollte.

Die Ablehnung hatte für große Verstimmung in der 3000-Einwohner-Gemeinde gesorgt. Letztlich wurde sogar über die Kündigung des Vertrages zur Mittagsversorgung debattiert. "Die Küche direkt an der Schule war ein Alleinstellungsmerkmal, das wir verloren haben", sagt Bürgermeister Peter Jeschke (CDU). Nun hat sich aber die große Mehrzahl der Gemeindevertreter am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung trotzdem für die Verlängerung des Vertrages mit Kerstin Steidel entschieden, wie Jeschke bestätigt.

Ausschlaggebend für das klare Votum der Abgeordneten war auch das Ergebnis einer Umfrage unter den Essensteilnehmern, wie der Bürgermeister einräumt. Demnach sind 73 Prozent mit der Küche sehr zufrieden, 22 Prozent bescheinigen ihr Mittelmaß, lediglich fünf Prozent zeigen sich unzufrieden. Unter den insgesamt 120 Umfrageteilnehmern sind 20 Nichtesser. Als Hauptablehnungsgrund (zehnmal) wird angegeben, dass zu Hause gegessen wird, zweimal ist das Essen zu teuer, zweimal schmeckt es nicht.

"Das ist schon eine historische Kennzahl", sagt Gemeindevertreter Steffen Krautz (SPD) gegenüber der RUNDSCHAU. Nur zwei von insgesamt 120 Schülern verzichten auf die Mittagsversorgung, weil es ihnen nicht schmeckt. "Das ist auch ein Riesenlob für das Küchenteam", findet der Kerkwitzer.

Der Fragebogen orientiert sich am Speiseplan-Check der Kampagne "Macht Dampf - Für gutes Essen in Kita und Schule" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Hier wird geprüft, ob das Angebot dem Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht, ob die Verpflegung ausgewogen ist und auch ausreichend Obst und Gemüse auf den Tisch kommt. "Für den Fragenkatalog haben alle Fraktionen Zuarbeiten geleistet", sagt Bürgermeister Jeschke.

Mehr Salat, Obst, Reis, Nudeln, Fisch wünschen sich die Granoer Schüler auf dem Teller. "Das sind auch die Grundkomponenten nach DEG-Standard", betont Krautz. Er ist erstaunt darüber, dass offensichtlich die Schüler ganz genau wissen, wie gesunde Ernährung funktioniert. Auch Experten weisen immer wieder darauf hin, dass es an deutschen Schulen noch immer zu wenig Rohkost und Seefisch, dafür aber zu häufig Fleisch gibt.

Das hervorragende Abschneiden der Granoer Schulküche hat Bürgermeister Jeschke selbst überrascht. "Im Vorfeld hatte es kritische Töne aus Richtung der Schüler und Eltern gegeben", sagt er. Er wertet das Ergebnis als "Momentaufnahme". Mit der Betreiberin der Schulküche will die Gemeinde nun auch eine Zusatzvereinbarung abschließen, um die Qualität in den kritisierten Bereichen noch zu erhöhen.

Kerstin Steidel freut sich über die Vertragsverlängerung. "Ansonsten hätte ich einen meiner drei Mitarbeiter kündigen müssen", sagt sie. Der Vertragslaufzeit beträgt ein Jahr. Die Vereinbarung kann aber immer wieder stillschweigend verlängert werden.