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Umwelt
Streit um Pinnower See geht weiter

Die Idylle am Pinnower See trügt: Das Wasser wird immer weniger, der Frust über das Nichthandeln der Behörden immer größer.
Die Idylle am Pinnower See trügt: Das Wasser wird immer weniger, der Frust über das Nichthandeln der Behörden immer größer. FOTO: Bernhard Schulz
Guben. Eine Gubenerin fordert das Umweltministerium auf, den Wasserverlust zu stoppen.

Den Wasserverlust am Pinnower See durch Sofortmaßnahmen zu stoppen ‑ das fordert die ehemalige Gubenerin Mandy Miersch in einem Brief an das Brandenburger Umweltministerium. Die Behörde sieht allerdings keinen Grund zum Handeln und weist die erhobenen Vorwürfe zurück.

Die ehemalige Gubenerin lebt heute in Dresden, ist jedoch mindestens einmal pro Monat am Pinnower See, wie sie sagt. Wie anderen Grundstücksbesitzern ist ihr der Wasserverlust in der Vergangenheit nicht entgangen. „Der Wasserspiegel ist in den letzten fünf Jahren um mehr als 1,6 Meter gesunken“, schreibt sie ans Ministerium. Mittlerweile ist bereits ein Kessel vom Hauptsee abgetrennt. Dem zweiten Kessel droht ein ähnliches Schicksal.

Der Pinnower See ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes und des Naturparks Schlaubetal. Im direkten Umfeld befindet sich auch das Naturschutzgebiet Pinnower Läuche - Tauersche Eichen. Deshalb sieht Miersch die Umweltbehörden in der Pflicht, den See zu erhalten. Sie verweist auf den Landschaftsrahmenplan des Landkreises Spree-Neiße aus dem Jahr 2009, in dem die „Sanierung des Pinnower Sees und des Großsees“ sowie die „Aufwertung der Erlebniswirksamkeit der Landschaft, besonders im Bereich der zu entwickelnden Erholungsgebiete bei Pinnow und Schönhöhe“ genannt werden.

Diese Ziele sind bis heute nicht umgesetzt, kritisiert die ehemalige Gubenerin. Auch dem „schleichenden Wasserverlust“ und der „zunehmenden Verlandung“ werde nicht Rechnung getragen. Das Umweltministerium soll seinen „Pflichten als öffentliche Verwaltung nachkommen“, fordert Miersch. „Es kann nicht sein, dass erst abgewartet wird, wo die Ursache für das Absinken des Wasserspiegels zu suchen ist“, betont sie. Ihrer Ansicht nach besteht „ein Anrecht auf angemessenes Handeln“.

„Die Vorwürfe sind nicht berechtigt“, sagt hingegen Jens-Uwe Schade, Pressesprecher des Umweltministeriums in Potsdam. Das Ministerium werde nicht handeln, betont er auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Die Landschaftspläne seien lediglich Ziele des Naturschutzes. Das bedeutet: Eine Verpflichtung zur Umsetzung gibt es nicht. Miersch hält dagegen: „Aber wenn sie aufgestellt sind und seit fast zehn Jahren keine Umsetzung erfolgt, kann man sich das ja wohl auch sparen.“

Für das Umweltministerium steht fest, dass die Gemeinde Schenkendöbern handeln muss, was auch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie passieren soll. Mit Ergebnissen wird aber erst Ende 2018 gerechnet. Das dauert vielen der Betroffenen zu lange. Der Ärger über das Nichthandeln der Behörden ist groß - auch bei den Siedlergemeinschaften.

Die Gemeinde Schenkendöbern selbst sieht sich als „keine für Naturschutzbelange zuständige Fachbehörde“. So steht es in einem Antwortschreiben an Mandy Miersch. Da der Pinnower See und das angrenzende Einzugsgebiet von verschiedenen Schutzgebietskulissen überlagert sind, könnten sämtliche Maßnahmen nur im Einvernehmen mit den zuständigen Fachbehörden umgesetzt werden, heißt es.

Die Gründe für den Wasserverlust sind nach wie vor unklar. Die Fachbehörden gehen von veränderten klimatischen und meteorologischen Bedingungen aus. Dass bei der Betrachtung der naheliegende Tagebau Jänschwalde offenbar keine Rolle zu spielen scheint, ärgert Miersch. Aber auch ein von der Gemeinde beauftragter Gutachter konnte bisher keinen eindeutigen Hinweis auf eine bergbauliche Beeinflussung finden. Allerdings sei das Monitoring zum Tagebau um den Bereich des Pinnower See erweitert worden, informiert die Gemeinde.

Auch anderen Seen in der Region geht das Wasser aus. Bekanntestes Beispiel ist der Pastlingsee, der im Sommer 2015 kurz vor dem Kollaps stand. Hier hat das Umweltministerium mittlerweile einen Zusammenhang zur Grundwasserabsenkung für den Tagebau eingeräumt.

(sha)