ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Streit um Solardach in Atterwasch

Mathias Berndt vor der Südseite des Pfarrhauses Atterwasch.
Mathias Berndt vor der Südseite des Pfarrhauses Atterwasch. FOTO: B.M.
Schenkendöbern/Guben. Das Solardach auf dem Pfarrhaus von Atterwasch ist zum Streitfall geworden. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße verweigert dem Projekt des Jahres 2012 der evangelischen Kirchengemeinde Region Guben und der Solargenossenschaft Lausitz die Genehmigung. Beate Möschl

Längst Sonnenstrom liefern sollte die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Pfarrhauses in Atterwasch (Großgemeinde Schenkendöbern). Das liegt schön nach Süden hin und bietet auf circa 180 Quadratmetern Fläche Platz für eine Anlage mit einer installierten elektrischen Leistung von rund 20 Kilowattpeak, wie Matthias Bärmann, Vorstandsvorsitzender der Solargenossenschaft Lausitz (Sogela) mit Sitz in Guben, sagt.

Die Anlage soll das Pfarrhaus mit Strom versorgen, immer dann, wenn die Sonne scheint. Der überschüssige Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist werden. Von der Einspeisevergütung, die die Sogela dafür erhält, profitiert auch die Kirchengemeinde. Weil sie den Strom von der Sogela günstiger geliefert bekommt, als marktüblich, und für die zur Verfügung gestellte Dachfläche eine kleine Miete erhält. Das jedenfalls ist der Plan. In diesem Jahr sollte er realisiert und das Pfarrhaus das Projekt des Jahres 2012 werden.

Die Sogela hat von der Kirchengemeinde grünes Licht für die Errichtung einer Solarstromanlage auf dem Atterwascher Pfarrhausdach bekommen. Soll doch damit ein Vorzeigeobjekt in einer vom Tagebau bedrohten Region geschaffen werden, wie Pfarrer Mathias Berndt, Seelsorger für die Bergbauregion im Evangelischen Kirchenkreis Cottbus, sagt.

Berndt wohnt mit seiner Familie in dem Pfarrhaus. "Wir haben Widerspruch gegen die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde eingelegt", sagt er. Wir meint die Sogela als Bauherren und Betreiber der geplanten Solaranlage und die Kirchengemeinde als Vermieter der Dachfläche.

"Es ist vollkommen unverständlich, dass sich das Amt auf den Denkmalschutz zurückzieht, obwohl Atterwasch, Grabko und Kerkwitz vor der Perspektive der Abbaggerung stehen, weil Vattenfall in der Lausitz weiter Braunkohle verstromen und dafür den Tagebau Jänschwalde Nord aufschließen will", sagt er und erklärt: "Darum wollen wir ein Zeichen setzen: Solarstrom statt Abbaggerung. Dabei wird der Charakter des Denkmals nicht verändert, weil die Solaranlage eine temporäre Einrichtung ist. Wenn sie nach 20 Jahren wieder abgebaut wird, ist dem Denkmal kein Schaden entstanden, nur der Bestand gesichert, weil es nicht abgerissen wurde."

Die Behörde äußert sich dazu nicht. Weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, wie es auf RUNDSCHAU-Nachfrage heißt. Das Pfarrhaus wurde um 1850 errichtet. 185 Jahre später könnte es schon Geschichte sein. Denn wenn es nach den im September 2007 bekanntgewordenen Plänen des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall geht, sollen Kerkwitz 2030, Atterwasch 2035 und später Grabko (2041) abgebaggert werden.

Gegen die Pläne regt sich heftiger Widerstand in der Region, mit zunehmend breiterer Unterstützung. Die Gründung der Solargenossenschaft Lausitz im August 2009 in Guben ist ein Teil des Widerstandes. Sie hat zum Ziel, erneuerbaren Energien als Alternative zum Braunkohlenstrom mit zum Durchbruch zu verhelfen, und die Bürger daran teilhaben zu lassen.