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| 15:35 Uhr

Vereine
Summton entlarvt Stech-Bienen

Gabriela Behnke und Torsten Stock vom Imkerverein stehen zwischen den Bienenstöcken.
Gabriela Behnke und Torsten Stock vom Imkerverein stehen zwischen den Bienenstöcken. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Gubener Imkerverein feiert 160-jähriges Bestehen. Züchter freuen sich über stabile Bestände. Von Silke Halpick

Am Summton erkennt Torsten Stock, ob eine Biene stechlustig ist. „Der Ton ist schriller und aggressiver“, erklärt er. Stock muss es wissen. Der Gubener ist Vorsitzender des ortsansässigen Imkervereins, der in diesem Jahr sein 160-jähriges Bestehen feiert. 150 Bienenvölker werden hier von 25 Vereinsmitgliedern „bewirtschaftet“.

 „Hier will wohl jemand rein, der gar nicht dazugehört“, sagt Gabriela Behnke. Sie zeigt auf den Eingangsschlitz eines Bienenstockes. Tatsächlich wird gerade eine Biene von zwei anderen abgedrängt. Behnke ist eine von sechs Frauen im Imkerverein.  Weil sie das Bienen-Kita-Projekt ihrer Tochter so begeisterte, stehen nun acht Bienenstöcke auch in ihrer Gärtnerei am Stadtpark. Den Honig verkauft sie vor Ort.

„Zwischen 30 bis 40 Liter kommen pro Volk und Jahr zusammen“, erzählt sie. Die große Ausbeute sei dem typischen „Bienenfleiß“ zuzuschreiben. „Die Arbeiterinnen leben im Sommer nur einen Monat, sie arbeiten sich regelrecht tot“, erzählt Behnke. Im Winter liege die Lebenserwartung bei einem halben Jahr.

Der Gubener Imkerverein wurde 1858 von einem Rechtsanwalt gegründet. „Das geht aus einem Zeitungsartikel hervor“, sagt Stock. Der wird in der Vereinschronik gut aufbewahrt. Mehr Dokumente gibt es nicht, der Rest ist in den Wirren der Nachkriegszeit verschollen. Seine Blütezeit erlebte der Verein vermutlich zu DDR-Zeiten. Damals waren hier mehr als 80 Mitglieder organisiert. Heute sind es nur noch 25 Hobbyzüchter im Alter zwischen 40 und 80 Jahren.

„Wir treffen uns regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und zu Festen“, sagt der Vereinschef. So wurde Anfang August auch das 160-jährige Vereinsbestehen gemeinsam gefeiert. Nach der Kräuterwanderung durch den Stadtpark mit Mechthild Diehl wurde in der Vereinsgaststätte in Groß Breesen gefachsimpelt.

Vom großen Bienensterben sind die Gubener bislang verschont geblieben. „Unsere Bestände sind weitgehend stabil“, sagt Stock. Ein paar Ausfälle im Winter gebe es immer wieder, doch einen massenhaften Befall durch Varroa-Milben kann er nicht bestätigen. Die Milbe wurde 1977 durch asiatische Honigbienen nach Europa eingeschleppt und gilt heute als Hauptursache fürs Bienensterben.

„Weniger werden allerdings die Wildbienen“, räumt Behnke ein. Als Imkerin hat sie auch andere Insekten im Blick. „Jede Art hat ihren Platz im Ökosystem“, betont sie. Auch Forscher der Universität in Halle an der Saale rechnen damit, dass in den nächsten 25 Jahren  rund ein Drittel der Wildbienenarten aussterben wird, wenn die Intensivierung der Landwirtschaft anhält.

Ein Reizwort ist für die Imker  Glyphosat. Der Unkrautvernichter wird in der Landwirtschaft eingesetzt und steht im Verdacht, Krebs auszulösen. Für viel Wirbel sorgte vor einigen Jahren ein Hobby-Imker, der seinen Honig auf Glyphosat testen ließ. Der Schock war groß: Die Belastung des Honigs war so hoch, dass er seine Honigbestände vernichten musste. „Wir haben unseren Honig noch nicht testen lassen“, sagt Stock. Die Gubener Imker setzen darauf, dass die Landwirtschaftsbetriebe ihre Pflanzenschutzmittel „verantwortungsvoll“ einsetzen.

Der Verein sucht Nachwuchs. Möglich sind Imkerpartnerschaften. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 0152 25289753 melden