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Gesellschaft
Streit um Weihnachtsmarkt

Der Weihnachtsmann steht auf dem Balkon. Unter ihm tobt der Weihnachtsmarkt auf dem Gubener Dreieck.
Der Weihnachtsmann steht auf dem Balkon. Unter ihm tobt der Weihnachtsmarkt auf dem Gubener Dreieck. FOTO: Bernhard Schulz / Stadt Guben
Guben. Innenstadthändler ärgern sich über Entscheidung des Bürgermeisters zur Standortwahl. Von Silke Halpick

Alle Jahre wieder gibt es den Gubener Weihnachtsmarkt am dritten Advent. In diesem Jahr soll allerdings nicht auf dem Dreieck, sondern vor dem Rathaus gefeiert werden. Das verärgert viele Händler entlang der Frankfurter Straße, die Umsatzeinbußen befürchten.

Seit der jüngsten Händlerversammlung schlagen die Wellen hoch. Viele der Gewerbetreibenden sehen in der Entscheidung einen Alleingang des amtierenden Bürgermeisters. „Ich bin enttäuscht, dass keine Möglichkeit zur Diskussion bestand, sondern es nur hieß: Ich habe beschlossen“, sagt beispielsweise Heike Ameis vom Otto-Shop. Auch Jeanette Weber von „Jannett-Textilien“ ärgert sich darüber, dass die Händler „vor vollendete Tatsachen“ gestellt wurden.

Der traditionelle Gubener Weihnachtsmarkt hat in den vergangenen Jahren immer auf dem Gubener Dreieck stattgefunden. Hier gab es den alljährlichen Stollenanschnitt. Hier wurde der Weihnachtsmann von den Kindern geweckt. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass der Weihnachtsmarkt auf dem Dreieck stattfindet“, betont Manuela Schneider von Augenoptik Schneider. Aus ihrer Sicht habe sich der Standort bestens „etabliert“.

„Nähe und Akzeptanz sind auf dem Dreieck am höchsten“, sagt auch Frank Steckling von Schreibwaren-Steckling. Er erinnert sich noch gut an den Weihnachtsmarkt 2013 direkt vor dem Rathaus. Aus Sicht der Händler war das damals ein schlechtes Geschäft. „Wir haben die große Straße dazwischen“, begründet er. Deshalb kommen auch nur wenig Kunden in die Geschäfte.

Die Argumente der Händler seien in die Entscheidung eingeflossen, betont der amtierende Bürgermeister Fred Mahro auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Bereits auf der Händlerberatung im Oktober sei über das Thema diskutiert worden. Bei der jüngsten Sitzung hat Mahro eigenen Angaben zufolge versucht, den Händlern die Gründe für die Standortentscheidung zu vermitteln.

Für den Weihnachtsmarkt direkt vor dem Rathaus sprechen aus seiner Sicht die Nähe zum Stadt- und Industriemuseum, zur Bibliothek sowie zur Alten Färberei, in der zeitgleich der Modelleisenbahnklub ausstellt. Im Rathaus gibt es öffentliche Toiletten, die von den Besuchern genutzt werden können. Das sei beispielsweise immer ein Kritikpunkt in den Vorjahren gewesen, erklärt der amtierende Bürgermeister.

Mit dem Umzug des Weihnachtsmarktes auf den Rathausvorplatz kann die Stadt auch auf Straßensperrungen verzichten. Zudem hat sich die Zahl der Anbieter erhöht, sodass die Kapazität rund um den Brunnen ohnehin nicht mehr ausgereicht hätte. Mahro betont, „dass der Weihnachtsmarkt nicht vordergründig der Förderung des Einzelhandels in der Altstadt dient“. Für ihn liegt der „Reiz“ vielmehr in der „Kombination zwischen dem Besuch eines Marktes und der geöffneten Geschäfte“.

Viele der Händler haben allerdings das Gefühl, „abgeschnitten zu werden“. Einige der Gewerbetreibenden wollen ihre Geschäft an diesem Tag nicht wie geplant öffnen. Das sei aber „kein Boykott“, wie Jeannette Weber erklärt, sondern eine rein wirtschaftliche Entscheidung. „Wir wissen, dass kein Kunde kommt“, sagt sie. Stattdessen sollen die Geschäfte noch einmal am 23. Dezember lange geöffnet bleiben.