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Streit um Kerkwitzer Brücke

Die Kerkwitzer Gewölbebrücke wird vor allem von Ortskundigen als Abkürzung genutzt.
Die Kerkwitzer Gewölbebrücke wird vor allem von Ortskundigen als Abkürzung genutzt. FOTO: S. Halpick
Kerkwitz. Ein Streit um die Kerkwitzer Brücke ist entbrannt: Im Dorf werden Unterschriften für den Erhalt des Bauwerks gesammelt. Befürchtet wird die Sperrung der Überfahrt. Die Gemeindeverwaltung weist das zurück, will die Brücke aber erst 2016/2017 sanieren. Momentan ist kein Geld dafür da. Silke Halpick

Friedliche Stille liegt in der Luft und über der Kerkwitzer Gewölbebrücke. Unterbrochen wird die ländliche Idylle lediglich, wenn die Züge der Deutschen Bahn unter dem Bauwerk hindurch- oder Autofahrer darüber hinwegfahren. "Für uns ist das der kürzeste Weg nach Guben", sagt Steffen Krautz aus Kerkwitz. Beliebt ist die Abkürzung aber auch bei vielen ortskundigen Grabkoern, Atterwaschern und Bärenklauern. Doch jetzt sieht Krautz Gefahr in Verzug und schlägt Alarm.

"In den Haushaltsdiskussionen war die Rede davon, die Brücke halbseitig oder ganz zu sperren", erklärt er. Das wollen der parteilose Gemeindevertreter und seine Mitstreiter nicht einfach hinnehmen. Im Kerkwitzer Dorfladen liegen noch bis Ende Mai Unterschriftenlisten aus, in denen der Erhalt der Brücke sowie die Sanierung in den nächsten zwei Haushaltsjahren gefordert werden. "Es haben schon eine ganze Reihe Bürger unterschrieben", sagt Krautz.

Beim Kerkwitzer Ortsvorsteher Roland Lehmann ("Heimat und Zukunft - Hier") stößt die Aktion hingegen auf Unverständnis. "Die Sperrung der Brücke steht derzeit gar nicht zur Disposition. Es gibt keinen Grund, Panik zu verbreiten", sagt er. Im Gegenteil: Bei der letzten Ortsbeiratssitzung sei man sich einig gewesen, dass die Sanierung auch noch bis 2016/17 Zeit hat. "Die Brücke ist ja nicht in einem desolaten Zustand", begründet Lehmann.

"Bei der Brückenhauptprüfung 2014 sind Schäden festgestellt worden, die die Standsicherheit beeinträchtigen können", bestätigt Carmen Mönchinger, Leiterin des Bau- und Ordnungsamtes in Schenkendöbern, auf Nachfrage. Dabei handelt es sich beispielsweise um durchfeuchtetes und gerissenes Klinkermauerwerk und ausgebrochene Fugen. Weitere Schäden wurden am Geländer, dem Berührungsschutz und der Abdichtung festgestellt.

Erste Sofortmaßnahme war ein Fahrverbot für Fahrzeuge mit mehr als zwölf Tonnen. "Von einer Sperrung war nie die Rede", so Mönchinger. Das erfordere der bauliche Zustand der Brücke ihrer Meinung nach auch nicht. Auch eine halbseitige Sperrung komme nicht infrage. Denn schon jetzt warte in der Regel der Gegenverkehr, weil zwei Autos nebeneinander gar nicht auf die Brücke passen, so Mönchinger.

Die Sanierung der Kerkwitzer Brücke soll in den Haushaltsplan 2016/17 aufgenommen werden. Groben Schätzungen zufolge wird das die Gemeinde insgesamt 190 000 Euro kosten. Diese Summe ist momentan im Haushalt nicht vorhanden, heißt es.

Für Krautz ist das auch der Knackpunkt. "Die Gemeinde ist pleite", sagt er. Diese Vermutung erhärten seiner Ansicht nach auch die Aussagen der Kämmerin in der jüngsten Gemeindevertretersitzung: Die Kassenkredite der Gemeinde belaufen sich demnach auf fast drei Millionen Euro, es muss ein Haushaltssicherungskonzept aufgestellt werden. "Wenn wir jetzt nicht anfangen, Druck zu machen, werden wir die Brückensanierung nie bekommen", so Krautz.