ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:27 Uhr

Touristenstützpunkt am Deulowitzer See
Verkauf nur mit Konzept?

 Bernd (l.) und Frank Retzlaff haben  den Touristenstützpunkt als Feriencamp bekannt gemacht. Im September ist Schluss.
Bernd (l.) und Frank Retzlaff haben den Touristenstützpunkt als Feriencamp bekannt gemacht. Im September ist Schluss. FOTO: Daniel Schauff
Atterwasch/Guben. Die Linke will vom Käufer des Touristenstützpunkts ein Nutzungskonzept – die Verwaltung nicht. Und das hat laut Stadtkämmerer Björn Konetzke gute Gründe. Von Daniel Schauff

Eins ist klar – beim Kaufpreis bleibt es nicht.

Der Touristenstützpunkt am Deulowitzer See ist in einem verheerenden Zustand. Von den zwölf Bungalows auf dem Gelände können nur noch fünf genutzt werden, die übrigen müssen abgerissen werden.

„Von Seiten des Betreibers wurden in den vergangenen Jahren kleinere Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen an den Gebäuden durchgeführt. Größere Maßnahmen wurden seit Jahren nicht mehr durchgeführt, so dass ein erheblicher Investitionsrückstau am Gesamtobjekt besteht“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, die am Mittwoch im Gubener Haushaltsausschuss eifrig diskutiert wurde.

Die Stadt will das Areal verkaufen. Der jetzige Betreiber, Frank Retzlaff, hat angekündigt, den Ende September auslaufenden Betriebsführungsvertrag nicht verlängern zu wollen. Seit 2013 betreibt Retzlaff die „Ferieninitiative Grenzenlos“ – im September aber ist Schluss. Persönliche Gründe seien es, sagt Bürgermeister Fred Mahro (CDU) im Ausschuss.

Es ist nicht der erste Versuch, den Touristenstützpunkt an den Mann zu bekommen. 2017 hatte die Verwaltung bereits eine entsprechende Beschlussvorlage in die Stadtverordnetenversammlung gebracht, war aber am Votum der Stadtverordneten gescheitert. Damals zur Freude von Frank Retzlaff, der noch keine Pläne hatte, Atterwasch zu verlassen.

Das Blatt hat sich jetzt gewendet, und dass die Stadt nicht in der Lage sein wird, den Touristenstützpunkt mit eigenem Geld zu bewirtschaften, steht im Stadtparlament außer Frage. Aber: Die Linke-Fraktion will vom Käufer ein Nutzungskonzept sehen. Das betont Gerhard Lehmann im Haushaltsausschuss und bringt damit Stadtkämmerer Björn Konetzke dazu, ungewöhnlich deutlich zu werden.

Bei dem Investitionsstau von einem potenziellen Käufer auch noch ein Nutzungskonzept zu verlangen, ist seiner Meinung nach ein klares K.o.-Kriterium für einen Verkauf. Immerhin – 118 000 Euro ist das Areal laut eines Gutachtens von Anfang 2017 wert. Wie viel die Stadt jetzt als Verkehrswert angeben kann, hängt von einem neuen Gutachten ab, das möglichst schnell nach einem Beschluss der Stadtverordneten entstehen soll. Die Stadt will meistbietend verkaufen.

Es gehe vor allem um Zeit, sagt Konetzke. Melde sich auf eine Ausschreibung, die ein Nutzungskonzept verlangt, keiner, müsse neu ausgeschrieben werden. Die Folge: Auf dem Areal passiert weiter nichts, der Zustand wird noch desaströser. Für einen möglichst schnellen Verkauf spricht sich auch Christiane Fritzschka (CDU) aus – aus denselben Gründen.

Parallel, sagt Mahro, habe er Kontakt zum Gemeinnützigen Berufsbildungsverein (GBV) aufgenommen, ebenso zu Schenkendöberns Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) und der Peitzer Amtsdirektorin Elvira Hölzner (parteilos). Das Ziel: Möglichkeiten ausloten, ob nicht der GBV oder die drei Kommunen im Verband Möglichkeiten finden, den Touristenstützpunkt für ihre Zwecke zu nutzen. Rückmeldungen stünden aber von allen noch aus, so Mahro.

Finde sich eine Möglichkeit, sei eine Ausschreibung nicht mehr nötig, trotzdem sei es wichtig, dass der Verkauf jetzt beschlossen werde, so Konetzke. Nur so könne zu langer Leerstand vermieden werden.

Gerade erst hat die Stadt noch Geld in den Touristenstützpunkt gesteckt: 12 600 Euro wurden im Januar für eine neue Heizungsanlage fällig – eine Reparatur der alten war nicht mehr möglich, weil es für die Anlage keine Ersatzteile mehr gab.