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| 15:16 Uhr

Veranstaltung
Taubendorfer holen Ernte ein

Die letzte Mahd absolvierten die Schnitterpaare in Taubendorf beim 20-jährigen Jubiläumserntefest .
Die letzte Mahd absolvierten die Schnitterpaare in Taubendorf beim 20-jährigen Jubiläumserntefest . FOTO: Ute Richter
Taubendorf. Dorfbewohner feiern Jubiläumsfest. Dietmar Woidke übernimmt Landvoigt-Rolle. Von Ute Richter

20 Jahre Erntefest haben die Taubendorfer am Wochenende gefeiert. Damit beginnt traditionell der Reigen der Erntefeste in der Gemeinde Schenkendöbern. Organisiert hat das Spektakel der Feuerwehr- und Kulturverein. „Nach der Wende haben wir hier in Taubendorf im kleinen Kreis die Sommersonnenwende gefeiert. Das war der Vorläufer unserer Erntefeste“, erzählt Siegmar Buder, Vorsitzender des Vereins.

„In den 50er- und 60er-Jahren gab es bei uns die letzten Erntefeste“, sagt Karl-Heinz Handreck. Er ist der letzte in Taubendorf in Hausgeburt Geborene. „Ein waschechter Taubendorfer eben“, betont er stolz. Die Sommersonnenwendfeiern nach der Wiedervereinigung waren den Taubendorfern „zu westlastig“, man wollte zu alten Traditionen zurückkehren, so Handreck.

Fas alle 130 Taubendorfer haben an den Vorbereitungen für das Jubiläumserntefest mitgewirkt. Alle 35 Haushalte haben sich etwas Besonderes einfallen lassen und ihr Gehöft mit Puppen oder Gefährten dekoriert. „Wir freuen uns sehr, dass alle mitgemacht haben. Man sieht schon vor den Häusern einen Querschnitt durch die Geschichte unseres Dorfes“, sagt Buder.

Und auch beim Festumzug bekamen die zahlreichen Besucher einen Einblick ins Dorfleben, wie es früher war und heute ist. Pferdegespanne und Traktoren, Schnitterpaare in tollen Kostümen und Landwirtschaftstechnik waren zu sehen. Trotz tropischer Temperaturen machten alle bei der letzten Mahd mit. Diese fiel allerdings aufgrund der Trockenheit ziemlich mickig aus. Doch die Frauen machten aus den kurzen trockenen Strohhalmen kleine Puppen – so gut es eben ging.

Zum Jubiläum kam tatkräftige Unterstützung aus Potsdam: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) griff selbst zur Sense und half mit beim Mähen. Er sprang auch gleich noch als Landvoigt ein und verhandelte mit Siegmar Buder den Lohn für die Arbeit der Schnitterpaare. „Es war für mich eine große Ehre, dass ich euer Landvoigt sein durfte“, sagte Woidke im Anschluss bei seiner Eröffnungsrede auf der Bühne.

Woidke ging auch auf die akute Situation der Landwirte ein und versprach, alles zu tun, um sie zu unterstützen. „Land, Gemeinde und der Ort selbst müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Investitionen sinnvoll eingesetzt werden“, betonte der Ministerpräsident.

Für die Besucher gab es traditionell Quark- und Schmalzstullen, die die Frauen des Ortes in der Vesperecke am Feldrand vorbereitet hatten, sowie Apfelwein. Und auch ein Tänzchen zur Blasmusik durfte nicht fehlen.

Beim anschließenden Platzkonzert mit den Lübbenauer „Fröhlichen Hechten“ suchten sich viele Besucher ein schattiges Plätzchen und lauschten den volkstümlichen Klängen. Ein Höhepunkt in jedem Jahr ist die große Modenschau des Ortes. „Gudrun Schuster zu Ehren, die in vielen Jahren diese Modenschau organisiert und durchgeführt hat und leider verstorben ist, werden wir diese Tradition aufrecht erhalten“, betont Buder. Und so gab es bei der diesjährigen Modenschau eine Reise durch die Jahrzehnte. Alle Kostüme stammen aus dem Fundus der Einwohner von Taubendorf. Sogar die Begleitmusik wurde passend zur Jahreszahl der gezeigten Bekleidung ausgewählt.

Aber auch Preisschießen, Preiskegeln, Fahrten mit der Kutsche oder Ackerbanane, Hüpfburg, Ponyreiten und Bastelstraße sowie die Traditionsküche konnten genutzt werden. Seit vielen Jahren stellen die Taubendorf dort eine Küche aus früheren Zeiten nach und servieren Gerichte von anno dazumal.

Fehlen darf auch nicht das frisch gebackene Brot aus dem Backofen des Ortes. „Bäckermeister“ Helmut Janke (75 Jahre) heizt stets vor dem Erntefest, aber auch bei anderen Dorffesten oder Familienfeiern den Steinbackofen an, backt Brot oder den Kuchen, den die Frauen schon fertig vorbereitet bringen. „Das wird in jedem Jahr sehr gut angenommen“, sagt Buder.

Bereits am Freitagabend begann das Fest sportlich. Am Erntefest-Jubiläumsturnier im Volleyball nahmen acht Mannschaften aus der Gemeinde Schenkendöbern teil. Den Gewinnerpokal konnten die Pinnower mit nach Hause nehmen.

Vereinsvorsitzender Siegmar Buder bedankt sich bei allen Dorfbewohner für ihren Einsatz und ist sich sicher, auch wenn es im Herbst Neuwahlen beim Feuerwehr- und Kulturverein geben wird: „Es wird weitergehen“.