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| 16:23 Uhr

Nachbesserungen und Stellungnahmen liegen noch nicht vor
Frist für Tagebau Gubin läuft ab

 Unter Gubin und Brody schlummern Massen von Braunkohle. Ob der geplante Tagebau allerdings kommt, ist unklar. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass die Betroffenen aufatmen können.
Unter Gubin und Brody schlummern Massen von Braunkohle. Ob der geplante Tagebau allerdings kommt, ist unklar. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass die Betroffenen aufatmen können. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Gubin/Brody. Seit 2016 liegt die Planung für den Tagebau in Gubin-Brody auf Eis, nach dem eine Umweltprüfung zahlreiche Einwände brachte. Mitte des Jahres endet die Frist zur Nachbesserung. Hat die PGE ihre Pläne aufgegeben? Von Thomas Engelhardt und Daniel Schauff

Eine Bestätigung des polnischen Energieunternehmens PGE bleibt am Dienstag aus. Trotzdem: Es scheint, als seien die Pläne für den Tagebau zwischen Gubin und Brody nun vom Tisch.

Es sehe so aus, als ob es zu der Investition nicht kommen werde, sagt Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak, verweist für nähere Informationen aber auf die PGE. Auch Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) hat davon gehört, dass das polnische Unternehmen nun doch keine Kohle in direkter Nachbarschaft fördern wolle. Eine offizielle Verlautbarung aber kenne er nicht.

Anfang April hat die PGE noch betont, es würden Vorbereitungen für den Tagebau Gubin-Brody getroffen. Berichtet hatte die Lebuser Zeitung Gazeta Lubuska. Gleichzeitig sagte die PGE-Sprecherin Sandra Apanasionek, dass die Umsetzung einzelner Investitionsprojekte unter anderem von der endgültigen Gestaltung der polnischen Energiepolitik, der Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union und den Anforderungen des Energiesystems abhingen. Heißt: Ein klares Ja zum Tagebau Gubin-Brody gab es schon Anfang des Monats nicht. Zudem waren die Tagebau-Pläne aus dem Bericht der PGE verschwunden. Als ein klares Zeichen für das Ende der Pläne wollte Apanasionek das von der Gazeta Lubuska allerdings nicht verstanden wissen. Die Betriebserlaubnis für den Tagebau werde weiterhin angestrebt, so die Sprecherin.

Zahlreiche Einwendungen gegen den Landesentwicklungsplan

Mitte dieses Jahres endet die Frist für die PGE, um Nachbesserungen und Stellungnahmen vorzulegen, die den Tagebau genehmigungsfähig machen. Seit 2016 liegt die Planung auf Eis, nach dem eine Umweltprüfung zahlreiche Einwände auch aus Guben, Schenkendöbern und Forst brachte. „Die Ermittlung und Beschreibung der Auswirkungen ist äußerst dürftig, Wechsel- und Summenwirkungen mit anderen Vorhaben – beispielsweise die Tagebauentwicklung auf deutscher Seite mit dem Auslaufen des Tagebaus Jänschwalde – wurden nur unzureichend oder gar nicht untersucht", sagte damals Andreas Stahlberg, bei der Gemeinde Schenkendöbern zuständig für bergbaubedingte Sonderaufgaben. Von ihm kam damals das umfangreichste Werk an Kommentaren zum Lebuser Landesentwicklungsplan. Es fehlten im Landesplan ausreichende Aussagen zu den Auswirkungen auf die Umgebung, sagte Angelika Geisler, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung in Forst. Sie nannte die Grundwasser-Absenkung, aber auch die geplante Dichtungswand und auch die Abfallentsorgung aus dem möglichen Tagebau als Aspekte, die die Rosenstadt dazu bewogen hätten, Gegenwind gegen die Tagebaupläne der Nachbar-Woiwodschaft zu erzeugen.

Bürgermeister vom Gubiner Land entschieden gegen die Tagebaupläne

Während auf deutscher Seite vor allem Umweltbedenken eine Rolle spielen, würde der Tagebau Gubin-Brody für die Bewohner eines Teils der Woiwodschaft Lubuskie ganz persönliche Konsequenzen mit sich bringen. Bleibt es bei den Plänen der PGE, müssten rund ein Dutzend Dörfer dem Tagebau weichen, rund 3000 Menschen würden umgesiedelt.

Niemand wolle in einem Gebiet investieren, in dem ein Tagebau gebaut werden könnte, sagte Zbigniew Barski, Bürgermeister vom Gubiner Land, der Gazeta Lubuska. Er rechnet der Zeitung zufolge damit, dass das Aus der Tagebaupläne bald bekanntgegeben würde. Barskis Ziel: die Streichung des Tagebaus aus den Planungen der Woiwodschaft Lubuskie. Das betonte er im März auch in der RUNDSCHAU. Selbst Straßen würden im Gubiner Land angesichts des geplanten Tagebaus nicht mehr saniert.

Dem entgegen steht der vermeintliche Schatz, der unter Gubin und Brody im Boden schlummert. Rund eine Milliarde Tonnen Braunkohle liegen dort. Ursprünglich wollte die PGE ab 2025 jährlich rund 17 Millionen Tonnen fördern. Einschließlich der Vorbereitungszeit soll der Tagebau über 50 Jahre lang betrieben werden. Polen setzt weiterhin auf Kohle als Energielieferant. 80 Prozent des polnischen Stroms stammen aus der Kohle. Die Regierung will die Kohleverstromung ausbauen, trotz der Energiewende im Nachbarland Deutschland und trotz der Umweltvorgaben der Europäischen Union. Die Regierung ist es auch, die letztendlich über den Tagebau Gubin-Brody entscheiden wird oder bereits entschieden hat.