Bei jeder Rettungsfahrt geht es um Sekunden. Was viele jedoch gar nicht wissen: Jedes Jahr geschieht auf den Rettungsfahrten zum Unfallort eine nicht unbedeutende Anzahl von Unfällen.
Erika Göpfert, Kreisverantwortliche für die Rettungswachen, erklärt: „Wir hatten jedes Jahr zwischen acht und zehn Unfälle auf dem Weg zum eigentlichen Unfallort. Die Hauptursache war dabei meist das falsche Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer. Wir mussten uns etwas einfallen lassen.“

Unter Hochleistungsdruck
Ein Rettungswagenfahrer steht auf jeder Fahrt unter Hochleistungsdruck. Bei jeder Witterung heißt es, so schnell wie möglich zum Unfallort zu kommen, denn schon Sekunden können über Leben und Tod entscheiden.
Um endlich den erhöhten Unfallzahlen entgegenzuwirken, wandte sich Erika Göpfert an Günther Kradel und seinen Kollegen Jochen Rössler. Die beiden Fahrschullehrer führen seit Jahren Sicherheitstrainings des Deutschen Verkehrssicherheitsrates durch. Bereits zum zweiten Mal veranstalteten sie vor kurzem auf dem Gelände des stillgelegten Flugplatzes in Preschen ein Sicherheitstraining mit den Rettungswagenfahrern der Rettungswachen des Kreises.
„Wir bieten eine Kombination aus Theorietraining und einem praktischen Parcours, den es in verschiedenen Geschwindigkeiten zu absolvieren gilt“ , erklärt Günther Kradel. Vor allem der Parcours hatte es in sich. Auf den ausgedienten Rollbahnen wurden mit Hilfe von Wasser oder Fett schwierige Witterungsbedingungen simuliert. Außerdem mussten die Fahrer einen Kegelparcours absolvieren.
Ziel ist es, die Fahrer auf Extremsituationen vorzubereiten. Wie verhalte ich mich, wenn ein anderer Autofahrer das Durchfahrtsrecht für Krankenwagen missachtet„ Welche Höchstgeschwindigkeit darf ich fahren, wenn die Straßen vereist sind und ich trotzdem so schnell wie möglich am Unfallort sein muss“ Das sind die Fragen, auf die Jochen Rössler und Günther Kradel Antworten geben wollen.

Überraschende Ergebnisse
Am Ende des Trainingstages sind die Fahrer natürlich erschöpft, und nicht wenige sind sichtlich über die Ergebnisse überrascht. Wer vorher geglaubt hat, die Übungen spielend meistern zu können, ist eines Besseren belehrt worden. Jochen Rössler und Günther Kradel sind zufrieden. „Unser Training ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit“ , betonen sie. „Und die sinkenden Unfallzahlen auf Rettungsfahrten geben uns Recht.“
Tatsächlich haben sich die Zahlen nahezu halbiert. Darum steht es für Erika Göpfert bereits jetzt schon fest: Sie will an den regelmäßigen Sicherheitstrainings festhalten.
Doch nicht nur Engel trainieren auf dem alten Preschener Flugplatz. Auch die Fahrer der Post und viele Privatpersonen nutzen das Angebot des Fahr trainings- und Ausbildungszentrums, das mittlerweile größter Umsetzer für Nutzfahrzeugprogramme in Deutschland ist.