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| 01:07 Uhr

Tauziehen um heiße Leitungen

Guben.. Mitten im heißen Hochsommer wird heute in einem Besprechungszimmer des Hotels Waldow in Groß Breesen eine Entscheidung getroffen, deren Auswirkungen die Gubener erst im kalten Winter spüren könnten. Es geht um die Frage, ob das Fernwärmenetz der Neißestadt privatisiert werden soll oder nicht. Von Jan Siegel

Seit vielen Monaten wird hinter den Kulissen bereits gerangelt. Es geht um die Zukunft der Energieversorgung Guben GmbH (EVG), einer städtischen Gesellschaft, die in der Neißestadt ihr Geld vor allem mit dem Verkauf von Erdgas und Fernwärme verdient. Heute beraten der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der EVG und treffen wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens.
Das einst so gewinnträchtige Standbeim Fernwärme aber ist ins Minus gerutscht, weil längst nicht mehr so viele Kunden versorgt werden müssen wie noch für zehn Jahren. Die immer spärlicher abgenommene Fernwärme wird pro Einheit immer teurer. Die EVG musste zuschießen aus ihren Erdgasgewinnen.
In dieser Situation wurde der Gedanke geboren, das Fernwärmenetz zu privatisieren. Als Kaufinteressent fand sich bisher nur die Firma „harpen“ , eine Tochter des RWE-Konzerns. „harpen“ hat den Gubenern zwei Millionen Euro für das Fernwärmenetz geboten (die RUNDSCHAU berichtete). Der Preis hört sich gut an für ein „Verlustgeschäft“ . Doch die Medaille hat aus Sicht der EVG eine zweite, unschöne Seite.
Mit dem Einstieg von „harpen“ bekäme das kommunale Energieversorgungsunternehmen auf dem Gubener Markt einen Konkurrenten. Außerdem glauben einige Kenner des Marktes, dass der Fernwärmelieferant, die Steag GmbH, den Wärmepreis in Guben „künstlich hochgerechnet“ hat, um die EVG zum Verkauf des Netzes zu animieren. Das ist aber eine Spekulation, die niemand an der Neiße beweisen kann.
Im Vorfeld der heutigen Aufsichtsratssitzung scheint die Lage relativ klar. Die Gubener Vertreter wollen den Verkauf des Fernwärmenetzes ablehnen. Motto: „Was ,harpen' kann, das können wir auch.“ Allerdings ist aus Sicht der Gubener unklar, wie sich die Vertreter der enviaM - auch eine RWE-Tochter - verhalten, die ebenfalls im EVG-Aufsichtsrat sitzen. Wendungen und Überraschungen sind deshalb aus der Sicht von Mitgliedern des Gremiums heute nicht ausgeschlossen.
Wenn die Gubener das Heiznetz behalten, müssen sie aber schon in den nächsten Monaten Geld in die Hand nehmen. Die Rede ist von etwa 150 000 Euro - plus Fördermittel. Wegen des massiven Stadtumbaus in der Obersprucke ist es nötig, einige Trassenführungen zu verändern. Auch dieser Investition sollen die Aufsichtsräte heute zustimmen.
Bei diesem Thema aber könnte es unbequeme Fragen geben. Denn nicht alle Aufsichtsräte - vor allem die Vertreter der enviaM - sind der Meinung, dass die EVG die zusätzlichen Kosten für den Stadtumbau tragen muss. Wenn die Stadt Guben derart massive Veränderungen vollziehe, müsse sie auch für die Folgekosten aufkommen, sagen die Kritiker der Investitionspläne.
Neben dem Aufsichtsrat tagt heute auch die Gesellschafterversammlung der EVG im Breesener Hotel. Bei dieser Sitzung wird ein Notar anwesend sein. Grund dafür ist eine Änderung der Satzung der Gesellschaft.
Der Schritt ist ein spätes Nachspiel der letzten Gaspreiserhöhung vom Februar. Damals war der Preis angehoben worden, ohne dass ein Gubener Aufsichtsratsmitglied informiert worden war. Das soll künftig nicht wieder vorkommen, hatte damals Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner gepoltert. Mit der Satzungsänderung wird es künftig den Posten eines stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden geben, der auch bei Eilentscheidungen einbezogen werden muss. Wenig überraschend ist dabei die Ankündigung, dass der Bürgermeister persönlich diese Position einnehmen wird.