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| 15:21 Uhr

Aktionstag „Verzockt – und dann..?“
Wenn aus Spiel Ernst wird

Wenn nichts mehr zählt außer zocken: Zum Aktionstag bietet der Tannenhof Berlin-Brandenburg einen anonyme Beratung.
Wenn nichts mehr zählt außer zocken: Zum Aktionstag bietet der Tannenhof Berlin-Brandenburg einen anonyme Beratung. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Guben/Spree-Neiße. Teufelskreis Spielsucht: Viertausend Betroffene in Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Cottbus. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Sie treibt Menschen in den Ruin und manchmal auch in den Tod: die Spielsucht. Nach offiziellen Schätzungen sind in den Landkreisen Spree-Neiße und Dahme-Spreewald sowie der Stadt Cottbus bis zu viertausend Menschen süchtig nach Online-Games, Automatenspielen oder auch Wetten. Die meisten davon sind Männer. Sie zeigen dieselben Symptome wie bei einer Drogenabhängigkeit. Zum heutigen Aktionstag „Verzockt – und dann..?“ soll für die Krankheit sensibilisiert werden.

„In Guben haben wir aktuell einen Fall von einer substanzunabhängigen Verhaltenssucht in Form von Spielsucht in der ambulanten Nachsorge“, erzählt Marion Swietza, die Leiterin vom Immanuel Suchthilfeverbund Guben. Generell sei die Spielsucht in der Neißestadt aber ein nachrangiges Problem. Die stofflichen Abhängigkeiten durch Alkohol, Crystal Meth oder Cannabis würden überwiegen.

Da die Spielsucht als Hauptmotivation die Suche nach Spaß, Spannung und Unterhaltung hat und durch das Internet oft in den privaten vier Wänden stattfindet, soll die Dunkelziffer laut Schätzungen deutlich höher liegen. Davon geht auch Marion Swietza aus: „Daher finde ich es gut, dass es diesen Aktionstag gibt. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere angesprochen und wird aktiv.“ Viele Betroffene würde sich lange ihre Sucht nicht eingestehen.

Leiterin Marion Swietza und Suchtberaterin Dorren Rothe.
Leiterin Marion Swietza und Suchtberaterin Dorren Rothe. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler

„Von einer Spielsucht spricht man, wenn das Spiel den gesamten Alltag und das gesamte Denken bestimmt“, erklärt Marion Swietza. Spielsüchtige Personen kommen einfach nicht vom Spielen los, sie verlieren die Kontrolle: „Damit beginnt eine Suchtspirale.“ Spielen hat dabei eine ähnliche Wirkung wie die Einnahme von Amphetaminen oder Kokain. „Betroffene brauchen die Freude und Erregung“, sagt Marion Swietza. „Sie werden süchtig nach diesem Hochgefühl“. Mit der Zeit tritt ein Gewöhnungseffekt ein: „Das Hochgefühl lässt nach und Betroffene müssen das Spielverhalten steigern.“ Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. „Sind die eigenen finanziellen Mittel erschöpft, fangen Betroffene an, sich Geld von Freunden und Familien zu leihen“, sagt Marion Swietza. Dadurch geraten sie unter weiteren Druck und so wird mit einer höheren Risikostufe gespielt. „Viele rutschen dann wie bei anderen Drogen in die Beschaffungskriminalität ab“, so die Leiterin weiter. Wenn die finanziellen Mittel zum Spielen fehlen, versucht der Betroffene sich diese zu beschaffen und spielt immer weiter und exzessiver. Wenn er sein Bedürfnis nach dem Spielen nicht ausreichend befriedigen kann, kommt es zu entzugsähnlichen Symptomen, wie zum Beispiel Reizbarkeit und innere Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen, Depressionen, Schweißausbrüche sowie Magen- und Kopfschmerzen. „Erst wenn der Leidensdruck zu groß wird suchen sich Betroffene Hilfe“, weiß Marion Swietza. Vorher könnten Angehörige und Behörden auch kaum etwas ausrichten: „Der Betroffene muss selber von einem Entzug überzeugt sein. Ohne diesen Willen ist der Rückfall vorprogrammiert.“