Der Groß Drewitzer Martin Wonde sammelt Landmaschinen, bringt alte Ackergeräte wieder auf Vordermann und zeigt Interessierten, was vor Jahrzehnten so über die Felder in der Region rumpelte. "Ich bin auf dem Land groß geworden", sagt Martin Wonde, der Landmaschinen- und Traktorenschlosser gelernt hat. Da gab es die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) noch und eine Menge zu schrauben an hoch beanspruchten Traktoren, Mähdreschern und anderen landwirtschaftlichen Geräten. "Das war keine Wegwerfgesellschaft", erinnert sich Wonde und stellt fest: "Heute wird weggeschmissen und neu angeschafft, egal was es kostet." Das war noch nie sein Ding. Der versierte Tüftler hat schon immer überlegt, wie man mit einfachen Mitteln zu brauchbarer Landtechnik kommt und diese einsatzfähig halten kann. Und weil es für den kleinen Acker hinter dem Haus keine geeignete n Maschinen gab, entstanden bald die skurrilsten Eigenbautraktoren. Alte Achsen, ausrangierte Trabimotoren und andere vorsorglich aufgehobene Fahrzeugteile bildeten oft die Grundlage für die bescheidenen "Erntehelfer" ohne Betriebserlaubnis, derweil große Mähdrescher und leistungsstarke Traktoren auf den Feldern der LPG für Aufsehen sorgten.
Der Meinung Wondes, dass man nicht alles in den Schrott hauen kann, folgten Taten. "Landmaschinen, die jahrelang ihren Dienst getan haben, sollen heute noch laufen und gut aussehen", ist sein Motiv, sich der Aufarbeitung von Erntetechnik zu widmen.
Sein Engagement hat die ganze Familie angesteckt. Die Söhne Jörg und Guido sind ebenfalls mit von der Partie, wenn ein Normag-Traktor, Baujahr 1940, wieder wie neu aussehen oder ein Volldiesel-Buldog mit Starter und fast 50 Jahren auf den Rädern zum Laufen gebracht werden sollen. Doch auch kleinere Sachen interessieren Martin Wonde, und so hat er einen alten Mähbinder der Firma Krupp wieder einsatzfähig gemacht. Das Baujahr kennt Wonde nicht und meint nur schmunzelnd, "der ist etwas älter, funktioniert aber noch".
Überhaupt schraubt Martin Wonde nicht nur für sich allein an den Ackergeräten. Wenn sich jemand für seine Technik interessiert, dann gibt er gern Auskunft über die Historie und natürlich über manch handwerkliche Kniffe bei der Aufarbeitung.
Das Interesse ist immer dann groß, wenn Martin Wonde mit seiner Technik bei Volksfesten präsent ist. Die Gäste des Groß Drewitzer Erntefestes staunen stets über den blitzenden grünen Normag mit dem Leiterwagen, auf dem die Erntekrone transportiert wird. Ja selbst die Cottbuser oder vor einigen Monaten die Besucher des 1. Brandenburger Dorf- und Erntefestes in Neuzelle hatten Gelegenheit, ehrwürdige Erntetechnik aus Groß Drewitz anzuschauen.
Für einiges Aufsehen sorgt immer der Mähdrescher Claas-Europa, den Wonde vor drei Jahren in der Dresdener Region aufgespürt hat. Das Gerät, Baujahr 1961, mit einer Schnittfläche von zwei Metern sieht heute wieder aus wie neu und ist einsatzfähig, erklärt Wonde mit strahlenden Augen und präsentiert eine Reihe von Fotos als Beweis mit dem Zusatz, dass er jetzt etwas kürzer treten will.
Doch das ist wohl nicht ganz ernst gemeint. Schließlich liegt in seiner Werkstatt noch ein Traktor namens „Brockenhexe“ , und zwar in Einzelteile zerlegt. In den nächsten Monaten soll das Gefährt restauriert und fahrtauglich gemacht werden. "Den werden wir noch auf die Beine kriegen", widerlegt Wonde seine Ankündigung vom Kürzertreten. Beim nächsten Erntefest ist die „Brockenhexe“ bestimmt zu sehen. Dann sitzt vielleicht Ehefrau Waltraud, wie schon so oft, hinter dem Lenkrad und ist stolz auf ihren Mann.

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