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| 17:23 Uhr

Bauvorhaben
Streit um Neubau am Großsee

Ein Neubau in Teerofen am Großsee sorgt für Streit zwischen den Eigentümern, dem Nachbarn, der Gemeinde und dem Landkreis Spree-Neiße.
Ein Neubau in Teerofen am Großsee sorgt für Streit zwischen den Eigentümern, dem Nachbarn, der Gemeinde und dem Landkreis Spree-Neiße. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Tauer. Die Bürgermeisterin von Tauer und der betroffene Nachbar kämpfen für einen Rückbau.

  Lorenz Wilke fühlt sich ungerecht behandelt. „Meine Frau und ich haben unser Haus in Teerofen am Nordufer vom Großsee 2006 gekauft und saniert. Wir durften dabei keinen Quadratmeter anbauen“, erzählt Lorenz Wilke. Der Grund für die Einschränkungen beim Umbau: Die Grundstücke in Teerofen liegen im Landschaftsschutzgebiet und baurechtlich gesehen im Außenbereich. „Doch scheinbar gilt nicht gleiches Recht für alle,“ so Lorenz Wilke und weist auf das Nachbragrundstück. „Das Haus auf dem Nachbargrundstück wurde abgerissen und an dem neuen Mehrgenerationenhaus wird seitdem fleißig gebaut.“

Die Bürgermeisterin von Tauer teilt die Auffassung von Lorenz Wilke. „Der Neubau ist ein Prachtbau und passt nicht an den Großsee. Dort waren die Häuser immer beschaulich und das sollten sie auch bleiben“, sagt Karin Kallauke und betont: „In einem Landschaftsschutzgebiet steht die Natur im Vordergrund.“ Warum aber hat die Gemeinde Tauer dem Bauvorhaben dann überhaupt zugestimmt?

Im August 2015 erhielt die Gemeindevertretung den ersten Bauantrag. „Der Neubau war zu groß und wir haben unser Einvernehmen nicht erteilt“, erinnert sich die Bürgermeisterin. Damals gab es in Tauer die Spekulation, dass in dem Neubau ein kleines Hotel errichtet werden solle. Denn das Grundstück gehört ist eine Bauherrengemeinschaft um Nicole Wenke-Nieswand. Ihrem Vater, Lothar Wenke, gehört das Hotel Christinenhof und Spa in Tauer. „Außerdem war man sich im Landkreis nicht einig, ob das Haus überhaupt abgerissen werden darf“, erzählt die ehemalige Rechtsanwältin. „Der Fachbereich Bau und Planung vom Landkreis fand keine erheblichen Missstände oder Mängel. Daher hätte das Haus saniert werden können“, so die Bürgermeisterin

Im März 2016 sei dann ein Bauantrag „in abgespeckter Version“ gefolgt. „Die Gemeindevertretung hat dafür zwar ihr Einvernehmen erteilt, allerdings beruhte das auf einer Falschinformation durch das Amt Peitz darüber, dass der Bestandsschutz noch erhalten sei“, sagt Lorenz Wilke. Er ist nicht nur der betroffene Nachbar, sondern sitzt gleichzeitig in der Gemeindevertretung. Und er vertritt eine andere  Aufassung: „Der Bestandsschutz war allerdings bereits erloschen, da das Haus mehr als vier Jahre leerstand und niemand dort gemeldet war.“

Sieben Gemeindevertreter stimmten dem Bauantrag zu, es gab zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Karin Kallauke hat ebenfalls für Nein gestimmt. „Ich hätte den Beschluss nicht unterschreiben dürfen“, macht sich die Bürgeremeisterin Vorwürfe. „Aber auch ohne unsere Zustimmung hätte der Landkreis die Baugenehmigung auf den Weg gebracht“, ist sie überzeugt. Das sei ihnen in der Sitzung deutlich gemacht wurden. „Die Baugenehmigung wurde danach in Rekordzeit vom Landkreis erteilt“, sagt Lorenz Wilke und sieht dabei persönliche Kontakte im Spiel. Die Gemeindevertreter legten Widerspruch ein, doch dieser ging ins Leere. Lorenz Wilke ging gerichtlich gegen die Baugenehmigung vor – ebenfalls ohne Erfolg.  „Das Verwaltungshandeln wurde vom Verwaltungsgericht Cottbus und vom Ministerium mehrfach überprüft und für korrekt befunden“, teilt der Landkreis mit. Der Bau sei nicht rechtswidrig. „Es wurde ein Abwägungsprozess vorgenommen und nach unserer Einschätzung war ein Ersatzbau möglich.“

Doch damit war die Sache noch nicht vom Tisch. Im Mai 2017 wurde in Tauer ein Nachtrag zur Baugenehmigung vorgelegt. „Das Gebäude sollte 25 Zentimeter höher werden“, sagt Karin Kallauke. Als Begründung wird der Wasserabfluss angeführt. „Wir haben dem Antrag nicht zugestimmt, denn so würde das Haus nur noch höher in die Landschaft ragen.“ Die Gemeindevertreter legten Anfang Dezember Widerspruch ein. „Doch bis heute haben wir keine Antwort vom Landkreis“, so die Bürgermeisterin. In ihrer Sitzung am heutigen Dienstag wollen die Gemeindevertreter über ihr weiteres Vorgehen abstimmen. „Ich würde auch vor Gericht gehen, aber dafür brauchen wir erst einmal die Antwort vom Landkreis“, erklärt die Rechtsexpertin. „Die Ungerechtigkeit kann so nicht stehen bleiben. Was machen wir sonst, wenn der nächste da bauen will?“

Die Bauherrengemischaft möchte zu dem Fall keine Stellung beziehen, erklärte Lothar Wenke auf RUNDSCHAU-Anfrage.

(Zeidler)