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Politik
Streit um Schulsozialarbeiterin

Viele ehemalige Schüler haben der Sozialarbeiterin Briefe geschrieben, um zu sagen, wie sehr sie sie vermissen.
Viele ehemalige Schüler haben der Sozialarbeiterin Briefe geschrieben, um zu sagen, wie sehr sie sie vermissen. FOTO: Silke Halpick / LR
Von Silke Halpick. Die Schulsozialarbeiterin der Friedensschule soll in einer anderen Einrichtung in Guben arbeiten. Gegen die Umsetzung protestieren viele Eltern und Kinder. 230 Unterschriften wurden bisher gesammelt.

Als „beste Sozialarbeiterin der Welt“ hatten Schüler Inga Shcherbyna auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses bezeichnet. Die gebürtige Ukrainerin arbeitet seit sechs Jahren an der Friedensschule in Guben und ist dort sehr beliebt.

Mit einem Brief haben sich auch Eltern an den amtierenden Bürgermeister Fred Mahro gewandt. Das Schreiben sei ein „Hilferuf“. Inga Shcherbyna wird darin „eine hervorragende Arbeit“ bescheinigt. Viele der Eltern sehen in ihr eine „sehr kompetente, einfühlsame, hilfsbereite und engagierte Ansprechpartnerin“, die sich „mit Herz und Seele“ für das „Wohl“ der Kinder einsetze. Gebeten wird darum, die „Zwangsversetzung“ zu verhindern.

So glücklich sah Inga Shcherbyna aus, als sie 2012 im Modellprogramm als Sozialarbeiterin an der Friedensschule begann.
So glücklich sah Inga Shcherbyna aus, als sie 2012 im Modellprogramm als Sozialarbeiterin an der Friedensschule begann. FOTO: Beate M“schl

Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro stellt auf RUNDSCHAU-Nachfrage klar, dass es sich keinesfalls um eine im Beamtenrecht übliche „Versetzung“ handelt. Vielmehr gehe es um eine „Umsetzung“, von der die Stadt Guben als Arbeitgeber im Rahmen des Direktionsrechtes Gebrauch mache. Zum Sachverhalt selbst will er sich nach wie vor nicht öffentlich äußern, weil es sich um eine Personalangelegenheit handle.

Dass er sich „die Entscheidung nicht leicht gemacht habe“, es aber auch „keine Alternative“ gebe, hatte Mahro bereits auf der Sitzung des Sozialausschusses betont. Viele der anwesenden Eltern waren empört, dass es nicht zu einer inhaltlichen Diskussion gekommen war. Mahro signalisierte damals seine Bereitschaft, den Eltern den Sachverhalt noch einmal zu erklären.

Aktuell nicht viel sagen will auch Margarete Emmer. Die Gubener Rechtsanwältin vertritt Inga Shcherbyna. Sie verweist auf das laufende Verfahren. Allerdings äußert sie Zweifel daran, dass es sich um eine  Umsetzung handelt. Der Aufgabenbereich einer Sozialarbeiterin an der Schule unterscheide sich erheblich von dem im Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrum (KJFZ), begründet sie. „Wir sind der Meinung, dass es so nicht gehen kann“, sagt sie. Mitte Januar soll der Fall vor dem Cottbuser Arbeitsgericht verhandelt werden.

Als Grund hinter der Versetzung vermuten viele Eltern aber auch den fehlenden Studienabschluss als Sozialpädagogin. Inga Shcherbyna ist gelernte Erzieherin, hatte in der Ukraine aber den Abschluss als Diplom-Pädagogin gemacht, bevor sie 1996 nach Deutschland kam.

„Wir sind der Meinung, dass die zwischenmenschlichen Voraussetzungen für diese Arbeit nicht von dem oben genannten Studien­abschluss abhängig zu machen sind“, heißt es in dem Elternbrief. Auch Fred Mahro muss auf RUNDSCHAU-Nachfrage einräumen, dass von den städtischen Sozialarbeitern nur zwei über diese Qualifikation verfügen.

Zum Jahresbeginn musste die Stadt Guben ihre Sozialarbeit neu ordnen. Hintergrund ist eine veränderte Förderrichtlinie des Landkreises Spree-Neiße. Dementsprechend soll die Arbeit an den Schulen gestärkt und im Gegenzug Abstriche bei der freien Jugendarbeit gemacht werden.

An den beiden Gubener Grundschulen wurden die Schulsozialarbeiter von jeweils 0,5 auf 0,7 Vollzeitstellen aufgestockt, an der Europaschule und am Gymnasium von 0,6 beziehungsweise 0,5 auf jeweils 0,8 Vollzeitstellen. Gekürzt wurde hingegen im KJFZ. Hier wird es nur noch eine 1,5-Vollzeitstellen-Besetzung geben, bisher waren es zwei. So hatten es die Stadtverordneten beschlossen.

Den Job als Sozialarbeiterin an der Friedensschule hat jetzt Annett Pohl übernommen. Zuvor war sie mehr als 25 Jahre lang als Leiterin des KJFZ tätig. Für die Schüler ist sie keine Unbekannte. Auch in der Vergangenheit war sie schon oft die Vertretung an der Einrichtung.

Inga Shcherbyna war 2015 über einen längeren Zeitraum erkrankt, in dessen Folge sie jetzt auch einen Schwerbehinderten-Ausweis besitzt. Für sie persönlich ist der Beruf der Schulsozialarbeiterin „der beste Job der Welt“, wie sie sagt. Sie spricht vier Sprachen, darunter auch polnisch und russisch.