ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:14 Uhr

Mord? Totschlag? Körperverletzung mit Todesfolge?
Todesfall bleibt Stadtgespräch in Guben

 Lange standen Ermittler vor dem Haus in der Friedrich-Schiller-Straße – die Polizei hat sich mit Informationen jedoch bis Freitagabend völlig zurückgehalten.
Lange standen Ermittler vor dem Haus in der Friedrich-Schiller-Straße – die Polizei hat sich mit Informationen jedoch bis Freitagabend völlig zurückgehalten. FOTO: LR / Engelhardt
Guben. Eine Leiche in eine Decke eingehüllt, spärliche Infromationen der Polizei. Eine Festnahme. Jetzt brodelt die Gerüchteküche in der Stadt. Von Daniel Schauff

Eigentlich geht es schnell – eine Nachricht, eine Straftat, ein Toter – und kurz darauf häufen sich die Kommentare angeblicher oder echter Augenzeugen im Netz. „Ich habe gesehen, wie ...“, „Ich glaube, ich weiß, wer ...“ – Auffallend ruhig aber bleibt es nach der Schreckensnachricht von Freitag. Eine Leiche, eingewickelt in eine Decke, in einer Küche einer Gubener Wohnung. Eine Festnahme, ein 50-Jähriger, offenbar der Mieter der Wohnung in der Friedrich-Schiller-Straße wenige Meter vom Kaufland entfernt.

Bei Facebook sind es vor allem Beileidsbekundungen an die Hinterbliebenen. Der junge Mann, das Opfer, war nach LR-Informationen ein Gubener. Über sein Alter gibt es unterschiedliche Aussagen, die zwischen 34 und 38 Jahren liegen. Konkrete Angaben der Polizei zum Opfer gab es nicht, sie vermeldete am Freitagabend nur Ermittlungen aufgrund eines Kapitaldelikts. Die Staatsanwaltschaft Cottbus war da deutlicher, bestätigte den gewaltsamen Tod eines jungen Mannes. Und die Auffindsituation. Dennoch bleiben Fragen – bei Gubenern, bei LR-Lesern: Was genau war vorgefallen?

Klar ist: Spätestens seit Mittwochmorgen brodelt die Gerüchteküche. Polizeiwagen hatten sich vor dem Tatort versammelt, zunächst einfache, dann Fahrzeuge der Kripo aus Cottbus. Augenzeugen berichten von einem Einsatz von Spürhunden und Befragungen der Nachbarn – die Polizei hielt sich selbst am Freitag noch bedeckt, vermeldete das Kapitaldelikt erst, nachdem die LR den Fall nach Bestätigung durch die Staatsanwaltschaft publik gemacht hatte.

„Abartige Menschheit, einfach nur schrecklich“, fasst eine LR-Online-Leserin ihre Reaktion auf die Tat auf der Facebook-Seite der LAUSITZER RUNDSCHAU zusammen. Ein Leser vermutet nur Spekulationen, trotz der Aussage der Staatsanwaltschaft, bezieht sich auf die raren Informationen seitens der Polizei.

Wie die Staatsanwaltschaft jedoch bestätigt, wird nun mit Hochdruck ermittelt – wegen Mordes, Totschlags und Körperverletzung mit Todesfolge. Nach RUNDSCHAU-Recherchen hat der 50-jährige Verdächtige angegeben, das Opfer gekannt und auf der Straße Silvester feiern gesehen zu haben. Nachbarn wiederum können sich nicht an eine Gruppe von Personen erinnern, die in der Nacht dort gefeiert hätten. Wie der junge Mann jedoch zu Tode gekommen und in seine Wohnung gelangt sei, könne er sich nicht erklären. Entdeckt hatte ihn ein Bekannter des Bewohners, der offenbar ein Fernsehgerät bei dem Verdächtigen abholen wollte. Die Polizei spricht von einem Einsatz seit Mittwochmittag, Augenzeugen haben jedoch die Polizeiautos bereits am Morgen vor dem Haus gesehen. Die Tat soll bereits in der Neujahrsnacht geschehen sein.

Das Interesse am Fall ist groß – allein der Beitrag auf der Facebook-Seite der RUNDSCHAU wurde über 100-mal geteilt. Erinnerungen an den August 2017 werden wach. Damals hatte ein 42-jähriger Gubener in einer Wohnung in der Frankfurter Straße seine Mutter mit mehreren Messerstichen getötet. Nachbarn hatten den lauten Streit zwischen Mutter und Sohn mitbekommen, die Polizei gerufen. Als die die Tür zur Wohnung aufbrach, fand sie Täter und blutüberströmtes Opfer im Badezimmer. Einige Monate später wird er verurteilt, muss aber nicht in Haft. Schuldunfähig sei der Täter – die Folge: die Einweisung in eine psychiatrische Klinik auf unbestimmte Zeit. Die Polizei hatte den Fall schnell vermeldet, Angaben zum Opfer und zum Tatverdächtigen gemacht. Auch damals hielten die Ermittlungen die Stadt in Atem, auch, weil die Familie vielen Gubenern gut bekannt war.

Wann mehr Hintergründe für die mutmaßliche Gewalttat zu diesem Jahresstart in Guben ans Licht kommen, ist unklar. Noch laufen die Ermittlungen der Polizei, erst dann wird die Staatsanwaltschaft über die Anklage entscheiden und erst danach das Gericht einen Termin ansetzen. Das kann dauern. Im Fall vom August 2017 startete der Prozess vor dem Cottbuser Landgericht im März 2018.